Hörbücher

Gangster, Nazis, Berlin 1935 Kutschers "Marlow" entführt in düstere Zeiten

Berlin 1935, ein Kriminalkommissar ermittelt nach einem vermeintlichen Autounfall und stößt auf politische Intrigen, Verschwörungen und dunkle Vergangenheiten. Gleichzeitig muss er seinen Platz im "neuen", von Nazis dominierten Deutschland finden. Keine einfache Aufgabe - auch wegen seiner Verbindungen in die Berliner Unterwelt.

Schon einmal eine Zeitreise gemacht? Wie, Zeitreise, fragen Sie, gibts etwa doch schon Zeitmaschinen? Ja - Bücher, Hörbücher, Filme. Mit ihrer Hilfe kann man dem schnöden Alltag entfliehen; in Welten eintauchen, in denen noch kein Mensch zuvor gewesen ist; in längst vergangene, bessere Zeiten reisen. Oder auch ins Berlin des Jahres 1935. Das passende Hilfsmittel liefert Volker Kutscher mit seinem Roman "Marlow", der gelesen von Highclass-Allrounder David Nathan auch als 17-Stunden-Hörbuch erschienen ist. Anschnallen und auf geht's!

ANZEIGE
Marlow: Der siebte Rath-Roman: 2 CDs (Die Gereon-Rath-Romane, Band 7)
EUR 13,92
*Datenschutz

Berlin 1935: Kriminalkommissar Gereon Rath wird zu einem Unfall gerufen. Ein Taxi ist in der Innenstadt von der Straße abgekommen und vor einen Brückenpfeiler geknallt. Der Fahrer ist sofort tot, sein Fahrgast auch. Rath schaut sich den Wagen an, prüft die Papiere der Insassen, findet im Fond eine unter den Vordersitz gerutschte Tasche. Sie muss dem Fahrgast gehört haben. Rath schaut hinein: eine Schachtel Pralinen und ein großformatiger Umschlag, dessen Zieladresse im fränkischen Schwabach unweit von Nürnberg liegt. Im Umschlag: Geheimakten der SS.

Rath schreckt auf, panisch. Er ist zwar unpolitisch, wie er glaubt, aber Ärger mit der SS wegen mehrerer Geheimakten? Der Tag wäre dann ganz sicher ruiniert, zudem er Geschichten von Folterungen mit aufrecht stehenden Bettgestellen und Peitschen gehört hat. Rath steckt den Umschlag unter seinen Mantel und verschickt die Akten später an die Adresse in Franken. Die Ermittlungen gehen ihren gewohnten Gang, aber der Ärger nimmt ebenfalls seinen Lauf.

Ein Unfall oder kaltblütiger Mord?

Der Taxifahrer hatte offenbar auf seinen Fahrgast gewartet, wollte explizit ihn transportieren. Bei der Autopsie wird ein Tumor im Hirn des Fahrers gefunden. Seine Frau wusste davon nichts, wie sie Rath versichert. Der glaubt ihr, denn die Frau lebt mit drei Kindern in einer ärmlichen Zwei-Raum-Wohnung, hat nach dem Tod ihres Mannes nun Angst, obdachlos zu werden. Doch das Gegenteil ist der Fall: Kurz darauf wohnt sie in einer deutlich besseren Wohngegend, mit Grünanlage vorm Haus. Rath stutzt.

Kutscher copyright Andreas Chudowski.jpg

Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte zunächst als Zeitungsredakteur und Drehbuchautor, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt er als freier Autor in Köln.

(Foto: Copyright Andreas Chudowski)

Bei seinen Nachforschungen gerät er immer tiefer in ein Netz aus politischen Intrigen und Verschwörungen rund um SA und SS. Er stößt auf Details aus der Vergangenheit seiner Frau Charlie, über die sie mit ihm bisher nicht gesprochen hat. Diese Details stammen aus einer Zeit, wo Berlin von blutigen Auseinandersetzungen diverser Ringvereine erschüttert wurde, Bandenkämpfe krimineller Vereinigungen.

Rath selbst wird zum Einbrecher, zum Dieb und urplötzlich gar empfänglich für die Hass-Agitation von Adolf Hitler, als er den Reichsparteitag in Nürnberg besuchen muss. Denn: Charlie und er haben ein Pflegekind, Fritz, das sich immer weiter von der Familie entfernt und in der Hitlerjugend heimisch wird.

