Ihre Hüften lügen nun mal nichtShakira macht Madrid ganz waka waka
Von Volker Probst, Madrid
Über 600.000 Fans hat Shakira mit ihrer Konzertreihe in Madrid bereits in ihren Bann gezogen. Nun bläst sie zum Finale ihrer "Residency" - mit ihrem Hit-Feuerwerk, prominenten Gästen und natürlich auch der Wahrheit in ihren Hüften.
"Residency" nennt sich der neueste heiße Scheiß im Pop-Business. Was in Las Vegas schon lange gang und gäbe ist - Konzertreihen eines Stars an einem festen Ort statt einer Tingeltangel-Tour durch die diversen Städte -, hat seit einiger Zeit auch in Europa Einzug gehalten. Adele schlug ihr Pop-Up-Stadion im August 2024 für zehn Auftritte in München auf. Céline Dion belegt seit Mitte September bis Mai 2027 für über zwei Dutzend Shows die Pariser Plenitude Arena. Und Shakira ist nahezu zeitgleich angetreten, um die spanische Metropole Madrid rund einen Monat lang ganz waka waka zu machen.
Ganz Madrid? Das nun vielleicht nicht. Die spanischen Hauptstädter bewegen schon auch noch ein paar andere Dinge, wenn die Kolumbianerin nun das Finale ihrer "Residency" mit ihrem berühmt-berüchtigten Hüftschwung, ihren zahllosen Hits und prominenten Gästen zelebriert.
Einerseits sind die Madrilenen rund um den spanischen Nationalfeiertag an diesem Montag (12. Oktober) ohnehin in Feierlaune - das Festival "Hispanidad" verwandelt die Stadt schon seit Tagen in eine großräumige Partyzone. Andererseits trübt der Tod der 87-jährigen María del Carmen Abascal nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung heftig die Stimmung. Der berühmte Platz Puerta del Sol im Herzen Madrids hat sich unter einem Meer von Plastikplanen in ein riesiges Protestcamp gegen die Wohnungskrise im Land verwandelt.
Um die Wut und Verzweiflung der Demonstranten zu verstehen und zu sehen, dass Wohnraummangel und Mietenexplosion in diesen Tagen beileibe kein rein deutsches Phänomen sind, reicht schon der kurze Blick in das Schaufenster eines Immobilienmaklers in Madrid. Dort wird etwa eine standardmäßig anmutende 45-Quadratmeter-Wohnung in der Innenstadt für 1750 Euro Miete angeboten - fast 39 Euro für den Quadratmeter. Das ist jetzt wirklich alles andere als waka waka.
Voll ins Schwarze
Shakira muss sich darum nun aber definitiv keine Gedanken machen. Ihre Villa in Barcelona, in der sie einstmals gewohnt hat, hat sie nach ihrem krachenden Liebes-Aus mit Ex-Fußballer Gerard Piqué verkauft. Inzwischen lebt sie in Miami. Wohl überlegt ist hingegen sicher, dass sie sich ausgerechnet das Land ihrer ehemaligen Wahlheimat für ihre "Residency" ausgesucht hat. Nicht nur ihr persönlicher Lebenslauf, sondern auch die gemeinsame Sprache und die Historie, in der Kolumbien über 300 Jahre lang eine spanische Kolonie war, verbinden eben.
Damit müssen auch die Fans zurechtkommen, die aus anderen Teilen Europas zu einer der Shows gepilgert sind, die der Weltstar seit dem 18. September in Madrid absolviert hat. Als die Sängerin am Sonntagabend zu ihrem mittlerweile zwölften Konzertabend in der spanischen Hauptstadt antritt, fühlt sie sich jedenfalls pudelwohl damit, einfach mal so sprechen zu können, wie ihr der Schnabel von klein auf gewachsen ist. Ansagen auf Englisch macht sie kaum. Die Texte, die auf der gigantischen Videoleinwand hinter ihr eingeblendet werden, gibt es ebenfalls nur auf Spanisch. Und auch die Mehrzahl ihrer Songs präsentiert Shakira in ihrer Muttersprache, darunter Hits wie "Suerte", "Loba" und sogar "Waka Waka (esto es África)", die in Gefilden wie Deutschland dann doch eher in ihrer englischen Variante als "Whenever, Wherever", "She Wolf" und "Waka Waka (This Time for Africa)" bekannt sind.
Beim - trotz der internationalen Besucherinnen und Besucher - überwiegend spanischen Publikum trifft sie damit natürlich voll ins Schwarze. Da wird fast jeder Song lautstark mitgegrölt oder textsicher vollendet, wenn Shakira ihren Job am Mikro mal zwischenzeitlich quittiert und stattdessen die Menge dazu animiert, das Lied für sie weiterzusingen. Doch auch wer bei der Show nicht jedes Wort versteht und wegen mangelnder Sprachkenntnisse in seiner Karaoke-Leidenschaft ausgebremst wird, kommt allemal auf seine Kosten.
185.000 Quadratmeter Gelände
Das allein schon deshalb, weil bei weitem nicht nur die Videoleinwand, über die vor, während und nach Shakiras Songs unentwegt extrem aufwendige Animationen flimmern, bei dieser "Residency" gigantisch ist. Die Kolumbianerin hat ihr "Estadio Shakira" getauftes Pop-Up-Stadion inmitten des Veranstaltungsareals "Iberdrola Music" im Süden Madrids errichtet. Allein das Gelände erstreckt sich über eine Fläche von 185.000 Quadratmetern und dient ansonsten unter anderem als Austragungsort für diverse Festivals und andere Großveranstaltungen.
