Kino

"Spencer" zeigt ihre Leiden Arme Prinzessin Diana

imago0137569914h.jpg

So gebrechlich, dass man sie am liebsten in den Arm nehmen würde: Kristen Stewart als Prinzessin Diana.

(Foto: imago images/Picturelux)

Im Jahr 1991 verbringt Diana ihr letztes Weihnachtsfest mit der royalen Familie. Die drei Tage in Sandringham werden für die "Königin der Herzen" zu einem Albtraum. Regisseur Pablo Larraín zeigt mit "Spencer" eine Frau, die sich kurz vor einem Nervenzusammenbruch befindet.

Auch 25 Jahre nach ihrem Tod möchte der Hype um Prinzessin Diana einfach nicht abnehmen. Noch immer wird sie - längst nicht nur vom britischen Volk - vergöttert oder mit Statuen geehrt und nicht nur ihre Söhne, die Prinzen William und Harry, trauern noch immer um die schöne und gütige "Königin der Herzen". Auch ihr tragischer Unfall in einem Pariser Tunnel, der sie aus dem Leben riss, sorgt immer mal wieder für Schlagzeilen, schließlich ranken sich um ihn bis heute viele Verschwörungsmythen.

Obwohl die royale Familie für den harschen Umgang mit Diana oft kritisiert wurde, profitiert sie von ihrer Legende. In einem Zeitalter, in dem die Monarchie als überholt gilt und viele ihr die Legitimation absprechen, schafft es die bloße Erinnerung an Lady Di, die Menschen und das Königshaus wie durch ein magisches Band zusammenzuhalten.

Mit der "Königin der Herzen", die als Diana Frances Spencer zur Welt kam, lässt sich aber vor allem immer noch eine Menge verdienen. Etliche Dokus, Serien und Bücher versuchen, sich in ihre Psyche hineinzuversetzen. Ob Naomi Watts, Emma Corrin, Elizabeth Debicki oder Julie Cox - viele Schauspielerinnen schlüpften bereits in ihre Rolle. Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist in allen Produktionen derselbe: Wie fehl am Platz sich Diana als Teil des britischen Königshauses vorkam, dass Prinz Charles sie mit ihren Problemen allein ließ und sich lieber in die Arme seiner Geliebten Camilla Parker Bowles flüchtete. Übrig bleibt stets das Bild einer gebrochenen Frau, die man in den Arm nehmen und mit einem Hamburger füttern möchte.

Anspannung führt zu Zusammenbruch

Pablo Larraíns neuestes Werk "Spencer" bildet da keine Ausnahme. Das Biopic über die Prinzessin, dieses Mal verkörpert durch Kristen Stewart, beleuchtet ihr letztes Weihnachtsfest mit der royalen Familie, die die Feiertage traditionell in Sandringham, dem Landsitz von Queen Elizabeth II., verbringt. Dort, Ende 1991, fasst die damals 30-Jährige den Entschluss, sich endgültig von Charles (gespielt von Jack Farthing) zu trennen. Der chilenische Regisseur macht das royale Anwesen, das sich in unmittelbarer Nähe zu Dianas Elternhaus befindet, zum Albtraum für die Prinzessin.

Die meiste Zeit verbringt sie isoliert in ihrem Zimmer oder mit ihren Söhnen, die zu dem Zeitpunkt neun und sieben Jahre alt sind. Auf ihren Noch-Ehemann und dessen Familie trifft sie nur, wenn der straffe Zeitplan, dem sie unterworfen sind, es erfordert - wortkarge und unangenehme Begegnungen, die oft dadurch unterbrochen werden, dass die bulimische Prinzessin die Toilette aufsucht, um sich zu übergeben. Die Anspannung, die sie in Anwesenheit ihrer angeheirateten Familie verspürt, führt letztendlich fast zu einem Nervenzusammenbruch und wird durch dramatische Orgelklänge oder mit wildem Free Jazz unterstrichen.

Trost bekommt sie allein bei ihrer Ankleiderin Maggie (Sally Hawkins) und dem Küchenchef Darren McGrady (Sean Harris), denen sie ihr Herz ausschüttet. Bei ihrer Ankunft findet sie zudem - nicht ganz zufällig - ein Buch über Anne Boleyn auf ihrem Kopfkissen vor, mit der sie sich auf Anhieb identifizieren kann. Boleyn war die zweite Ehefrau von Heinrich VIII., die 1536 auf Befehl des Königs hingerichtet wurde, damit er seine dritte Frau heiraten konnte. Diana beginnt, von der Frau zu träumen und später auch zu halluzinieren. Sie wirkt geradezu wahnhaft, als Boleyns Geist zu ihr spricht und sie von einem nächtlichen Suizidversuch in ihrem verlassenen Elternhaus abhält.

Larraín tut Diana keinen Gefallen

Und genau da liegt das Problem des Films: Regisseur Pablo Larraín hat seiner künstlerischen Freiheit freien Lauf gelassen und versucht, auf so dramatische Weise darzustellen, wie gefangen sich Diana gefühlt haben muss, dass sie fast schon wie ein rebellierender Teenager mit Hang zur Psychose wirkt. So fantasiert sie davon, sich mit einem Drahtschneider zu verletzen, sorgt ständig für Drama und provoziert mit Unpünktlichkeit oder der Nichteinhaltung der strengen Kleiderordnung. Ihre Söhne weckt Diana mitten in der Nacht, wenn sie sich einsam fühlt, später sperrt sie sich in deren Badezimmer ein, um nicht am Weihnachtsessen teilnehmen zu müssen. Ein überforderter und hilfloser William klopft an die Tür und fleht seine Mutter an, sich bitte zusammenzureißen.

Nun ist es nicht so, als ob sie überhaupt keinen Grund für ihre Rebellion hätte. Ihr Ehemann reagiert mit Gleichgültigkeit und Spott auf ihre Essstörungen oder ihre Fassungslosigkeit, als sie Camilla Parker Bowles mit der gleichen Perlenkette um den Hals vor der Kirche sieht, die Charles auch ihr geschenkt hatte. Auf seinen Befehl hin werden ihre Vorhänge zugenäht, damit sie von Fotografen nicht heimlich abgelichtet werden kann. Und auch Major Gregory (Timothy Spall), Personalchef des Ansitzes in Sandringham, scheint sie zum Wohle aller an der kurzen Leine halten zu wollen. Doch letztendlich tut Larraín Diana mit seiner Darstellung keinen Gefallen.

Mit Kristen Stewart hat der Chilene, der mit Filmen wie "Jackie" über die Präsidentengattin Jacqueline Kennedy und "Gloria" (als Produzent) bereits Erfahrung mit den Biografien (weltberühmter) Frauen hat, allerdings einen Volltreffer gelandet. Die 31-Jährige, die durch die "Twilight"-Filmreihe berühmt wurde, spielt die Rolle der Lady Di mit voller Überzeugung. Der Schauspielerin wird oft vorgeworfen, ein eintöniges und ausdrucksloses Gesicht zu haben, doch sie schafft es wie keine ihrer Vorgängerinnen, Dianas einzigartigen Welpenblick und ihre spezielle Art zu sprechen nachzuahmen. Nicht ohne Grund wurde sie für einen Golden Globe nominiert, manche trauen ihr sogar einen Oscar zu.

"Spencer" läuft ab dem 13. Januar in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.