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"Schon Menschenfleisch gegessen"Xavier Naidoo fabuliert über Kannibalismus und die Hölle

18.02.2026, 13:56 Uhr WhatsApp Image 2026-01-13 at 15.49.10Von Nicole Ankelmann
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Vor mehr als drei Jahren entschuldigt sich Xavier Naidoo für den Verschwörungsunsinn, den er zuvor verzapft hat. Auch angefacht durch die Epstein-Files steckt er allerdings wohl längst wieder mittendrin, wie ein Auftritt vor dem Kanzleramt in Berlin zeigt.

Es werden immer mehr Details über den bis in die höchsten Kreise reichenden Fall des verurteilten und 2019 verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein bekannt. Beinahe jeder Mann mit Geld und Macht scheint darin verstrickt und nicht nur für den Missbrauch von Frauen, sondern sogar für den von Kindern verantwortlich zu sein. Für Fans und Freunde des Musikers Xavier Naidoo Grund genug, für diesen eine Entschuldigung zu fordern. Schließlich habe er es ja schon immer gesagt: Die Elite frisst unsere Kinder. Von "rituellem Kindesmissbrauch" und einer satanischen Sekte, die Kinderblut zu Anti-Aging-Zwecken trinke, sprach er schon 2020 in einem Video und weinte dazu aufgelöst in die Handykamera.

Nun sind die ungeheuerlichen Dinge, die der seit Jahren für das Verbreiten kruder Verschwörungsmythen, offen ausgelebten Antisemitismus und seine Nähe zum Reichsbürgertum bekannte Musiker von sich gibt, so natürlich nie eingetroffen. Das hält aber nicht mal den renommierten Musikjournalisten Marcus Staiger, einst Chefredakteur von rap.de und zuletzt großer Kritiker Naidoos, davon ab, ihn plötzlich zu verteidigen und sich bei ihm zu entschuldigen. Naidoo sei "sehr viel Unrecht getan worden", sagte er kürzlich im Podcast "Kommon jetzt".

Und mit dieser Meinung ist Staiger offenbar nicht allein. Auch mehrere Rapper sollen Kontakt zu Naidoo gesucht haben, um es ihm gleich zu tun. Von seinen Hardcore-Fans mal ganz zu schweigen. Etwas, das den 54-Jährigen selbst zu einem erneuten Videostatement veranlasste. In dem inzwischen gelöschten Tiktok-Clip vom 13. Februar machte er klar, dass er gar keine Entschuldigung wolle, sondern nur, dass endlich etwas gegen dieses Unrecht an den Kindern getan werde. "Wir alle müssen uns bei den Kindern entschuldigen. Und wir müssen alles daransetzen, die Kinder, die noch in den Klauen dieser Monster sind, zu befreien. Und das ist alles." Welche Kinder er damit genau meinte, blieb offen.

Von "Kinderfressern" und "Dämonen"

Ob Staiger und die anderen nach Xavier Naidoos gestrigem Auftritt vor dem Kanzleramt in Berlin immer noch denken, der Mann habe Recht, ist nicht bekannt. Doch scheint der Sohn Mannheims von der Welle des Supports - er spielte gerade erst mehrere ausverkaufte Shows unter anderem in Köln, München und Berlin - so geflasht zu sein, dass er dort seinen Erzählungen noch einiges draufsetzt.

Zu der Demonstration am Kanzleramt aufgerufen hatten Frauen, die selbst von Missbrauch betroffen sind. Xavier Naidoo war dazu wohl eher nicht eingeladen. Doch er kam, und kaum hielt man ihm ein Mikrofon vor das sonnenbebrillte Gesicht, verselbständige sich das Ganze in eine sehr unangenehme Richtung, wie in Videos in den einschlägigen Naidoo-Telegram-Gruppen zu sehen ist.

Epstein interessiere ihn nicht, sagt Naidoo da. Er habe andere Themen. Und so spricht der hessische Musiker plötzlich über Kannibalismus. Für ihn seien die Leute, die in den Epstein-Akten genannt werden, "Kinderfresser" und "Dämonen", aber keine Menschen mehr. "Sobald du Menschenfleisch gegessen hast, bist du kein Mensch mehr." Das gelte vor allem für jene, die das wissentlich tun, denn Naidoo ist überzeugt, dass "wir alle schon Menschenfleisch gegessen haben", ohne es zu wissen. Das Unternehmen Frito-Lay North America alias "Lays" mache beispielsweise "embryonales Gewürzmittel" auf seine Chips. Auch zu McDonald's könne man nicht mehr gehen, wie jeder wisse. Da hat er womöglich sogar Recht, aber eher aus anderen Gründen als den seinen.

"Damit wir in die Hölle herunterfahren"

"Die Menschen, die selber Kannibalen sind, denen ist es das Allerwichtigste, dass wir alle Kannibalen werden", ist Naidoo überzeugt. Warum? Natürlich "damit wir alle in die Hölle herunterfahren." Und es brauche sich niemand zu wundern, "wenn morgen eine Flut käme oder Feuer vom Himmel regnen würde."

Begleitet wird die Veranstaltung und Xavier Naidoos Auftritt bei diesem mal wieder unrühmlichen Auftritt von einigen Anhängern und Unterstützern, darunter der Videokanal des rechtsextremen Compact-Netzwerks um Jürgen Elsässer und der in Corona-Zeiten mit der Freedom Parade unangenehm aufgefallenen Verschwörungsgläubige Michael Bründel alias Captain Future aus Berlin-Friedrichshain.

Neben Videos, in denen sie alle an seinen Lippen kleben, gibt es aber auch Material, in dem die Polizei versucht, der Lage Herr zu werden und Naidoo in seine Schranken und des Kanzleramt-Vorplatzes zu weisen. Denn natürlich ist es ein Unding, aber auch ein typisches Muster rechter Medien und Menschen wie Naidoo, Veranstaltungen wie diese für ihre Zwecke zu missbrauchen.

"Wichtig für Deutschland und unsere Seelen"

Naidoo will nämlich unbedingt mit Bundeskanzler Friedrich Merz über die Epstein-Files sprechen. "Das ist also sehr wichtig für Deutschland und für unsere Seelen, dass wir hier Antworten bekommen und zwar von den höchsten Stellen, die wir hier zur Verfügung haben", sagt er zu einem Streifenbeamten, der sich davon aber weitgehend unbeeindruckt zeigt. "Ich weiß nicht, wie viele Männer in Deutschland mit der Kinderfresser-Thematik okay sind, ich bin es nicht. In einer normalen Gesellschaft müssen Männer sowas verhindern", denkt Naidoo. "Ich würde lieber selber sterben, als weiter mit Kinderfressern zu leben."

Im April 2022 noch hatte sich Xavier Naidoo für sein Abdriften in Verschwörungsmythen öffentlich, wenn auch halbherzig in einem gerade einmal dreiminütigen Video entschuldigt. Wie viel beziehungsweise wenig von dieser Entschuldigung zu halten ist, zeigt spätestens dieser neuerliche Auftritt nur allzudeutlich. Absurde Lügen und halbgare Entschuldigungen, um die eigene Karriere zu retten und ordentlich abzukassieren, haben derzeit eben Hochkonjunktur.

Quelle: ntv.de

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