Kino

Frau, fortschrittlich, einsam "Paula": Auf Kunst muss man bestehen

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Paula Modersohn-Becker wagte es, von einem Leben als Künstlerin zu träumen.

(Foto: Pandora Film / Martin Menke)

Paula Modersohn-Becker zählt zu den großen Frauen der Kunstgeschichte. Sie ist es gegen allen Widerstand geworden. Der Film "Paula" nähert sich ihrer Figur mit einer brillanten Hauptdarstellerin.

Sie lässt sich nicht klein machen - und das ist ihr Problem. Als Paula Modersohn-Becker (da noch einfach nur Becker) zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eine der ersten Frauen in Deutschland Kunst studiert, eckt sie an. Dabei hatte sie gehofft, in der progressive Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen auf Förderer zu treffen. Statt eines Mentors aber findet sie einen Ehemann und ihre berufliche Zukunft scheint ungewisser denn je.

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Mit "Paula - Mein Leben soll ein Fest sein" ist Regisseur Christian Schwochow ein Biopic geglückt, für das es sich lohnt, ins Kino zu gehen. Das Drama ist bildgewaltig, wie es sich für einen Film über eine frühexpressionistische Künstlerin wohl gehört. Lange Kameraeinstellungen zeigen ruhige Gewässer, satten Nebel. Betörend wirkt "Paula" aber erst dank Hauptdarstellerin Carla Juri. Selten hat in einer Kostümfilm-Frau so viel Leben gesteckt. Sie spielt ihre Rolle mit charmanter Kantigkeit und so viel Elan, dass man nicht immer sicher ist, ob die historische Figur, die Juri mimt, nun blitzgescheit oder doch völlig durchgedreht ist.

Drei gute Bilder und ein Kind

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Otto Modersohn liebt Paula Becker - aber nicht so, wie sie sich das vorstellt.

(Foto: Pandora Film / Martin Menke)

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. "Frauen können keine Künstlerinnen werden", muss sich Paula Modersohn-Becker vom eigenen Vater erklären lassen. Weil ihr niemand etwas zutraut, muss sie das selbst übernehmen. Sie muss darauf vertrauen, dass ihre Arbeiten nicht zu grob sind, wie es ihr Lehrer Fritz Mackens (Nicki von Tempelhoff) zu wissen glaubt. Und darauf, dass sie sich einmal verkaufen lassen werden, obwohl ihr Gatte Otto Moderson (Albrecht Schuch) das Gegenteil behauptet, als die Liebe erkaltet ist.

Paula Modersohn-Becker war talentiert und leidenschaftlich. Vor allem aber besaß sie den Mut, ihre Träume als Ziele zu verfolgen. Drei gute Bilder und ein Kind - so formulierte die Künstlerin ihre Idee eines erfüllten Lebens. Obgleich sie früh starb, scheint sie ein solches geführt zu haben.

Alles, das wäre genug

Am besten ist "Paula" in der ersten Hälfte. Dann nämlich, wenn die Frauen die Handlung lenken. Gemeinsam mit ihrer Freundin Clara Westhoff (Roxane Duran) entwirft Paula Modersohn-Becker eine Zukunft, die so eigentlich gar nicht denkbar war. Später wird die Idee der Selbstverwirklichung von den Wirrungen der Liebe überlagert. Immer mehr übernehmen die Männer die Deutungshoheit nicht nur über das Leben der Hauptfigur - wie es wohl gewesen sein wird -, sondern sie bestimmen auch wesentlich die Erzählstruktur des Films.

An der Geschichte lässt sich eben nur bedingt schrauben und das ist in Ordnung. "Paula" ist unter historischen Gesichtspunkten bedeutsam. Modersohn-Becker wurde als erster Künstlerin ein eigenes Museum gewidmet. In seiner Botschaft ist der Film zeitlos, weil er die Intensität eines Lebens umreißt, das Frauen zusteht und bis heute noch immer nur in Teilen gewährt wird. Juris Paula ist karriereorientiert und albern, sie hat sexuelle Bedürfnisse, liebt den Exzess und wünscht sich Häuslichkeit. Sie will lieben und geliebt werden als ganze Person, nicht in einer Rolle. Sie pfeift auf Konventionen und besteht auf ihren Willen, auch wenn er mal Einsamkeit bedeutet. Sie will alles. Das verdient Anerkennung.

"Paula" startet am 15. Dezember in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de