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Interview mit den Autoren Was hat Asterix mit Julian Assange zu tun?

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"Her mit den Konflikten": Obelix ist auch im neuen "Asterix"-Abenteuer in Prügellaune.

2015 Les Éditions Albert René

Der neue "Asterix"-Band greift ein aktuelles Thema auf: Es geht um Informationen und ihre Kontrolle in Kriegszeiten. Die Autoren verraten im Gespräch mit n-tv.de ein paar Details und sprechen über Cäsar, Julian Assange und den Anschlag auf "Charlie Hebdo".

Ein neues "Asterix"-Album ist nicht nur in Frankreich ein Ereignis. Und ein noch größeres Geheimnis. Bis zur Veröffentlichung dringen nur wenige Informationen über den Inhalt nach draußen. Dabei geht es in "Der Papyrus des Cäsar" genau darum: die Kontrolle von Informationen. Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad, die nach dem Abschied von Albert Uderzo nun ihren zweiten Asterix-Band vorlegen, verraten im Gespräch mit n-tv.de aber ein paar Details. Außerdem sprechen sie über historische Genauigkeit, den Whistleblower Julian Assange und den Anschlag auf ihre Kollegen von "Charlie Hebdo".

Im neuen Band geht es wieder um Cäsar. Der römische Herrscher ist bei Asterix eine faszinierende Gestalt: Er ist zwar der Erzfeind der Gallier, aber er tritt nie als böser Schurke auf. Ist das der Respekt vor der historischen Gestalt?

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Cäsar hat Gallien erobert. Ganz Gallien? Sie wissen schon ...

(Foto: 2015 Les Éditions Albert René)

Jean-Yves Ferri: Wir haben uns bei der Gestaltung von Cäsar an den alten Alben von Uderzo und Goscinny orientiert. Dabei wollten wir natürlich auch eine gewisse historische Glaubwürdigkeit bewahren. Cäsar war ja nicht nur böse, er hat schließlich auch das Römische Reich befriedet.

Aber als Imperator eines Weltreichs interessiert er sich im Comic trotzdem für ein kleines gallisches Dorf.

Didier Conrad: Wie schon in früheren Alben ist Cäsar auch diesmal nicht derjenige, der die Gallier in Bedrängnis bringt. Er hat ja noch einen Berater.

Es geht um eine Art Spin Doctor. Können Sie etwas über die Figur erzählen?

Conrad: Er ist inspiriert durch Jacques Séguéla, einen der größten PR- und Werbemänner Frankreichs …

… der etwa Berater von Präsident François Mitterrand war.

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Autor Jean-Yves Ferri (r.) und Zeichner Didier Conrad legen ihren zweiten Asterix-Band vor.

(Foto: REUTERS)

Conrad: Richtig. Aber die Umsetzung ist sehr frei und nicht direkt auf Séguéla zugeschnitten. Eigentlich habe ich die Figur sogar schöner gemacht als sein Vorbild (lacht). Séguéla ist eine schillernde Persönlichkeit, der durch seine Sprüche berühmt wurde, zum Beispiel: "Ein Mann, der mit 50 noch keine Rolex hat, ist im Leben gescheitert." Als er hörte, dass er bei Asterix parodiert wird, hat er sich gefreut. Er sagte, dass das ja schließlich Werbung für ihn sei.

Ferri: Im Radio hat er dann gesagt, dass die Werbebranche nun durch Asterix eine Art Ritterschlag erhalten hätte.

Eine weitere Figur trägt die Züge von Julian Assange. Ist es eher ein Spaß oder eine bewusste Entscheidung, so eine Figur aufzugreifen?

Conrad: Die Figur stellt im Comic eine Art Vorläufer eines Journalisten dar. Den modernen Journalismus, wie wir ihn kennen, gab es in der Antike natürlich noch nicht. Das passt gut zu Assange, der eine Art Guerilla-Journalist ist. Deshalb bekam die Figur auch dessen Gesicht. Außerdem passt Assange zum eigentlichen Thema des Albums: die Kontrolle von Information.

Julian Assange und auch Edward Snowden haben eine breite Diskussion dieses Themas angestoßen. Waren es solche konkreten Fälle, die das Album inspiriert haben?

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Nach ihrer Reise zu den Pikten im letzten Album spielt das neue Abenteuer in Gallien.

(Foto: 2015 Les Éditions Albert René)

Conrad: Ich lebe in Kalifornien. Um ein Gegengewicht zu den amerikanischen Medien zu haben, lese ich regelmäßig die europäische Presse wie den "Guardian" oder die englische Version des "Spiegel". Dort stieß ich auf die Geschichte von Wikileaks und Assange, die mich sehr berührt hat. Mit Jean-Yves habe ich dann darüber gesprochen, ob man dieses Thema nicht aufgreifen könnte.

