Trilby, Hawaiihemd, "Ritualblut"Die Welt braucht mehr Menschen wie Baxter Kincade
Von Thomas Badtke
Baxter Kincade bringt nichts aus der Ruhe. Fast nichts. Als er es mit einem durchgeknallten Sektenführer, der Homeland Security und einem sadistischen Chinesen zu tun bekommt und es am Ende um das Überleben der Menschheit geht, hat aber auch der schrullige Privatdetektiv aus San Francisco etwas Puls.
"Wenn ihr je flussaufwärts rudert und ein Rad verliert, ruft euch unbedingt in Erinnerung, wie viele Pfannkuchen in eine Hundehütte passen …" Wie viele werden es wohl sein? Genau: "Sieben, weil Bananen keine Knochen haben!" Der Typ, aus dessen Hirn dieses krude Zeugs stammt, trägt in der Regel Haiwaiihemden und einen alten Trilby auf dem Kopf. Wenn er sich nicht gerade per pedes fortbewegt, nutzt er ein in die Jahre gekommenes Cabrio und hört auf den Namen Baxter Kincade.
Kincade ist Privatermittler in San Francisco. Der ehemalige Polizist hat dem SFPD den Rücken gekehrt, pflegt aber weiterhin einen guten Draht zur Polizei. Nur muss er sich nicht mehr an die einengenden Regeln von Recht und Ordnung halten. Für Kincade gilt: "Es gibt Recht - und Gerechtigkeit." Die Betonung liegt auf Gerechtigkeit. Kincades Ziel: San Francisco, seine Stadt, zu einem besseren Ort machen, zu einem lebenswerteren. Dafür investiert er auch schon mal mehrere Hunderter pro Person in ein Spitzelnetzwerk aus Obdachlosen.
Mit dieser Vorgehensweise steht Kincades berufliche Partnerin Corin zwar auf Kriegsfuß. Der Erfolg gibt dem schrägen, und liebenswerten Privatdetektiv aber Recht. Da Kincades ungewöhnliche Ermittlungsmethoden ihn des Öfteren in die Bredouille bringen, ist Corins oberstes Mantra, ihren Partner zu beschützen. Koste es, was es wolle. Dabei ist sie knallhart, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht danach aussieht. Corin ist 1,50 Meter "groß". Sie liebt aber MMA und jedwede Kampfsportart. Eine Unterschenkel-Prothese aus Titan, das Beste, was es am Markt für Geld gibt, und eine fast schon abartige Liebe zu jedweder Art von Feuerwaffen sind ihre durchschlagendsten Argumente. Kincade weiß das und bremst Corin deshalb auch immer wieder ein.
Chinesisch auf Kincade-Art
So sehr Corin Kincade auch mag und ihm vertraut, seine neueste Klientin kommt ihr spanisch vor. Wohl auch, weil Kincade der bildhübschen Chinesin verfallen ist. Als sie spurlos verschwindet, setzt Kincade Himmel und Hölle in Bewegung, um sie wiederzufinden. Dabei bekommt er es mit einem Sadisten der Kommunistischen Partei Chinas zu tun. Eine Sekte, die von einem Durchgeknallten angeführt wird, spielt ebenfalls eine Rolle. Das US-Heimatschutzministerium hat seine Finger ebenso im Spiel, wie die Yakuza. Und am Ende geht es um nichts Geringeres als das nackte Überleben der gesamten Menschheit. Eine Antimaterie-Waffe droht, in die falschen Hände zu geraten.
Cross und Rotermund rocken
Anders ausgedrückt: Ethan Cross lässt es im zweiten Buch seine "Baxter Kincade"-Reihe mal so richtig krachen. "Ritualblut" ist bei Piper und Hörbuch Hamburg erschienen und bleibt im Kopf. So oder so. Das liegt am Plot selbst, der so schräg ist, dass man als Konsument denkt: Was hat Cross da bloß geraucht? Kincade gönnt sich zumindest immer mal einen Joint. Da wäre die Idee einer Antimaterie-Waffe, gegen die Atombomben das reinste Kinderspielzeug sind. Da wäre die ominöse Sekte mit ihrem noch skurrilerem Anführer. Da wäre die japanische Mafia, bei deren San-Francisco-Boss Kincade einen Stein im Brett hat. Und dann noch der "Oberbösewicht" aus China, der Antworten gern mit dem Einsatz von Flusssäure aus seinen Opfern herauskitzelt - und alles für die Partei.
Sprecher Sascha Rotermund rundet die kunterbunte Gemengelage perfekt ab: Er kann den chinesischen Supersadisten genauso gut wie den durchgedrehten Sektenführer oder aber die beiden nicht minder schrulligen Hauptfiguren Kincade und Corin. Vor allem diesen beiden schenkt Rotermund eine Unverwechselbarkeit, die Ihresgleichen sucht. Dass Rotermund im Thriller-Genre zu Hause ist und zu den Besten seines Fachs gehört, merkt der Hörer des knapp elfstündigen Hörbuchs vor allem an den Dialogen der beiden. Altes Ehepaar wechselt urplötzlich mit Vater-Tochter-Verhältnis ab. Beschützerinstinkt hier, Kopf-durch-die-Wand da. Oder um es wieder mit Kincade selbst zu sagen: "Ich kann Schmerz nicht leiden. Für Späße bin ich eher zu haben."
