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"Aufgeben ist nicht mein Ding"80er-Ikone Sandra kennt keine Nostalgiegefühle

24.07.2026, 15:37 Uhr Foto-Volker-ProbstInterview: Volker Probst
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Wer braucht neue Songs, wenn man Hits hat? Sandra. (Foto: picture alliance / ABBfoto)

Ihren Song "Maria Magdalena" kennt heute noch fast jedes Kind. Und so gehört Sängerin Sandra auch zu den Stars der Konzertreihe "Die 80er live". Mit ntv.de spricht sie über die Faszination eines Jahrzehnts, ihre Heilung vom Krebs und die vermaledeite Hitze.

ntv.de: Die Musik bei "Die 80er live" ist zum größten Teil über 40 Jahre alt. Und trotzdem kommen so viele Menschen, dass das Festival in einem Stadion stattfindet. Wie fühlt sich das für Sie an?

Sandra: Es ist schon irre. Die 80er-Jahre waren einfach eine ganz besondere Zeit. An sie erinnert sich jeder gern zurück. Auch politisch war das in meiner Erinnerung eine coole Zeit. Und für die Leute hier auf dem Festival war es halt ihre Jugend.

Es sind aber auch viele jüngere Menschen hier. Irgendwie scheinen die 80er insgesamt eine größere Faszination auszuüben als andere Jahrzehnte ...

In den 80ern gab es halt auch wahnsinnig gute Songs. Und es war die Zeit, in der man damit angefangen hat, tolle Videos für die Künstler zu machen. Dann kamen TV-Shows und Sender wie MTV, die diese Videos gezeigt haben. So konnte man sich mit den Künstlern identifizieren. Bei mir fing das mit "Heat Of The Night" an - zu "Maria Magdalena" gab es noch gar kein Video. Aber nicht zuletzt durch die Videos wurden die Lieder dann sehr berühmt und haben sich bei den Leuten im Kopf festgesetzt.

Auch wenn viele Sie in erster Linie mit den 80ern verbinden, hatten Sie schon in den 70ern großen Erfolg - als Teil der Formation Arabesque, die unter anderem in Japan sehr populär war ...

Stimmt, mit ihr haben wir schon sieben Millionen Platten verkauft.

Können Sie sich dann mit Begriffen wie "80er-Ikone" überhaupt identifizieren?

Auf jeden Fall! Da ging es erst richtig los - weltweit und mit mir als Solokünstlerin.

Ihr ursprünglicher Karrierewunsch soll mal Primaballerina gewesen sein. Sind Sie rückblickend froh, dass es damit nicht geklappt hat?

Das hätte ich schon gern gemacht. Ich war auch schon mit Spitzenschuhen auf der Bühne gestanden, aber das hat meinem Rücken nicht gutgetan. Deshalb durfte ich das dann nicht mehr. Ich wollte aber unbedingt auf die Bühne. So habe ich mit dem Singen angefangen. Mit 12 habe ich meine erste Single gemacht - auf Deutsch!

Sie haben es schon gesagt: Für viele der Festival-Besucher waren die 80er ihre Jugend. Da verbinden sich dann auch nostalgische Gefühle mit den Songs. Wie geht Ihnen das?

Ach, ich bin ja immer in Kontakt mit den Songs. Da habe ich kein Nostalgiegefühl. Das sind halt meine Songs, die ich auf der Bühne präsentiere und die immer gut ankommen. Deswegen habe ich auch gar kein Interesse daran, neue Musik zu machen. Ich habe 13 Alben gemacht und habe so viele Hits, dass ich damit ein Programm von zweieinhalb Stunden live mit Band füllen kann. Weshalb sollte ich da jetzt noch neue Songs machen, wenn alle eh die Hits hören wollen und beleidigt wären, wenn ich ihren Favoriten nicht singen würde?

Auf dem Festival treten Sie neben anderen 80er-Jahre Stars wie zum Beispiel Boy George oder Holly Johnson von Frankie Goes To Hollywood auf. Kennt man sich da eigentlich untereinander?

Ja, schon, zumindest vom Sehen. Boy George habe ich schon damals bei MTV getroffen, Nik Kershaw war immer bei Peter Illmann. Ihn kenne ich ganz gut, mit ihm habe ich mich auch immer gut unterhalten. Samantha Fox ist auch immer bei Konzerten mit von der Partie, auf denen viel 80er-Jahre-Musik gespielt wird. Ich bin jetzt nicht mit allen befreundet, aber man sagt sich schon: "Hallo, wie geht's? Alles gut?"

Das bereits erwähnte "Maria Magdalena" ist eine Art "Signature Song" von Ihnen. Ich habe mal Marian Gold von Alphaville in einem Interview gefragt, ob es ihn eigentlich nervt, wenn alle immer nach "Forever Young" rufen. Er meinte: Nein, er sei im Gegenteil froh und stolz, so einen Welthit im Repertoire zu haben. Wie geht Ihnen das mit "Maria Magdalena"?

Mir geht das genauso. Ich spiele das Lied auch immer als Erstes, denn es hat natürlich sofort einen Wiedererkennungswert. So wissen auch die Letzten, die es noch nicht ganz mitbekommen haben, wer da jetzt oben steht. (lacht) Und dann geht es ab.

Sie präsentieren den Song live auch in einem etwas anderen Gewand als früher ...

Ja, wir haben ihn vom Sound her natürlich modernisiert und ein bisschen Rockpop daraus gemacht. Meine Band spielt ja fantastisch. Ich finde, ich habe zum Beispiel den besten Drummer aller Zeiten. Darauf bin ich natürlich auch stolz.

