Kino

Nazi-Raubkunst in Österreich Eine Jüdin kämpft um ihre goldene Tante

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Ein seltsames, aber auch großartiges Paar: Helen Mirren und Ryan Reynolds als Maria Altmann und ihr Anwalt.

(Foto: dpa)

Bis vor einigen Jahren hing in Wien ein Gemälde, so berühmt und bedeutend, dass es "die Mona Lisa Österreichs" genannt wurde. Bis es nach einem aufsehenerregenden, harten Rückgabekampf in die USA ging. Eine wahre Geschichte, mit Starbesetzung verfilmt.

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Prachtvoll: Gustav Klimts Gemälde "Adele Bloch-Bauer I".

(Foto: Wikipedia)

Es gibt Gemälde, die jeder kennt, auch wenn er sie noch nie im Original gesehen hat. Die "Frau in Gold" gehört dazu, in Wien findet man sie in vielen Geschäften auf Kaffeetassen, Postkarten, Halstüchern und Kühlschrankmagneten, meist begleitet vom nicht minder berühmten "Kuss". Offiziell heißt das Bild "Adele Bloch-Bauer I"; es stammt wie "Der Kuss" von Gustav Klimt und ist eins seiner bedeutendsten und bekanntesten Werke, des österreichischen Jugendstils ("Wiener Secession") insgesamt. Als es vor ein paar Jahren um die Rückgabe des Gemäldes an die Erben durch die Republik Österreich ging, wurde es gar als "Ikone" der kulturellen Identität des Landes bezeichnet, auch als "die Mona Lisa Österreichs".

"Die goldene Adele" hing im Wiener Schloss Belvedere - bis die vor den Nazis geflohene Jüdin Maria Altmann ihr Erbe zurückerkämpfte. Sie ging damit bis vor das höchste US-Gericht und klagte gegen den österreichischen Staat. Der Film "Die Frau in Gold" folgt der Geschichte weitgehend faktengetreu - die ist aber auch spannend genug: die unbeschwerte Zeit im Wien der zwanziger und dreißiger Jahre, voller Musik und Kunst und Genuss. Die Machtergreifung der Nazis in Österreich 1938, die Judenverfolgung, die Plünderungen und Enteignungen, die Demütigungen. Die hochdramatische Flucht voller Hindernisse, die in den USA endet. Und schließlich: Wie die störrische, mittlerweile alte Dame (großartig: Helen Mirren) um das ihr zustehende Erbe kämpft und dafür den jungen, noch recht unerfahrenen Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds) engagiert. Der ist der Enkel des Wiener Komponisten Arnold Schönberg, der ebenfalls in die USA emigriert war.

Die Schatten der Vergangenheit

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Gustav Klimt (Moritz Bleibtreu) porträtiert Adele Bloch-Bauer (Antje Traue).

(Foto: SquareOne Entertainment)

Gemeinsam fechten sie einen Kampf um fünf Klimt-Gemälde aus, die der Familie gehörten, bevor sie von den Nazis enteignet wurden. Im Zentrum des Films: das Porträt von Marias Tante Adele Bloch-Bauer. Gustav Klimt (ungewohnt zottelbärtig: Moritz Bleibtreu) hatte es 1907 gemalt; Adele war eines seiner liebsten Modelle. Das Collier, mit dem sie auf dem Gemälde geschmückt ist, bekam Maria (in jungen Jahren dargestellt von Tatiana Maslany) später von ihrem Onkel zur Hochzeit mit Fritz (Max Irons, Sohn von Jeremy Irons) geschenkt. Nach der Plünderung der elterlichen Wohnung in der Wiener Elisabethstraße durch die österreichischen Nazis landete der Schmuck bei Hermann Görings Frau Emmy.

Für diesen Kampf muss Maria Altmann zurück nach Wien, an die Orte ihrer Kindheit und Jugend, aber auch an die Orte des Grauens - dabei wollte sie doch Österreich nie wieder betreten. Aber die unnachgiebige Haltung der österreichischen Behörden, die Ignoranz, auf die sie stößt, zwingen sie, selbst vor Ort zu sein, die fast aussichtslos scheinende Auseinandersetzung auszufechten und sich dabei ihren verdrängten Erinnerungen zu stellen. Ein Justizkrimi beginnt, in Österreich unterstützt vom Journalisten Hubertus Czernin (Daniel Brühl). Hoffnung, Rückschläge, Zögern, Beharren - und schließlich, nach acht Jahren: der Sieg, mit bitterem Beigeschmack.

Dame Mirren glänzt

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Erleichterung im Gerichtssaal: Randy Schoenberg (Ryan Reynolds), Maria Altmann (Helen Mirren) und Hubertus Czernin (Daniel Brühl).

(Foto: SquareOne Entertainment)

Helen Mirren ist für die Rolle der Maria Altmann goldrichtig. Sie hatte sich für den Film, wie man in der Originalfassung hören kann, sogar einen harten deutschen Akzent antrainiert. Die Oscarpreisträgerin versteht es meisterhaft, die ganze emotionale Bandbreite Marias darzustellen, die Hoffnung und das Zögern, die Enttäuschung und die Kampfeslust. Sie ist die elegante Dame, aber auch die mütterliche Tante, die dafür sorgt, dass der Junge was zu essen bekommt. Ryan Reynolds hingegen, der den Anwalt an ihrer Seite spielt, der sich immerhin mit einem ganzen Staat anlegt, bleibt etwas blass. Katie Holmes als seine Frau Pam schließlich bringt etwas Hollywood-Schmalz in den Film, wenn sie ihn ganz selbstlos in den internationalen Kampf schickt, während sie allein mit den zwei Kindern bleibt.

Insgesamt ist der Film trotz seines spannenden und nicht zuletzt dank des Falls Gurlitt hochaktuellen Themas etwas trocken und oberflächlich geraten. Lediglich die historischen Szenen in Wien, vor allem die Flucht, sorgen für Dramatik und emotionale Momente, in denen man mitfiebert und in die damalige Zeit mitgenommen wird. Und Dame Helen Mirren zuzusehen ist immer ein Vergnügen.

"Die Frau in Gold" könnte noch in Wien hängen

Man könnte sich fragen, warum Maria Altmann "Die Frau in Gold" nach dem gewonnenen Prozess nicht trotzdem in Wien lassen wollte, als ihr Besitz, aber als Leihgabe? Tatsache ist, dass sie das tatsächlich vorhatte, aber als der Staat Österreich sich wegen der Rückgabe derart stur stellte und hart blieb, änderte sie ihre Meinung. Ach Jahre lang, von 1998 bis 2006, währte ihr Kampf um die fünf Klimt-Gemälde. Nun hängt "Adele Bloch-Bauer I" in der "Neuen Galerie" des Kosmetik-Moguls Ronald Lauder in New York. Er kaufte es 2006 für den Rekordpreis von 135 Millionen Dollar, den bis dahin höchsten Preis, der je für ein Gemälde gezahlt wurde. Maria Altmann starb im Jahr 2011, im Alter von 94 Jahren, in ihrer Wahlheimat Los Angeles. Sie hatte dort bis ins Alter von 85 Jahren in ihrer eigenen Boutique gearbeitet.

Der Film "Die Frau in Gold" hatte seine Weltpremiere bei der Berlinale im Februar; er startet am 4. Juni in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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