Der erste Fall für Melody MossSchottisches B&B-Erbe wird zum tödlichen Geheimnis
Von Thomas Badtke
Melody Moss ist Journalistin in London. Als sie von heute auf morgen ohne Job und Geld dasteht, kommt ihr das Erbe ihrer plötzlich verschiedenen Tante Mabel gerade recht: ein Bed & Breakfast an der schottischen Küste. Idylle pur! Denkste. Es wird mörderisch-gut!
Das "Coastal Inn" im schottischen Küstenstädtchen Seagull Bay ist Postkartenidylle pur: keine zehn Zimmer, schottische Hausmannskost, traditionelle Einrichtung - und eine neu angelegte Terrasse mit Meerblick. Mabel Moss, Eigentümerin dieser kleinen, aber feinen Unterkunft, ist sich bewusst, was sie da geschaffen hat. Bei einem Glas Wein genießt sie die Ruhe und die frische Meeresbrise am Abend. Wenig später ist sie tot. Offenbar ein Unfall: Beim Blumengießen von der Terrasse gestürzt und blutüberströmt, mit gebrochenem Genick in den Klippen gefunden.
Sie will es sich eigentlich nicht eingestehen, aber für Melody Moss kommt die Nachricht vom Tod ihrer Tante gerade recht. Die Journalistin hat ihren Job gerade verloren und auch nicht wirklich Geld auf der hohen Kante, um sich das teure Leben in London weiter leisten zu können. Also fährt sie in die "schottische Provinz", vielleicht lässt sich das B&B ihrer Tante ja zu Geld machen?
Grumpy old aunt
Seagull Bay kennt Melody aus ihrer Kindheit: Sie hat ihre Tante mehrfach besucht und gemeinsam mit Dean, dem fast gleichaltrigen Sohn der damaligen Köchin, die Gegend erkundet und unsicher gemacht. Sie war die "Heulboje", er die "Blödbacke". Was sich liebt … das neckt sich. Und als Melody in das Örtchen zurückkehrt, läuft Dean ihr direkt über den Weg. Er ist der Gärtner des schnuckeligen B&B. Mittlerweile groß gewachsen, braungebrannt und durchtrainiert von der Arbeit an der frischen Meeresluft. Schnuckelig, die "Blödbacke".
Und obwohl das "Coastal Inn" sehr erfolgreich ist, trauert keiner so recht um Mabel Moss. Den Grund dafür findet Melody im Büro ihrer Tante: Dort stehen zahlreiche Aktenordner, in den Mabel über nahezu jeden Einwohner des kleinen Küstenörtchens "Verfehlungen" gesammelt hat. So hat die örtliche Bäckerin etwa einen Mann angefahren und Fahrerflucht begangen. Das Nachbars-Pärchen stiehlt seit Jahren Strom von der Grundschule, die die Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, weshalb die Kinder im Winter frieren müssen. Ein Bürgermeisterkandidat, der auf Familie und traditionelle Werte macht, geht seit Jahren fremd - mit immer neuen Frauen.
Die "Akten des Schreckens" haben es also in sich. Aber es kommt noch dicker: Mabel hat die "Opfer" ihrer Buchführung erpresst. Mal 100 Pfund im Monat hier, mal 200 Pfund dort. Dann mal eine Rechnung nicht bezahlt. Mabel war kein Schätzchen, sie war eine Hexe und für die meisten Bewohner Seagulls der Teufel in Person. Genug Motive für einen Mord. An die Unfalltheorie glaubt Melody längst nicht mehr. Irgendjemand aus den zahlreichen Aktenordnern hat ihre Tante umgebracht.
Der Gärtner ist nicht immer der Mörder
Melody beginnt zu ermitteln. Auf eigene Faust. Mit Cheddar, der schniefenden Bulldogge ihrer Tante an ihrer Seite. Und je tiefer sie gräbt, desto mehr mögliche Täter fördert sie zutage. Auch der Eigentümer der "Highlander Lodge", dem das beliebte "Coastal Inn" ein Dorn im Auge war, steht auf Melodys Liste. Mabel hatte Gerüchte über Kakerlaken und anderes Ungeziefer in der Lodge in Umlauf gebracht, woraufhin das Edel-Etablissement fast bankrottgegangen wäre.
Nur bei einer Sache ist sich Melody felsenfest sicher: Der Gärtner ist nicht der Mörder. Aber Dean kann ihr bei der Tätersucher helfen. Er kennt sich im Ort aus, weiß auch über das "Coastal Inn" bestens Bescheid. Ein weiterer Pluspunkt, denn in Melody reift der Gedanke, das Bed & Breakfast weiterzuführen - ohne die "Verfehlungsakten" ihrer Tante wohlgemerkt.
Lektüre zum Schmökern und Träumen
"Mord & Breakfast" ist das, was man ein Gute-Laune-Buch par excellence nennt. Als Leser will man das Werk von Anne Gordon, erschienen bei dtv und DAV, nicht mehr aus der Hand legen, wenn man begonnen hat, es zu lesen. Man ist sofort mittendrin. In der Story, verfolgt gebannt, was Melody wieder Neues zutage fördert. Man ist erstaunt, welch verschlagenes Biest ihre Tante doch gewesen ist. Eine Frau, mit allen Wassern gewaschen, die aber eigentlich auch nur einen Traum verfolgt hat, der nicht in Erfüllung gegangen ist.
Man will sofort nach Seagull Bay reisen. Scones essen. In ein cremiges Fudge beißen. Ein Ale im örtlichen Pub trinken (in dem Mabel auch ihrer Finger im Spiel hatte). Vielleicht ein Whisky? Glenfiddich, 30 Jahre alt? Man will an der örtlichen Regatta teilnehmen, Möwen beschimpfen, einen Kilt tragen und auf Ahnenforschung gehen. Und bis der zweite "Fall für Melody Moss" erscheint, könnte man ja ein paar Tage Urlaub im wundervollen Schottland buchen, im urigen "Coastal Inn" in Seagull Bay, bei Melody Moss!
