"Achtsam Morden 2"Tom Schilling: "Mein inneres Kind ist immer sehr präsent"
Interview: Nicole Ankelmann
Ende Oktober 2024 erschien mit "Achtsam Morden" die filmische Umsetzung der Romane von Autor und Anwalt Karsten Dusse als achtteilige Serie bei Netflix, die in Sachen Humor und Erfolg ihrer Vorlage in nichts nachstand. Und so veröffentlicht der Streamingriese nun eine weitere Staffel mit erneut acht Folgen. Wieder mit dabei ist Tom Schilling als notgedrungen zwielichtiger Anwalt Björn Diemel, der von einer verzwickten Situation in die nächste stolpert oder besser: sich in sie hineinmanövriert. Neu an seiner Seite spielt Friederike Kempter, die als Laura einen etwas anderen Blick auf ihn und die Welt ganz allgemein hat. Im Interview mit ntv.de sprechen die zwei unter anderem über ein paar Therapien, Paartherapien und ihr inneres Kind.
ntv.de: Die erste Staffel von "Achtsam Morden" ist unglaublich gut gelaufen. Habt ihr von vornherein mit diesem Erfolg gerechnet? War die zweite Staffel quasi schon früh in Planung?
Tom Schilling: Die zweite Staffel war, soweit ich das weiß, nicht in Planung. Man muss schon erst mal sehen, ob so eine Show funktioniert. Erst nachdem sich abgezeichnet hat, dass "Achtsam Morden" gut angenommen wird und die Leute mehr davon wollen, ging es in die nächste Runde.
Manifestation ist auch eine Art Achtsamkeitsübung. Manifestiert ihr bereits die dritte Staffel?
Schilling: Die dritte wird es definitiv geben. Das ist schon klar.
Friederike, du bist jetzt neu dabei. Wie war dein Blick auf Staffel eins?
Friederike Kempter: Ich fand diesen wilden Mix und Ritt toll, dem man folgen darf. Und ich fand Tom als Björn ganz wunderbar. Diese Mischung aus charmant und dann doch ganz schön böse.
Kanntest du die Bücher vorher oder bist du da eher nonchalant rein?
Kempter: (lacht) Ich bin ganz nonchalant rein.
Glaubst du, es hätte was geändert, die Bücher zu kennen?
Kempter: Ich denke schon, dass die Entscheidung, ob man erst die Bücher liest und sich dann auf die Serie einlässt oder sagt: "Ich möchte, dass nur die Serie auf mich wirkt - ohne die Bücher", den Blick darauf verändert.
In der neuen Staffel geht es viel um das "innere Kind". Ist euch das vorher schon mal begegnet?
Schilling: Ich glaube, mein inneres Kind ist immer sehr, sehr präsent. Deswegen kann ich mit dem Stoff so viel anfangen. Ich habe ja auch selbst schon ein paar Therapien gemacht.
Kempter: Paartherapien?
Schilling: (lacht) Auch Paartherapien. Und ein paar Therapien. Da haben wir aber noch nicht an meinem inneren Kind gearbeitet. Das ist am Ende auch einfach nur eine Entsprechung, eine Verbildlichung von etwas.
Kempter: … die aber total gut funktioniert.
Schilling: Absolut. Deswegen habe ich so viel Freude daran, es herauszuarbeiten und filmisch zu verarbeiten. Ich denke, dass es für ganz viele Leute, die sich noch nicht haben therapieren lassen, ein echtes Aha-Erlebnis sein kann. Dass sie danach sagen: "Ach, jetzt verstehe ich das."
Ging es dir so, Friederike?
Kempter: Ich mache jetzt ja auch einen Podcast. Und letzte Woche habe ich dafür Stefanie Stahl getroffen und mit ihr auch über dieses Thema gesprochen.
Schilling: Du bist jetzt Podcasterin? Das wusste ich nicht.
Kempter: Ich versuche mich zumindest darin. Keine Ahnung, ob ich das kann, aber es macht Spaß. Ich mag Herausforderungen und als solche empfinde ich das für mich. Das ist aufregend.
Schilling: Und wer ist Stefanie Stahl?
Kempter: Du kennst Stefanie Stahl nicht? Die Frau hat diverse Bestseller auch zu dem Thema "inneres Kind" geschrieben ...
Schilling: Wirklich?
Kempter: Sie hat das nicht erfunden, aber sie hat es ein bisschen groß gemacht. Mit ihr habe ich jedenfalls letzte Woche gesprochen, und das war super interessant.
Dann können wir diesen Podcast doch als Begleitmaterial erwähnen? Wie heißt er denn?
Kempter: "40+ Nur für Frauen". Weil … ich bin über 40 und eine Frau.
Schilling: Ich nicht. Darf ich ihn trotzdem hören?
Kempter: Du darfst. Die Idee dabei ist auch; dass Männer dann denken "Ah, wenn das nur für Frauen ist, dann muss ich da auch mal reinhören." (lacht)
Eine Bekannte von mir macht einen Podcast für Frauen über 50. Glaubst du, dass das andere Themen sind als mit über 40?
Kempter: (lacht) Nein. Ja. Die Themen sind ähnlich, selbst bei Frauen und Männern. Und doch auch ganz anders.
Tom, deine Figur Björn arbeitet ständig an sich, wenn auf eine meist skurrile Art. Mal geht man voll mit ihm mit, dann kann man sich über seine Entscheidungen nur wundern. Wie geht es dir damit?
Schilling: Wahrscheinlich spürt man, dass ich mich der Figur sehr verbunden fühle. Deswegen ist Gut und Böse für mich klar verteilt. Aber wenn ich den Kellner in der ersten Folge spielen würde, würde ich wahrscheinlich auch ihn verstehen. Das ist das Ding beim Schauspielen: Man muss sich total mit der Rolle identifizieren und Empathie haben. Aber ich habe totale Freude an Sachen, die das Zwischenmenschliche, die Tragödien und die psychologischen Autounfälle zeigen. Die machen mir am meisten Spaß.
Das, was Björn passiert oder was er tut, ist tatsächlich eine Art wiederkehrender Autounfall, bei dem alle zugucken können.
Schilling: Und ich behaupte mal, dass jeder diese Situationen auf irgendeine Art schon erlebt hat. Egal in welcher Rolle: Ob die Frau, der ihr Mann peinlich ist, der Mann, der die Kontrolle verliert. Oder der Kellner, der genervt ist.
Es geht bei "Achtsam Morden 2" natürlich weiterhin um Achtsamkeit. Spürt man das auch am Set? Wie haltet ihr es privat mit Yoga oder Meditation?
Schilling: Mit 50 fange ich damit an. Dann starte ich in den Tag mit Meditation. Im Moment schaffe ich das aber noch nicht. Ich bin leider noch ein bisschen zu unreif und unachtsam für solche Dinge.
Kempter: Ich kenne diese Lust an der Achtsamkeit, das Atmen am Morgen. Oder gerade ist Hüpfen groß. Wusstest du das? Man hüpft morgens eine Minute lang.
Schilling: Das funktioniert aber nicht für jeden. Wenn du älter wirst ...
Kempter: Aber wenn du früh damit anfängst, kannst du für immer hüpfen und wirst ganz alt. Es geht um Lymphfluss und Achtsamkeit. Frag mich aber in zwei Wochen noch mal, dann werde ich das vermutlich auch schon nicht mehr machen. (lacht)
Die Serie zeigt auch, dass der Mensch sich viele Dinge moralisch passend zurechtlegen kann. Kennt ihr das von euch selbst auch?
Schilling: Selbstbetrug ist schon gut, man geht einfach viel leichter durchs Leben, muss man ehrlicherweise sagen.
Kempter: Ich glaube, das ist in uns Menschen so angelegt. Wir werden sehr kreativ, um uns Sachen so hinzubiegen, dass sie für uns passen.
Schilling: Das ist der Kern von vielen Konflikten, weil jeder seine eigene Wahrheit hat. Und Björn macht all das für uns, was wir uns nicht erlauben.
Wenn ihr der jeweils anderen Figur einen guten Rat mitgeben könntet, welcher wäre das?
Schilling: Vielleicht müsste ich dir raten, nicht alles zu glauben, was man dir erzählt, Friederike beziehungsweise Laura.
Kempter: Aber ich finde, meine Figur fährt gut damit. Ich habe selten eine Figur gespielt, die so gesund durchs Leben gegangen ist. (lacht)
Schilling: Dann wäre der Rat eigentlich: Bleib, wie du bist.
Kempter: Und ich würde sagen: Björn, nimm dir ein Beispiel an ihr. Sei mehr wie Laura.
Mit Friederike Kempter und Tom Schilling sprach Nicole Ankelmann
Die zweite Staffel von "Achtsam Morden" ist ab sofort auf Netflix abrufbar.