"Maria Magdalena" wurde damals von einer Ikone der Neuen Deutschen Welle mitgeschrieben: Hubert Kah. Er war auch als Sänger im Background zu hören. Haben Sie zu ihm noch Kontakt?

Nein, gar nicht. Keiner weiß, wo er steckt. Keiner weiß, was mit ihm los ist. Er hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ich weiß nicht, wo er wohnt und auch sonst nichts über ihn. Auch niemand aus meinem Bekanntenkreis weiß etwas.

Hubert Kah und einige andere Stars aus dieser Zeit waren irgendwann auch im Reality-TV zu sehen. Sie sind dort nie aufgetaucht ...

Nein! Das halte ich auch überhaupt nicht für relevant für mich. Was soll ich da? Alles bin ich, aber so was nicht. Never ever würde ich in eine Show wie das Dschungelcamp oder dergleichen gehen.

Aber auch als Jurorin in einer Casting-Show oder in einer Sendung wie "Sing meinen Song" hat man Sie nie gesehen. Meiden Sie auch diese Formate bewusst?

Ja. Ich hatte genügend Anfragen, habe aber immer gesagt: "Mache ich nicht." Es ist nicht mein Ding. Ich mache das, worin ich gut bin und ich mich wohlfühle. Bei so etwas fühle ich mich nicht wohl. Ich will mich auch nicht mit diesen Leuten umgeben. Ich habe in meinem Leben wirklich hart gearbeitet. Damals gab es noch kein Internet. Ich musste für meine Bekanntheit hart kämpfen. Ich habe alles mitgemacht, in allen Ländern, eine TV-Show nach der anderen. Heute machst du einen Klick, setzt irgendwas ins Internet und hast einen Hit. Da bin ich sauer. (lacht)

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Sie können aber darüber lachen ...

Ja, es ist ja nicht so, dass ich es denen nicht gönne. Aber ich möchte mit diesen Leuten, die keine Lebenserfahrung haben, eigentlich nichts zu tun haben. Sie sollen ruhig ihr Ding machen, aber mein Ding war etwas anderes. Ich gehöre noch zu der Generation, die für ihren Erfolg gefightet hat.

Sie haben vergangenes Jahr in einem Interview durchblicken lassen, dass Sie sich vorstellen könnten, Ihrer Wahlheimat Ibiza den Rücken zu kehren und wieder nach Deutschland zu ziehen ...

Nach 35 Jahren auf Ibiza lebe ich jetzt tatsächlich seit einem Jahr wieder in München. Auf Ibiza war es mir zu heiß. Ich habe es nicht mehr ausgehalten und mir gedacht: "Wenn ich mich hier nur noch in Räume mit Aircondition zurückziehe, kann ich auch nach Deutschland gehen." Und jetzt haben wir auch hier schon wochenlang 40 Grad Hitze. Ich habe in meiner Dachwohnung 43 Grad im Schlafzimmer gemessen. Ich bin fast umgefallen. Auch da muss ich mir jetzt erst mal eine Aircondition einbauen lassen. Wahnsinn!

In demselben Interview haben Sie auch erklärt, dass man sich finanziell um Sie keine Sorgen machen braucht. Wofür geben Sie heute noch gern Geld aus?

Für schöne Bühnenoutfits. Dafür habe ich immer noch eine Schwäche.

Eine Sache, die unbezahlbar ist, ist die Gesundheit. Sie haben vor knapp zehn Jahren eine Brustkrebs-Diagnose erhalten und danach jahrelang gegen den Krebs gekämpft. Wie geht es Ihnen heute?

Super. Alles bestens. Ich bin geheilt und habe es hinter mir. Ich habe es geschafft und bin glücklich.

Hat die Krankheit Ihre Sicht auf das Leben und die Welt verändert?

Überhaupt nicht. Ich habe das gar nicht zu nah an mich ran gelassen, weil man sonst verzweifelt. Ich habe mich abgelenkt über meine Musik und meine Konzerte, als das wieder ging. Ich hatte ja auch die Haare verloren, mir aber geschworen: "Ich werde nie mit einer Perücke auf die Bühne gehen." Es waren schon ein paar harte Jahre. Aber da musst du durch. Es bleibt dir ja nichts anderes übrig: durchgehen oder aufgeben. Und Aufgeben ist nicht mein Ding.

Stellt sich noch die Frage: Was passiert nach so einem Festival noch am Abend? Wird da noch einmal richtig gefeiert oder geht es ab auf die Couch?

Mein Sohn ist heute mit ein paar Kumpels da. Das ist ganz selten der Fall. Er lebt in Den Haag, der andere lebt in Lissabon. Wir gehen heute Abend zusammen essen.

Mit Sandra sprach Volker Probst

Das Gespräch wurde am Rande des Festivals "Die 80er live" am vergangenen Wochenende in Hamburg geführt. Das Event findet - mit leicht verändertem Line-up - an diesem Samstag, 25. Juli, auch noch einmal in der Veltins Arena in Gelsenkirchen und am 8. August im Deutsche Bank Park in Frankfurt am Main statt. Zudem ist bereits bestätigt, dass das Festival auch 2027 in mehreren Städten, darunter Hamburg und Köln, Station macht. Unter dem Motto "80er live Cruise" findet vom 23. bis 26. September 2027 überdies eine Kreuzfahrt nach Norwegen mit vielen 80er-Jahre-Stars statt.

Quelle: ntv.de

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