Kino

Berühmt dank Selbstüberschätzung Streep brilliert als mieseste Sängerin der Welt

FFJ_02324_A4.jpg

Florence Foster Jenkins (Meryl Streep) genießt den großen Auftritt. Galant an ihrer Seite: ihr Gatte St. Clair Bayfield (Hugh Grant).

(Foto: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH)

Der Saal ist voll, das Publikum brüllt vor Lachen - aber Florence Foster Jenkins ist glücklich, denn sie tut, was sie liebt: Sie singt, voller Hingabe. Aber eben auch voll daneben. Doch ausgerechnet ihre schrägen, falschen Töne machen sie berühmt.

imago59959802h.jpg

Florence Foster Jenkins lebte von 1868 bis 1944. (undatierte Aufnahme)

(Foto: imago stock&people)

Die Geschichte von Florence Foster Jenkins ist so außergewöhnlich, so aufsehenerregend, sie musste wohl einfach verfilmt werden - in kurzer Zeit sogar gleich dreimal: 2015 kam "Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne" bei uns in die Kinos; Catherine Frot bekam für ihre Hauptrolle den César 2016. Die halbdokumentarische "Florence Foster Jenkins Story" startete am 10. November 2016 in Deutschland; nun folgt der große Hollywoodstreifen von Regisseur Stephen Frears ("Philomena", "Die Queen") mit Meryl Streep und Hugh Grant in den Hauptrollen. Wer war denn diese offenbar sehr besondere Person?

Florence Foster Jenkins ist reich, liebenswürdig und liebt Musik über alles. Die US-Amerikanerin singt mit großer Leidenschaft und übt hart, "täglich eine Stunde, manchmal sogar zwei!", wie sie ihrem begleitenden Pianisten beteuert. Mit ihrem Geld unterstützt sie das kulturelle Leben in New York, gründet 1917 den Verdi Club, der sich der Förderung junger Musiker und der Musik an sich widmet und ihr den Zutritt zu höheren Kreisen und dem gesellschaftlichen Leben verschafft. Und sie singt auch, oft vor Publikum, mit vollem Einsatz - aber schrecklich schief. Foster Jenkins trifft keinen Ton, was sie aber nicht davon abhält, sich auch an anspruchsvollen Stücken in hoher Stimmlage zu versuchen.

Überraschung, Entsetzen, Belustigung

*Datenschutz

Sehr zum überraschten Entsetzen des Publikums, wenn es Foster Jenkins zum ersten Mal singen hört - das Entsetzen schlägt bald in Belustigung, in brüllendes Gelächter um. Von ihr aufgenommene Schallplatten werden als Kuriosum im Radio gespielt und verkaufen sich bestens. (Videos mit ihren Aufnahmen wurden bis heute im Internet millionenfach geklickt - ein Beispiel siehe Video-Link.)

Das gleiche überraschte Entsetzen über das unüberhörbare Unvermögen der singenden Foster Jenkins trifft auch ihren frisch angeheuerten Pianisten Cosmé McMoon wie ein Schlag, großartig gespielt von Simon Helberg ("Big Bang Theory"). Zum Schreien, wie sein Gesichtsausdruck wechselt zwischen Überraschung, ebenjenem Entsetzen und schwer unterdrücktem Lachen. (Helberg bekam die Rolle übrigens auch unter anderem deshalb, weil er ein guter Konzertpianist ist. Eine perfekte Wahl.)

Hugh Grant in ungekannter Höchstform
FFJ_00325_A4.jpg

St. Clair Bayfield steht seiner Gattin stets loyal zur Seite, hat aber eine Geliebte.

(Foto: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH)

Und Meryl Streep, ach, die Göttliche, sie kann natürlich auch das. Sie spielt die exzentrische, liebenswürdige Schrägsängerin zum Niederknien. Mit großer Wärme. (Und wird bereits jetzt als Favoritin für eine Oscar-Nominierung gehandelt.) Auch Hugh Grant als liebender Gatte St. Clair Bayfield, ein englischer Schauspieler von Adel, läuft an ihrer Seite zur Hochform auf und kann zeigen, was in ihm steckt - nämlich viel mehr, als seine bisherigen Filmrollen vermuten ließen. (Wer sich jetzt fragt: Hugh Grant als Meryl Streeps Mann? Der ist doch viel jünger als sie?, dem sei gesagt: stimmt, elf Jahre, aber St. Clair Bayfield war etwa sieben Jahre jünger als Florence Foster Jenkins. Haut also hin.)

FFJ_03153_A4.jpg

"Es geht um eine glückliche Langzeitbeziehung zwischen zwei Menschen, deren Eigeninteresse sowohl durch ihre Beziehung als auch durch ihre aufrichtigen Gefühle und Zuneigung füreinander befriedigt wurde", so Meryl Streep.

(Foto: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH)

Grant hatte eigentlich verlauten lassen, dass er "derzeit eigentlich keine Filme mehr dreht", aber bei dem Angebot wurde er doch schwach: das Drehbuch war "einfach großartig, äußerst lustig, real und rührend. Meryl Streep war bereits als Florence besetzt, da musste ich ja mitmachen." Allerdings fand er dann die Arbeit an ihre Seite "verdammt beängstigend! Sie ist nicht nur ein Star, sondern wahrscheinlich die beste Schauspielerin, die es je gab. ... Es gibt wirklich nichts, was sie nicht kann", kriegt er sich vor Begeisterung kaum ein.

Singen lernen, um schlecht zu singen

Nun ja, eines musste Meryl Streep für die Rolle doch erst noch lernen: gut singen und dann wiederum schlecht. Sie nahm Unterricht bei einem "sehr, sehr guten, echten Operncoach", denn wie Regisseur Frears betont: "Um schlecht singen zu können, muss man erst einmal gut singen können." Und dann musste Streep es hinbekommen, wie Foster Jenkins die Töne beinahe zu treffen. Sie schafft es tatsächlich, fast genau wie die echte Florence zu klingen.

FLORENCE_Plakat_A4_n_A4.jpg

Florence Foster Jenkins läuft ab 24. November 2016 im Kino.

Sie dabei zu beobachten, wie sie sich Töne abringt, voller naiver Begeisterung, und sich dann über das Lob freut und darüber, in welche hohen Tonlagen sie es diesmal geschafft hat (was natürlich schauderhaft klingt, entsetzlich, schrill), das ist abwechselnd äußerst komisch und berührend. Und manchmal ähnlich der Situation, wenn man ein kleines Kind für sein krakeliges Bild lobt: "Das hast du toll gemacht!", weil man es nicht kränken und traurig machen will.

Konzert vor großem Publikum

Ihr Ehemann St. Clair Bayfield ist sehr bemüht, alle kritischen, weniger wohlwollenden Stimmen von ihr fernzuhalten - sei es durch Bestechung, sei es mit dem Kauf sämtlicher Ausgaben einer "ehrlichen" Zeitung. Er ist ihre liebevolle Stütze und braucht sie wiederum, denn sie hat das (geerbte) Geld. Eine echte Herausforderung wird es für ihn, als Florence 1944 verkündet, ein öffentliches Konzert in der berühmten Carnegie Hall zu geben - mit tausend an Armeeveteranen verschenkten Tickets. Die kann er nicht vorher alle bestechen und überzeugen, nur freundlichen Beifall zu spenden und ihr Amüsement nicht zu deutlich zu zeigen. Es kommt, wie es kommen muss -  die Soldaten können sich kaum halten vor Lachen, als Florence anfängt zu singen. Und ein Zeitungsjournalist verpasst ihr danach den Titel "schlechteste Sängerin der Welt". Wie wird sie wohl damit fertig? Das sei hier noch nicht verraten.

Ob Florence Foster Jenkins sich bewusst war, dass sie eigentlich überhaupt gar nicht singen kann und sich zum Gespött der Leute macht? Sie gab es wohl nie offen zu, aber sie sagte einmal: "People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing." (Man kann sagen, ich kann nicht singen, aber niemand kann sagen, ich hätte nicht gesungen.) Das sagt wohl alles.

"Florence Foster Jenkins" kommt am 24. November 2016 in die deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema