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Terror-Tanz mit Daniel Brühl Die vergessenen "7 Tage in Entebbe"

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Kooperieren bei der Entführung mit den Palästinensern: Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike).

(Foto: eOne Germany)

An die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" können sich viele noch erinnern. Die Kaperung eines Air-France-Flugzeugs ein Jahr zuvor ist indes weniger präsent. Der Film "7 Tage in Entebbe" widmet sich dem Drama - authentisch, packend und brutal.

Die Macher um Regisseur José Padilha konnten es nicht wissen. Aber nun, da ihr Film "7 Tage in Entebbe" über ein Entführungs-Drama vor über 40 Jahren in die Kinos kommt, wirkt er brandaktueller denn je. Schließlich wirft er nicht zuletzt auch ein Schlaglicht auf den Antisemitismus - in einer Zeit, in der dessen giftige Saat auch hierzulande wieder vermehrt aufzugehen droht. Ob in Rap-Texten, politischen Reden oder auf den Straßen.

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Aber natürlich wäre es viel zu kurz gegriffen, den palästinensisch-israelischen Konflikt auf Antisemitismus zu reduzieren. Ein Konflikt, der mittlerweile mehr als ein halbes Jahrhundert lang die Welt in Atem hält. Ein Konflikt, in dem die Religion nur einer der vielen Brandsätze ist, die ihn befeuern. Und ein Konflikt, der von einer Lösung heute immer noch so weit entfernt scheint wie damals im Juni 1976, als zwei Palästinenser und zwei Deutsche eine Air-France-Maschine mit 258 Passagieren und 12 Personen Besatzung nach Entebbe in Uganda entführten.

Fast jedes Mittel recht

Die beiden Deutschen waren Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike), Mitglieder der linksextremistischen "Revolutionären Zellen". Ziel der Aktion sollte es sein, palästinensische Häftlinge freizupressen. Dafür erscheint fast jedes Mittel recht. Von der Flugzeugentführung an sich über die Kumpanei mit dem ugandischen Schlächter Idi Amin (Nonso Anozie) bis hin zur Tötung der Geiseln - vorausgesetzt, dass es sich um Juden handelt.

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Die Entführer trennen die jüdischen von den nicht-jüdischen Geiseln.

(Foto: eOne Germany)

So beginnen die Terroristen in Entebbe mit der Selektion ihrer Gefangenen. Während die nicht-jüdischen Geiseln nach und nach freigelassen werden, drohen die Kidnapper damit, ihre jüdischen Opfer zu erschießen. Israels Regierung unter dem damaligen Premierminister Yitzhak Rabin (Lior Ashkenazi) und Verteidigungsminister Shimon Peres (Eddie Marsan) bleibt eine Woche Zeit, um auf ein Ultimatum der Entführer zu reagieren. Wird sie ihre bisherige Maxime, mit Terroristen nicht zu verhandeln, brechen? Oder entscheidet sie sich für den Weg, auf den Peres drängt: die Beendigung des Dramas mit Gewalt?

"So viele Details wie möglich"

"7 Tage in Entebbe" besticht vor allem durch seine geradezu schmerzhaft authentische Anmutung. Gelegentlich fühlt es sich beinahe an, als gucke man einen Dokumentar- und keinen Spielfilm. Kein Zufall, sondern durch und durch gewollt. "Es war mir sehr wichtig, so viele Details wie nur möglich genau richtig hinzubekommen", sagt Regisseur Padilha, der deshalb auch viele Augenzeugen und Beteiligte der realen Ereignisse im Sommer 1976 in die Dreharbeiten einbezog.

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Die israelische Regierung ringt um eine Lösung des Dramas.

(Foto: eOne Germany)

Der Brasilianer, der zuletzt unter anderem an der Netflix-Serie "Narcos" über den ehemaligen Drogenbaron Pablo Escobar mitwirkte, ist sichtlich darum bemüht, kein eindimensionales Bild von dem Drama zu zeichnen. Die Brutalität und Gnadenlosigkeit der Entführer versucht er ebenso schonungslos abzubilden, wie er insbesondere der Motivation der beiden deutschen Terroristen und der letztlichen Zerrissenheit Böses nachspürt. Aber auch das zwiespältige Verhalten der nicht minder zerrissenen israelischen Regierung fängt er ein.

Ein glückliches Händchen

Eingebettet wird das alles in einen theatralen Rahmen, in dem eine Tanztruppe das Stück "Echad Mi Yodea" aufführt. Was zunächst wie ein Fremdkörper und Kontrapunkt zu der nüchtern-dokumentarischen Herangehensweise des Films anmutet, kulminiert zum Schluss mit der Handlung in einem packenden und bewegenden Finale.

Ob als Niki Lauda in "Rush", als Whistleblower in "Inside Wikileaks - Die fünfte Gewalt", als Journalist in "Die Frau in Gold" oder als Sekten-Opfer in "Colonia Dignidad" - Daniel Brühl hat in den vergangenen Jahren in vielen Streifen mit zeithistorischem Bezug mitgewirkt. Dabei hat er sich nicht nur zu einem der erfolgreichsten deutschen Stars im internationalen Filmgeschäft gemausert, sondern auch nahezu durchgehend ein glückliches Händchen bei seiner Rollenauswahl bewiesen. Bei "7 Tage in Entebbe" ist das nicht anders. Der Streifen, der ein Schlaglicht auf ein - im Gegensatz zur Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" ein Jahr später - hierzulande fast vergessenes Drama wirft, ist allemal sehenswert.

"7 Tage in Entebbe" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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