Kino

Neuverfilmung des Kultklassikers Timm Thaler verkauft sein Lachen wieder

TT_0714__GMB1443_A4.jpg

Der schwerreiche Baron Lefuet kauft Timm Thaler sein unwiderstehliches Lachen ab.

(Foto: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH/Gordon Mühle)

"Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" hatte als Buch Millionen Leser und als TV-Serie ein ebenso großes Publikum - vor 37 Jahren. Nun kommt die spannende, traurige, lustige Geschichte ins Kino, toll verfilmt mit einer großartigen Schauspielerriege.

Die Fernsehserie "Timm Thaler" war das, was man einen "Straßenfeger" nannte - ihre 13 Teile liefen zum Jahreswechsel 1979/80 im ZDF und hatten im deutschsprachigen Raum ein Millionenpublikum. Die Hauptfigur Timm Thaler wurde gespielt vom dunkel gelockten Thomas "Tommi" Ohrner (optisch wiederauferstanden im letzten Sommer in "Mikro & Sprit"), der damals unzähligen Mädchen das Herz brach. Die Serie machte den damals 14-Jährigen schlagartig bekannt und zum Kinder- oder besser Teeniestar.

TT_x095__GMC8904_A4.jpg

Der alte und der neue Timm begegnen sich: Thomas "Tommi" Ohrner spielt in der Neuverfilmung einen Concierge.

(Foto: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH/Gordon Mühle)

In der Neuverfilmung von Andreas Dresen ist er in einer Gastrolle zu sehen, neben einem wahren Staraufgebot: da wären die Dresen-Stammspieler Axel Prahl, Andreas Schmidt, Nadja Uhl und Steffi Kühnert, zudem Justus von Dohnányi, Charly Hübner, "Tatortreiniger" Bjarne Mädel, Fritzi Haberlandt, Milan Peschel, Liedermacher Heinz-Rudolf Kunze und Harald Schmidt - bekannte Namen bis in kleine Nebenrollen. Und die warme, freundliche Märchenonkelstimme des Sprechers kommt von Joachim Krol. In der Titelrolle: Arved Friese, 2002 geboren, der auch schon in Schweighöfers "Der Nanny" mitspielte.

Berlin statt Hamburg, 1920er statt 1970er

Wer die TV-Serie von 1979 kennt, dem werden die Unterschiede auffallen - weniger, dass nicht mehr überall hemmungslos geraucht wird und "Vati" jetzt Papa ist, sondern vielmehr: anderer Ort, andere Zeit. Der Film spielt statt in Hamburg nun in Berlin und nicht in der heutigen Zeit, sondern in einer laut Dresen "zeitlosen Märchenwelt", die aber von den Kostümen und dem Ambiente her an die 1920er-Jahre angelehnt ist (wie die Romanvorlage von James Krüss von 1962). Die eigene Uniformlinie, die für die Hotelmitarbeiter entwickelt wurde, sieht wiederum mehr nach den 1970er-Jahren aus: "Die Uniformen wirken modern, fast schon futuristisch, als kämen sie vom Raumschiff Enterprise", sagt Kostümbildnerin Sabine Greunig. Für sie war der Film mit einem Riesenaufwand verbunden: mehr als 5000 Kostüme und 60.000 Kostümteile kaufte oder lieh sie oder ließ sie anfertigen.

_GMB7773_A4.jpg

Timm mit seinem Vater auf der Pferderennbahn - nach dessen Tod trifft er dort auch den unheimlichen Baron Lefuet.

(Foto: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH/Gordon Mühle)

Timm lebt in der Neuverfilmung in sehr einfachen Verhältnissen; die Familie ist deutlich ärmer als in der Serie. Das bringt ihn nun überhaupt erst dazu, sein Lachen zu verkaufen - er will, dass sein kürzlich verstorbener Vater (Bjarne Mädel) einen richtigen Grabstein bekommt, nicht nur ein olles Holzkreuz. Dafür gibt er sogar sein ganz besonderes Lachen her - ein ansteckendes, das die Menschen bezaubert und für ihn einnimmt. Genau das fehlt dem dämonischen Baron Lefuet (Justus von Dohnányi), der sonst alles hat: Geld, Macht, ein prachtvolles Anwesen, unzählige Angestellte. Er bietet Timm für sein Lachen einen Deal: er könne jede, aber auch wirklich jede Wette gewinnen. Da Timm eh gerade nicht zum Lachen zumute ist, fällt ihm der Verzicht darauf auch nicht schwer – denkt er. Und er schlägt ein und unterschreibt.

Lachen weg, Seele weg

_GMB0931_A4.jpg

Timm, mittlerweile "der reichste Junge der Welt", auf der Rennbahn beim "Timm Thaler Cup", neben ihm Harald Schmidt als Stadionsprecher.

(Foto: © 2017 Constantin Film Verleih GmbH)

Irgendwann merkt Timm aber, dass er nicht nur die Fähigkeit zum Lachen, Lächeln und Schmunzeln verkauft hat, sondern auch seine Seele - ein wenig wie im Märchen "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff. Er ist ein komplett anderer Mensch, wird auf dem Schulhof erst zum Überflieger und dann zum gemiedenen Außenseiter, überwirft sich sogar mit seiner besten Freundin Ida (Jule Hermann). Die hält aber trotzdem zu ihm und will ihm helfen - zusammen mit Timms neuem Freund Kreschimir (Charly Hübner), dem Barkeeper aus dem Grand Hotel, in dem er eine Stelle als Liftboy gefunden hat. (Und wo er, als kleine Randgeschichte, dem "alten Timm" aus der TV-Serie begegnet, denn Tommi Ohrner ist hier der Concierge.) Aber wie können sie Timm aus den Klauen des dämonischen Barons Lefuet befreien und ihm helfen, sein Lachen zurückzubekommen? Nur durch eine List.

_GMB8277_A4 (1).jpg

Behemoth und Belial sollen im Auftrag des Barons Timm überwachen - mithilfe ausgefeilter Technik.

(Foto: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH/Gordon Mühle)

Aus der Geschichte hat Regisseur Andreas Dresen einen sehr warmherzigen, spannenden und natürlich auch lustigen Film gemacht. Frischer, flotter, fetziger als die alte Serie und gleichzeitig in historischem Ambiente, aber auch futuristisch mit Laptops und smartphoneähnlichen Geräten in Lefuets Machtzentrale. Mit dem großartigen Justus von Dohnányi als dem bösen Baron, dem wirklich komischen Paar Axel Prahl (Behemoth) und Andreas Schmidt (Belial) als Lefuets dämliche, unterwürfige Gehilfen - der schlaksige Schmidt in Frauenkleidern und mit einer merkwürdigen Fantasiesprache - und all den anderen toll besetzten Rollen. Auch Harald Schmidt macht seine Sache als Rennbahn-Stadionsprecher sehr gut.

Geld regiert die Welt - aber ...

Und da es ein Familienfilm ist (FSK 0), hat die fantasievolle Märchenwelt von "Timm Thaler" nicht nur Spaß und Spannung für Kinder, sondern auch was für Erwachsene zu bieten - so etwa den Seitenhieb auf Konzerne wie Nestlé: als der teuflische Baron Timm von der groooßartigen Geschäftsidee vorschwärmt, in Afrika Grundwasser abzupumpen, in Flaschen abzufüllen und den Armen dann nicht gerade billig zu verkaufen. Diese Kapitalismus-Kritik gab es schon im Buch von Krüss von 1962 (das auch in der DDR erschienen war) und auch die Botschaft ist die gleiche: Geld regiert zwar vielleicht die Welt, macht aber allein auch nicht glücklich. Sondern Freunde, Familie - und Lachen.

"Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" läuft ab dem 2. Februar 2017 in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de