Kino

Spielberg huldigt der Popkultur Wie auf LSD: "Ready Player One"

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Wird Parzival (l.) das Rätsel knacken?

(Foto: Jaap Buitendijk / Warner Bros. Pictures)

Mit "Die Verlegerin" hat Steven Spielberg gerade erst ein anspruchsvolles Drama auf die Kinoleinwände gebannt. Jetzt legt er auch schon nach - mit dem glatten Gegenteil. "Ready Player One" ist die volle Dröhnung für die Sinne.

Was erlaube … Spielberg?! Vergleichbare Grenzgänge zwischen Streifen wie "Der weiße Hai" und "Indiana Jones", aber auch "Schindlers Liste" und "München" sind eigentlich bei keinem anderen denkbar als bei dem Starregisseur unserer Zeit. Sollte es dafür noch eines Beweises bedurft haben, dann liefert den nun das noch junge Kinojahr 2018.

Soeben erst wurde Steven Spielberg für seine Ode an die Pressefreiheit mit Meryl Streep als "Die Verlegerin" und Tom Hanks als ihrem Chefredakteur Ben Bradlee gefeiert. Nicht nur von den Kritikern setzte es dafür jede Menge Lob, der Streifen erhielt auch zwei Oscar-Nominierungen - als bester Film und für Streep als beste Hauptdarstellerin. Dass er letztlich keine der beiden Trophäen gewann, wird sowohl für den Regisseur als auch für die Schauspielerin zu verkraften gewesen sein. Schließlich verstauben bei ihnen beiden bereits jeweils drei der Goldjungen im Regal.

Zukunftsvision voller Nostalgie

Nun, nur wenige Wochen später, kommt auch schon Spielbergs nächster Streich auf die Leinwand. Mit Echsen kennt er sich ja spätestens seit "Jurassic Park" aus. Und als wollte der Grandseigneur Hollywoods noch einmal ein besonders fettes Ausrufezeichen hinter seine eigene Seelenverwandtschaft zu Chamäleons setzen, ballert der 71-Jährige in "Ready Player One" aus allen Rohren.

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Wie viele andere flüchtet sich Wade Watts vor seinem Alltag in eine virtuelle Realität.

(Foto: Jaap Buitendijk / Warner Bros. Pictures)

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Science-Fiction-Bestseller des US-Amerikaners Ernest Cline aus dem Jahr 2010. Schon das Buch ließ die Herzen von 80er-Jahre-Kindern weit aufgehen, so vollgestopft war es mit mehr oder weniger versteckten Reminiszenzen an die ersten Computerspiele, aber auch die gesamte Popkultur jener Zeit. Die Verfilmung seines Debütromans hatte Cline wohl schon im Blick, als er ihn zu Papier brachte. Und mit keinem Geringeren als Steven Spielberg hat er nun den gefunden, der seine in Nostalgie badende Zukunftsvision auf die Leinwand bannt. Wer denn auch sonst, wenn nicht der Erschaffer von "E.T."?

Auf der Suche nach dem "Easter Egg"

"Ready Player One" spielt dabei in einer gar nicht so weit entfernten Zukunft, im Jahr 2045. Auf der Erde herrscht Endzeitatmosphäre, die Menschen flüchten sich vor ihren realen Sorgen in ein virtuelles Universum namens "Oasis". Erschaffen hat die unendliche Computerwelt, in der jeder sein kann, wer er gern sein möchte, der beinahe wie ein Guru verehrte Nerd James Halliday (Mark Rylance).

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In der "Oasis" geht es mitunter gut zur Sache.

(Foto: Warner Bros. Pictures)

Als der Erfinder stirbt, hält er für seine Fangemeinde ein verheißungsvolles Vermächtnis bereit. Für die Spieler gilt es, drei Schlüssel aufzustöbern, die Halliday irgendwo in der "Oasis" versteckt hat. Nur mit ihnen lässt sich das "Easter Egg" ("Osterei") zur Lösung des ganz großen Rätsels, in das das Spiel eingebettet ist, finden und knacken. Wem das schließlich gelingt, dem verspricht Halliday nicht nur sein Vermögen, sondern auch die gesamte Kontrolle über die virtuelle Welt.

Mehrere Jahre ziehen ins Land, ohne dass auch nur ein Schlüssel zutage gefördert wird. Doch dann tritt der Teenager Wade Watts (Tye Sheridan), dessen Avatar in der "Oasis" Parzival heißt, in Erscheinung. Zusammen mit seinen vier Freunden Samantha alias Art3mis (Olivia Cooke), Helen alias Aech (Lena Waithe), Akihide alias Sho (Philip Zhao) und Toshiro alias Daito (Win Morisaki) schickt er sich an, die Erbfolge von Halliday anzutreten. Aber die "High Five" sind natürlich nicht die Einzigen, die das Spiel nur allzu gerne gewinnen würden. Auch der skrupellose Konzernchef Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) strebt nach der Macht über die "Oasis". Und dazu ist ihm beinahe jedes Mittel recht ...

Zwischen Dröhnung und Überdosis

Die Geschichte, die in "Ready Player One" erzählt wird, ist selbstverständlich alles andere als neu: der Kampf von Gut gegen Böse, von David gegen Goliath, von Kindern gegen Erwachsene. Neu ist allerdings die optische Vehemenz, mit der Spielberg sie erzählt. Der Regisseur taucht die Zuschauer derart in eine dreidimensionale Bilderflut, dass sie nach dem Kinobesuch womöglich denken werden, sie hätten gerade einen Drogen-Trip hinter sich. Beeindruckend ist das allemal, doch die volle Dröhnung dürfte bei manch einem auch das Gefühl einer Überdosis hinterlassen.

Die popkulturellen Referenzen treibt Spielberg dabei auf die Spitze - egal, ob es um Computerspiele, Filme und Musik vornehmlich, aber nicht nur aus den 80er-Jahren geht. Kaum eine Einstellung, in der nicht mindestens eine Anspielung auf Games wie "Street Fighter", "Super Mario" und "Tomb Raider" oder auf Filme wie "Zurück in die Zukunft", "Ferris macht blau" und "Shining" zu sehen ist. Für die musikalische Untermalung sorgen dazu passend die Songs von Gruppen wie Europe, Duran Duran oder A-ha.

Meister aller Klassen

Wirklich alles zu erfassen, was Spielberg an mehr oder weniger geheimen Hinweisen in den Streifen gepackt hat, würde einem vermutlich selbst beim 100. Gucken des Films nicht gelingen. Für die groß gewordenen Kinder jener Zeit ist "Ready Player One" deshalb ein grandioser Nostalgie-Flash. Doch genau hier liegt eine weitere Krux. Handlung und Erzählung des Films dürften eher bei einem jugendlichen Publikum verfangen. Die jedoch können viele der Referenzen gar nicht entschlüsseln.

Dem Erfolg von "Ready Player One" tut das jedoch offenbar keinen Abbruch. In Nordamerika hat der Streifen schon mal aus dem Stand die Spitze der Kinocharts erobert - und Spielberg wieder mal bewiesen, dass er einfach ein Meister aller Klassen ist.

"Ready Player One" läuft seit 5. April in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de