Zwei Storys, eine Geschichte

All das verwebt Autor Volker Kutscher in seinem grandiosen Roman "Marlow", das mittlerweile siebte Rath-Buch. Und wie die anderen Rath-Fälle davor dauert es nicht lange, bis es den Hörer fesselt, denn er wird Teil der Welt Raths, fühlt und fiebert mit. Wie wäre es gewesen, wenn man selbst in dieser Zeit gelebt hätte? Auf welcher Seite hätte man gestanden? Hätte man sich überhaupt für eine Seite entschieden oder wäre man doch am Ende ein kleines Rad in der Mitläufermaschinerie geworden, hätte "Heil Hitler" gerufen, die Hacken zusammengeschlagen und den rechten Arm nach oben gerissen?

Rath sträubt sich dagegen, weiß aber auch, dass er künftig wohl nur weiter Karriere machen kann, wenn er wenigstens ein bisschen mit der Masse mitmarschiert. Sein moralischer Kompass heißt Charlie, die einst selbst Kommissarin werden wollte, vom "neuen System" aber ausgebremst wurde und sich nun als Privatdetektivin verdingen muss. Ein Grund mehr, die Nazis zu hassen!

ANZEIGE
Der nasse Fisch: Gereon Raths erster Fall (Die Gereon-Rath-Romane, Band 1)
EUR 7,90
EUR 7,95
*Datenschutz

SA, SS, Nazi-Deutschland: Kutscher "Marlow" spielt in dieser Zeit und mit ihr. Sie gibt aber nur den Rahmen vor, in dem Rath und Charlie Verbrechen auf der Spur sind. Das ist beim siebten Rath-Fall nicht anders als bei den sechs Büchern vorher, angefangen mit "Der nasse Fisch", das im Jahr 1929 spielt und auf dessen Vorlage die hochklassig besetzte TV-Serie "Babylon Berlin" fußt. Was Kutscher ebenfalls beibehält und was beim Zuhörer für Kurzweil und Amüsement sorgt, ist die Berliner Kodderschnauze, die immer wieder auftaucht. Diesmal ist es vor allem die Witwe Lehmann, die herrlich schnoddrig daherkommt und ihr Herz auf der Zunge trägt.

Aber wieso der Titel "Marlow"? Weil Rath seit seinem ersten Fall immer wieder mit einem Gangster namens Johann Marlow alias "Dr. M" oder auch "Dr. Mabuse" zu tun hat. Mal hilft Rath ihm ("Der nasse Fisch"), mal ist es umgekehrt ("Goldstein"). Als Zuhörer empfindet man durchaus Sympathien für Marlow, der nun seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen will und auf seriösen Geschäftsmann macht, halt in schwarzer SS-Uniform. Kein Problem für ihn, der auch SA-Chef Görings Drogenhunger stillt.

"Marlow" liefert in Rückschauen immer wieder Einblicke in das frühere Leben Marlows, zeigt, wie aus ihm der Mann geworden ist, den er nun darstellt; wieso sein bester Mann und engster Vertrauter ein Chinese ist; weshalb es Marlow immer wieder nach Mecklenburg an einen kleinen Ort zieht - und was er mit dem Tod von Charlies Vater, einem Gefängniswärter, zu tun hat.

Eine Stimme zieht in den Bann

nathan.jpg

David Nathan ist einer der bekanntesten deutschen Hörbuch- und Synchronsprecher.

(Foto: David Nathan)

Dass "Marlow" vor allem als Hörbuch ein absoluter Genuss und schmackhaftes Futter für das Kopfkino ist, liegt neben dem spannenden und komplexen Plot auch an der Stimme David Nathans, einem der bekanntesten deutschen Sprecher von Hörbüchern (er liest etwa Stephen King) und Synchronstimme der Hollywoodstars Christian Bale und Johnny Depp. Nathan gelingt es, jede Figur einzigartig zu machen, egal ob wütende Frau, aufmüpfiges Kind, fordernder Mann, kaltblütiger Killer oder Naziführer.

Diese Kombination aus Story und Stimme ist es, die "Marlow" als Hörbuch zu einem absoluten Erlebnis macht. "Marlow" ist die perfekte Zeitmaschine, reisen Sie los, Berlin 1935 erwartet Sie! 

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema