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Vom Youtube-Star zum Film Gronkh: "Ich würde mich nicht gucken"

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Zocker und bekennender "Batman"-Fan: Erik "Gronkh" Range.

(Foto: Warner Bros. / Kurt Krieger)

Er zockt "nur" Computerspiele. Doch damit hat es Erik "Gronkh" Range als sogenannter "Let's Player" zum Youtube-Megastar gebracht. In "The Lego Batman Movie" spricht er nun den "Joker". n-tv.de verrät er, was er mit ihm gemeinsam hat - und wie reich er mit Youtube (nicht) geworden ist.

n-tv.de: Als Synchronsprecher von Kinofilmen kannte man dich bisher noch nicht. Jetzt hast du es gleich zweimal kurz hintereinander getan - in "Resident Evil 6" und nun im neuen "The Lego Batman Movie". Wie kommt das?

Gronkh: Das war tatsächlich Zufall. In "Resident Evil 6" war es ja nur eine kleine Nebenrolle - da wollten sie es einfach mal ausprobieren. Und wenn man gefragt wird, sagt man natürlich nicht nein. Das hat ganz gut geklappt. Bei dem "Lego"-Film jetzt dachte ich dagegen zunächst, es ginge um einen dieser DVD-Filme. Es gibt ja von "Lego" ganz viele Superhelden-Filme, die sofort auf DVD gehen ...

Also kanntest du den ersten "The Lego Movie" gar nicht …

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Doch, doch! Aber ich wusste nicht, dass es davon einen zweiten Teil geben wird. Auch dass es um eine der drei Hauptrollen geht, war mir erst einmal nicht klar. Ich war dann beim Casting - und wurde auch tatsächlich genommen. Erst als ich am ersten Tag der Aufnahme den Film sehen durfte, wurde mir bewusst, dass es sich um einen Kinofilm dreht. Da ging mir dann schon die Düse. (lacht) Noch dazu, weil der Joker, den ich spreche, ja eine sehr vielfältige Figur ist. Er ist quasi ständig von Stimmungsschwankungen zerrissen. Mann, hatte ich einen Schiss. (lacht)

Die beiden Filme entspringen ja sehr unterschiedlichen Genres. Bei welchem fiel es dir leichter und bei welchem schwerer?

Die Rolle bei "Resident Evil 6" war natürlich viel kleiner. Und sie war auch sehr viel einfacher. Da ging es um jemanden, der schreit und eine sehr tiefe Stimme hat. Das liegt mir ganz gut - nicht das Schreien, aber die tiefe Stimme. (lacht) Der Joker klingt dagegen heller. Und er ist auch verrückter: Mal ist er sauer, mal traurig, mal lacht er wahnsinnig. Das war vom Anspruch her schon etwas anderes.

Computerspiele hattest du zuvor schon einige synchronisiert. Wo liegen die Unterschiede?

Ein wesentlicher Unterschied ist, dass man bei Computerspielen vorher nichts Fertiges zu sehen bekommt. Man sieht nicht, wer der Protagonist ist. Man hat zwar ein Bild von ihm. Aber man weiß nicht genau, wie man ihn sich in seiner Umgebung vorstellen muss oder wie er auf Leute reagiert. Beim Film kriegst du hingegen vorher den ganzen Streifen zu sehen und weißt ungefähr, worauf du dich einstellen musst. Dafür hat man hier die Schwierigkeit, einigermaßen lippensynchron zu sprechen, während beim Computerspiel die Charaktere auf deine Stimme reagieren. 

"The Lego Batman Movie" wartet mit zahlreichen Referenzen zu den früheren "Batman"-Veröffentlichungen auf. Hast du einen Bezug zu den älteren Filmen oder DC Comics - oder kennst du "Batman" auch vor allem aus Computerspielen?

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Gronkh spricht in dem Film den "Joker".

(Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Nein, nein. Ich sammele Comics - allen voran "Batman"-Comics! Und ich kenne natürlich auch die alten Filme, die alte Serie oder die Zeichentrickfilme. Was das angeht, bin ich tatsächlich ein Nerd. Deswegen fiel es mir auch so leicht, bei dem Film zuzusagen. Und deswegen ist es für mich auch so eine unglaubliche Ehre, den Joker sprechen zu dürfen. Ich glaube, das gehört zu den Gelegenheiten, die man nur einmal im Leben hat.

Wie viel Joker steckt denn in dir?

Darf man diese Frage beantworten? (lacht) Ich sage mal: Ich würde mir nicht unbedingt das Gesicht abschneiden und dann wieder antackern, wie er es im Comic macht. Aber ich glaube, mit dem Film-Joker kann man ganz gut leben. Das bisschen Wahnsinn trägt doch jeder von uns in sich.

Alle Welt kennt dich vor allem als Experte für Computerspiele und "Let's Player". Hat jemand wie du früher überhaupt mal mit Lego gespielt?

Nein, wir hatten leider kein Lego. So was gab es nur bei den Mitschülern - und ich konnte nur neidisch gucken. Dafür habe ich wirklich relativ früh mit dem Computer angefangen, damals mit dem ZX 81 (ein 1981 auf den Markt gekommener Heimcomputer, Anm. d. Red.).

Mit rund 4,5 Millionen Abonnenten warst du bis vor Kurzem der deutsche Youtuber mit den meisten Zuschauern. Du wirst das sicher nicht zum ersten Mal gefragt, aber was ist dein Geheimnis?

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Cheeese! Um ein Foto mit Gronkh reißt sich so manch einer.

(Foto: imago/Manngold)

Stimmt, das wurde ich schon oft gefragt. Aber ich muss leider immer wieder dasselbe antworten: Ich habe selbst absolut keine Ahnung, was die Leute daran finden. (lacht) Ich spiele doch nur Computerspiele. Ich weiß, viele Leute gucken das als Hilfe für ihre Kaufentscheidung. Andere wollen wissen, wie sie an bestimmten Stellen im Spiel weiterkommen. Aber wo die 4,5 Millionen herkommen, ist mir auch ein Rätsel. Ich würde mich nicht gucken. (lacht)

Wurmt es dich, dass du deine Pole Position bei Youtube vor einigen Monaten abtreten musstest?

Nein, weil ich mir wirklich nie viel aus den Zahlen gemacht habe. Ich habe auch noch nie darauf geguckt, wie gut oder schlecht bestimmte Videos performen. Dass ich mit den "Let's Plays" zwischendurch überhaupt mal der größte deutsche Channel werden konnte, ist doch schon erstaunlich. Von daher habe ich auch nichts verloren.

Dass man mit Youtube Geld verdienen kann, ist bekannt. Stimmt es, dass man damit auch zum Millionär werden kann?

Ja, guck dir PewDiePie an! (schwedischer Youtube-Kanal, der mit derzeit rund 53 Millionen Abonnenten als momentan stärkster der Welt gilt, Anm. d. Red.) International geht das bestimmt. Ob man allein von Youtube auch im deutschen Bereich Millionär werden kann, weiß ich aber nicht. Ich selbst habe die Erfahrung entgegen aller Gerüchte jedenfalls noch nicht gemacht. Ich wünschte, es wäre so. (lacht)

Rein technisch tut sich in der Welt der Computerspiele gerade ja so einiges, wenn man etwa an die VR-Brillen (VR steht für "Virtual Reality") denkt. Wie denkst du, dass das weitergeht?

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In Sachen VR stehen wir ja wirklich noch ganz am Anfang. Man hat noch die ganzen sperrigen Kabel und Headsets. Aber ich glaube, irgendwann wird es in Richtung menschliche Prothesen gehen: dein Augenlicht wird ersetzt werden, dein Fühlen, dein Geruchssinn. Das zu simulieren, geht ja zum Teil schon heute. Wahrscheinlich wird es irgendwann sein wie bei "The Matrix". Die Nerven oder das Gehirn werden direkt angesprochen, so dass wir alles simuliert vor uns sehen. Das ist allerdings eine Zukunft, vor der ich etwas Angst habe ...

Na, wenn du das schon sagst …

Ja, das birgt wie jede neue Entwicklung Gefahren. Aber zugleich ergeben sich daraus natürlich auch viele Chancen - in der Medizin etwa. Das Anwendungsgebiet ist relativ breit gestreut.

Du wirst in diesem Jahr 40 …

Was?! Na sowas! Das halte ich für ein Gerücht … (lacht)

Und du scheinst dir vermehrt neue Betätigungsfelder neben dem Youtube-Kanal zu suchen …

Ja, das stimmt schon. Das Synchronsprechen ist mir allerdings so zugeflogen. Aber es macht mir so viel Spaß, dass ich es wirklich gern lernen würde. Richtig mit Kursen - und nicht nur, indem ich einfach alles Mögliche synchronisiere und die Leute sagen: Ach, das ist doch der von Youtube.

Gibt es für "Let's Player" also womöglich eine natürliche Altersgrenze oder machst du das auch noch mit 60?

Tatsächlich hat in den letzten Jahren auf Seiten meiner Zuschauer ein Generationenwechsel stattgefunden. Viele jüngere Leute schauen inzwischen woanders. Ab 40 ist man für sie schließlich klinisch tot. (lacht) Bei mir sind die Leute mit dem Channel älter geworden, Partnerschaften eingegangen oder haben Familien gegründet. Teilweise sind sie Ü-40 oder sogar Ü-50. Oder es sind ganze Familien, die sich freitags zum Spielen treffen. Das macht mich aber auch ein bisschen stolz. Und mit 60? Wenn die Leute mich dann auch noch wollen, wäre mir das eine Ehre.

Mit Erik "Gronkh" Range sprach Volker Probst

"The Lego Batman Movie" läuft derzeit in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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