Es ist ein Thema, das sich eher an erwachsene Leser richtet.

Ferri: Im Comic hat es natürlich auch einen komischen Aspekt, nämlich wie die Kontrolle von Information in der Antike funktioniert haben könnte.

Nutzen Sie selbst soziale Netzwerke?

Conrad: Ich selber sehr wenig. Auch in dem Band gibt es natürlich kein soziales Netzwerk, wie wir es kennen. Es gibt aber Anspielungen darauf.

Ferri: Asterix muss immer plausibel bleiben. Man spielt zwar auf die Gegenwart an, aber das, was gezeigt wird, muss dokumentiert und glaubwürdig sein.

Diskutieren Sie über einzelne Aspekte einer Geschichte?

Conrad: Natürlich hat jeder seine eigene Sicht auf "Asterix". Wenn man diese aber zu streng verfolgt, gerät man leicht auf ein falsches Gleis. Da ist es hilfreich, wenn man sich austauschen und sehen kann, wie der andere reagiert. So lenkt man sich gegenseitig, damit der typische "Asterix"-Stil erhalten bleibt. Da wir nicht die Schöpfer der Serie sind, müssen wir den Geist der Serie respektieren.

Hat sich Uderzo diesmal noch mehr zurückgenommen als bei der Entstehung des letzten Albums?

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Der neue Asterix-Band "Der Papyrus des Cäsar" erscheint am 22. Oktober.

(Foto: "Asterix" / Egmont Comic Collection)

Ferri: Wir haben ihn auf respektvollem Abstand gehalten (lacht). Nein, im Ernst: Er war natürlich beteiligt. Die Verkaufszahlen von "Asterix bei den Pikten" haben aber den Verleger sehr beruhigt.

Conrad: Uderzo vertraut uns jetzt wirklich, er hat sich nicht eingemischt. Das gleiche gilt für die Tochter von René Goscinny, der die Serie bis in die 70er schrieb. Beide haben sich sehr zurückgehalten.

Ferri: Die Grundidee haben wir Uderzo und Anne Goscinny vorgelegt. Dann haben sie noch den größten Einfluss auf die Geschichte. Im Normalfall segnen sie den Vorschlag aber ab.

Conrad: Danach arbeiten wir allein. Erst wenn die Vorzeichnungen mit dem Bleistift fertig sind, legen wir sie noch einmal vor.

Ferri: Aber dann ist es sowieso zu spät (lacht).

Während das Album entstand, starben beim Anschlag auf das Magazin "Charlie Hebdo" mehrere Ihrer Zeichnerkollegen. Wie haben Sie reagiert, hat Sie das in Ihrer Arbeit beeinflusst?

Ferri: Wir haben alle Mohammed-Köpfe rausradiert (lacht). Im Ernst: Das hat uns natürlich schockiert und unser persönliches Leben berührt. Es war ja auch ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Dieses Thema spielt im neuen Album natürlich eine Rolle, es geht ja um die Freiheit der Information. Der Anschlag selbst wird aber nicht thematisiert.

Conrad: Diese Ereignisse haben uns klargemacht, dass wir mit unserem Album am Puls der Zeit sind.

Im vergangenen Jahr kam ein neuer Asterix-Film in 3D ins Kino. Schaut man da als Zeichner genauer hin, ob man neue, interessante Perspektiven entdeckt?

Conrad: Für meine Arbeit ist das nicht so interessant. Aber diese 3D-Filme sind die einzige Möglichkeit, Comic-Verfilmungen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Es ist sehr aufwändig, klassische Zeichentrickfilme so sorgfältig zu machen, dass sie die Qualität von Asterix erreichen. Das kann man heute ja gar nicht mehr machen.

Ferri: Die Kinofilme gehen auch viel freier mit dem Stoff um. Wir dagegen müssen eine Tradition wahren.

Beneiden Sie die Filmemacher darum?

Ferri: Didier ist eifersüchtig, ich nicht.

Conrad: Nein, nein, ich bin ganz zufrieden, du bist neidisch (lacht).

Mit Jean-Yves Ferri und Didier Conrad sprach Markus Lippold. "Asterix"-Übersetzer Klaus Jöken dolmetschte das Gespräch.

Der 36. "Asterix"-Band "Der Papyrus des Cäsar" erscheint am 22. Oktober als Soft- und Hardcover sowie digital. Mehr Infos dazu gibt es auf der offiziellen Seite.

Quelle: n-tv.de

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