Rund um das "Estadio Shakira" und die eigentliche Show wartet das Areal mit einem nahezu unüberschaubaren Rahmenprogramm auf. Das reicht von einem eigenen Shakira-Museum bis hin zu einer Bibliothek, Vorträgen und Filmvorführungen zur lateinamerikanischen Kultur. Hier singt in einem Pavillon schon am frühen Abend eine Salsa-Sängerin, dort legt in einem anderen Zelt ein DJ auf und da verbreitet eine farbenfrohe Samba-Truppe auf einer Freilichtbühne südamerikanischen Karnevalsflair.
So kann man sich schon den halben Tag bestens amüsiert und informiert, mit Shakira-Merchandise eingedeckt und durch sämtliche Imbiss-Angebote gefuttert haben, ehe der eigentliche Star in diesem ganzen Trubel überhaupt den ersten Ton von sich gegeben hat. Wenn es dann aber um Punkt 21 Uhr so weit ist, wird rasch klar, weshalb Shakira zu den Ausnahmekünstlerinnen auf diesem Planeten gehört, die es bei ihrer "Residency" in Madrid geschafft hat, Abend für Abend mehr als 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in ihr "Estadio" zu locken.
Der Ex erzittert, das Publikum brennt
Mit "La fuerte" ("Die Starke") geht es los. Das stammt aus Shakiras bis dato letztem Studioalbum "Las mujeres ya no lloran" ("Frauen weinen nicht mehr"), nach dem auch ihre aktuelle Welttournee inklusive der Madrid-Konzerte benannt ist und auf dem sie - der Titel lässt es erahnen - ihre gescheiterte Beziehung mit Gerard Piqué verarbeitet hat. Während es dem Ex bei diesen Klängen womöglich eiskalt den Rücken herunterläuft, zündet Shakira das Publikum ihrer Show damit das erste Mal an. Erst recht, da sie sich mit Sonnenbrille, im Glitzeranzug und in Begleitung einer Schar Kids ihren Weg zur Bühne mitten durch die Zuschauermassen bahnt.
Den Glitzeranzug behält sie natürlich nicht lange an. Schon beim zweiten Song reißt sie ihn sich vom Leib, um darunter ein nicht minder funkelndes Minikleid zum Vorschein zu bringen. Die wiederkehrenden Outfit-Wechsel sind selbstredend ebenso unverzichtbarer Teil des Auftritts wie die notorischen Popo-Wackler der Sängerin - im Stehen, im Liegen, am Arm des Background-Tänzers oder an der Stange. Um zu wissen, dass Shakiras Hüften nicht lügen, braucht es ihren Hit "Hips Don't Lie" eigentlich nicht. Dennoch erklingt auch er nach rund der Hälfte der Show - die Stimme ihres einstigen Duettpartners Wyclef Jean kommt dazu allerdings nur von Band.
Dafür hat Shakira an diesem Abend ihren kolumbianischen Kollegen Maluma als Gast auf der Bühne - was bei einigen weiblichen Fans im weiten Rund einen veritablen Kreischalarm auslöst. Zusammen mit ihm performt sie "Chantaje" und das brandneue "Agua". Neben weiteren spanischsprachigen Klassikern wie "La tortura" oder "Soltera", Coversongs wie "Girl Like Me" von den Black Eyed Peas oder "TQG" von ihrer Landsfrau Karol G gibt sie zudem noch mehr Chartstürmer wie "Can't Remember to Forget You" oder ihre jüngste Fußball-Hymne "Dai Dai" zum Besten. Insgesamt umfasst das knapp zweistündige Set rund zwei Dutzend Songs, wobei nicht alle in voller Länge zum Tragen kommen.
Schwer zu toppen
In gewohnter Manier changiert Shakira zwischen Pop und Rock, Salsa und Reggaeton, Schlager und Clubsounds - und ist musikalisch nie so ganz wirklich zu fassen. Dass sie sich als Allround-Talent begreift, untermauert sie auch dann, wenn sie ein ums andere Mal selbst zur Gitarre greift oder sich mal eben einen Moment lang am Schlagzeug ausprobiert. Und auch das Popo-Wackeln will schließlich gelernt sein. Wie gut sie sich zu bewegen weiß und ihren Körper im Griff hat, fällt auch dann noch auf, wenn sie von einem halben Dutzend professioneller Begleittänzerinnen umgeben ist.
Eigentlich sollte das Konzert am Sonntagabend, das mit den pumpenden Beats des Lieds mit dem sperrigen Titel "Bzrp Music Sessions, Vol. 53", Konfettiregen und Feuerwerk zu Ende geht, die Abschlussshow von Shakiras "Residency" in Europa bilden. Doch kurzerhand wurde noch ein weiterer Auftritt am Montag angehängt, sodass sich die Sängerin erst pünktlich am Nationalfeiertag von den Madrilenen und allen zugereisten Fans verabschieden wird. Dann soll noch einmal richtig die Hütte brennen - neben Maluma auch mit Gästen wie Bizarrap, Laura Pausini, Dani Martín und Beéle.
2026 hat Shakira schon so einige Rekorde gebrochen. So ist sie etwa nicht nur die bei Spotify meistgestreamte lateinamerikanische Sängerin aller Zeiten, ihr WM-Song "Dai Dai" ist auch der größte Hit einer Künstlerin in diesem Jahr. Mit ihrer "Residency" in Madrid mit insgesamt schon mehr als 600.000 Besucherinnen und Besuchern hat sie ihrer Karriere nun zweifelsohne noch ein weiteres Highlight hinzugefügt. Und eines, das womöglich nur noch schwer zu toppen ist. Immerhin feiert sie im kommenden Jahr ihren 50. Geburtstag. Aber wer weiß? Zuzutrauen ist ihr, dass sie auch dann (fast) alle noch eine ganze Zeit lang waka waka machen wird.