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Mittwoch, 21. Februar 2018

Spielbergs "Fuck You" für Trump: "Die Verlegerin" feiert die Pressefreiheit

Von Volker Probst

Ein Film wie ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung des US-Präsidenten: In "Die Verlegerin" zelebrieren Steven Spielberg, Tom Hanks und Meryl Streep die Pressefreiheit. Fragt sich nur: Wo bleibt Trumps Twitter-Tirade gegen den "Fake Film"?

Rund sechs Wochen nach der Vereidigung von Donald Trump zum US-Präsidenten trudelte beim Pressecorps im Weißen Haus eine Espresso-Maschine ein. Dazu eine Nachricht mit der Aufforderung an die Journalisten, den Kampf für Wahrheit, Gerechtigkeit und die US-amerikanische Lebensart nicht aufzugeben. Der Spender war kein Geringerer als Hollywoodstar Tom Hanks. Und das nicht zum ersten Mal - tatsächlich hatte er die Reporter in den Jahren zuvor schon zweimal mit einem frischen Kaffeeautomaten beglückt. Dennoch werteten viele seine Aktion dieses Mal als ganz besonderes Symbol.

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Meryl Streep wiederum engagierte sich in der Vergangenheit schon vielfach politisch - für die Friedensbewegung und Abrüstung ebenso wie gegen Atomkraft und soziale Ungleichheit. In ihrer Rede bei der Golden-Globes-Verleihung 2017 briet sie Trump aus der Ferne kräftig eins über, ohne ihn auch nur ein einziges Mal beim Namen zu nennen: "Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle."

Und Steven Spielberg? Der hat mehr als nur einmal bewiesen, dass er nicht nur Blockbuster der Marke "E.T.", "Jurassic Park" oder "Indiana Jones" liefern kann. Mit Streifen wie "Schindlers Liste", "Der Soldat James Ryan" oder "München" unterstreicht der bis dato kommerziell erfolgreichste Regisseur aller Zeiten seit den 90ern regelmäßig auch seine Ambitionen in ernsteren Gefilden. Mit "Die Verlegerin" legt der politische Unterstützer der Demokraten diesbezüglich nun noch einmal nach. Und gemeinsam legen er, Hanks und Streep die Lunte an Donald Trumps "Fake News"-Propaganda.

Bis zum Obersten Gerichtshof

Der Film basiert auf historisch wahren Begebenheiten. Im Mittelpunkt steht die Veröffentlichung der sogenannten "Pentagon-Papiere" zur Beginn der 70er-Jahre. Die Dokumente, die eine bewusste Desinformation der US-Bevölkerung über die Vorgänge im Vietnamkrieg aufdeckten, wurden seinerzeit der Presse zugespielt - erst der "New York Times", später auch der "Washington Post".

Trio Infernale: Meryl Streep, Steven Spielberg und Tom Hanks.
Trio Infernale: Meryl Streep, Steven Spielberg und Tom Hanks.(Foto: Twentieth Century Fox and Storyteller Distribution CO. LLC.)

Als die Zeitungen begannen, den Inhalt der brisanten Papiere abzudrucken, bäumte sich die Staatsgewalt unter Präsident Richard Nixon mit aller Macht gegen den vermeintlichen Geheimnisverrat auf. Letztlich jedoch erkämpften die Medienhäuser vor dem Obersten Gerichtshof einen Sieg von immenser Tragweite für die Pressefreiheit.

"Nur eine freie und unbeschränkte Presse kann effektiv Täuschungen durch die Regierung enthüllen", begründete einer der sechs Richter, die sich - bei drei Gegenstimmen - auf die Seite der Zeitungen gestellt hatten, seine Entscheidung. Er ergänzte: "Und zu den überragenden Verantwortlichkeiten einer freien Presse gehört die Pflicht, jedweden Regierungsteil davon abzuhalten, die Menschen zu täuschen und sie in ferne Länder zu schicken, um durch fremde Krankheiten, Kugeln und Granaten zu sterben."

Der Aufstieg der "Washington Post"

Streep kann für ihre Rolle auf einen Oscar hoffen.
Streep kann für ihre Rolle auf einen Oscar hoffen.(Foto: Twentieth Century Fox and Storyteller Distribution CO. LLC.)

"Die Verlegerin" betrachtet die Geschichte aus der Perspektive der "Washington Post", die mit ihrer Rolle bei der Veröffentlichung der "Pentagon-Papiere" den Grundstein für ihren Ruf als investigatives Blatt legte, ehe sie diesen mit ihrer Berichterstattung zur "Watergate-Affäre" endgültig zementierte. An der Spitze des Medienunternehmens steht zu dieser Zeit Kay Graham (Meryl Streep). Sie muss sich nicht nur bei ihren männlichen Widersachern und Bedenkenträgern in der Firma besonderen Respekt verschaffen. Von ihren Entscheidungen über den Umgang mit den "Pentagon-Papieren" hängt auch das Wohl und Wehe des gesamten Unternehmens ab.

Für ihren Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) dagegen ist klar: An der Pressefreiheit darf trotz aller drohenden Konsequenzen und Repressalien nicht gerüttelt werden. Und: Eine größere Chance, das Renommee der Zeitung aufzuwerten, kommt so schnell nicht wieder ...

Es war dringend

Spielberg wäre nicht Spielberg, würde er in "Die Verlegerin" ein plumpes Schwarz-Weiß-Gemälde zeichnen, in dem es nur Gut und Böse gibt. Stattdessen gelingt ihm die feinsinnige Balance, auch die Verflechtungen von Politik und Medien, die Abhängigkeiten von Politikern und Journalisten und das Machtgefüge zwischen Regierung und Redaktionen aufzuzeigen. Dennoch: Am Ende ist der Film ein einziges großes Plädoyer für die Pressefreiheit und den unabhängigen Journalismus. Und auch wenn die Begebenheiten schon knapp 50 Jahre zurückliegen, könnte die Thematik kaum aktueller sein.

Spielberg wäre nicht Spielberg, wenn er das nicht wüsste. Mehr noch: Der Film mutet geradezu wie ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Trump an. Umso mehr, als just die "New York Times" und die "Washington Post" zu den Lieblingsgegnern des aktuellen Präsidenten zählen, wenn es darum geht, die Presse mit "Fake News"-Vorwürfen zu überziehen. Spielberg macht aus seiner Motivation in dieser Hinsicht auch gar keinen Hehl: "Dass es so dringlich war, diesen Film zu machen, liegt am gegenwärtigen Klima unter dieser Administration, die die Presse bombardiert und Wahrheiten als 'Fake' abstempelt, wenn es ihr gerade passt", sagte der Regisseur dem "Guardian".

Obwohl der Film in den USA bereits im Dezember erschien, blieb es an Trumps Twitter-Front dazu bislang ruhig. Allerdings soll das Weiße Haus bereits vor Wochen eine Kopie des Streifens für seinen Vorführraum angefordert haben. Vielleicht gibt es ja Anfang März noch eine Reaktion aus dem Oval Office. Dann werden die Oscars vergeben. Und "Die Verlegerin" ist unter anderem als bester Film nominiert.

"Die Verlegerin" läuft ab dem 22. Februar in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de