Musik

George Ezra ist zurück "Wir wissen alles, aber verstehen nichts"

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George Ezra zieht es auf der Suche nach Inspiration für seine Songs in die Ferne.

(Foto: Sony Music)

Seine Musik ist eingängig, macht gute Laune und klingt besonders gut auf Festival-Bühnen. Mit seinem Song "Budapest" etablierte sich George Ezra 2014 gleich zu Karrierebeginn als Ohrwurmgarant. Dass er Kultschauspieler Ian McKellen für ein ziemlich drolliges Musikvideo gewinnen konnte, adelte den Briten in Sachen Coolness. Nun hat der 24-Jährige sein zweites Album "Staying at Tamara's" herausgebracht. Mit n-tv.de spricht er über Inspiration auf Reisen und die völlig falsche Art von Ruhm.

n-tv.de: Für 2018 haben Sie sich vorgenommen, keinen Alkohol zu trinken. Wie läuft das so?

George Ezra: Woher wissen Sie das denn? (lacht) Es ist leichter, als ich dachte. Dabei liebe ich es, zu feiern. Ich verbringe gern Zeit mit meinen Freunden. Trinken macht mir Spaß, aber ich brauche es nicht unbedingt. Ich habe auch so genug Energie! Als ich das letzte Album rausgebracht habe, habe ich schon mal drei Monate lang auf Alkohol verzichtet. Das hat gut funktioniert, also dachte ich, ich mache das wieder. Ein Hintertürchen habe ich mir aber offen gelassen: Mein Geburtstag ist im Juni, also nach einem halben Jahr. Wenn ich bis dahin durchhalte, wäre das schon mal gut.

Sie haben eine recht steile Karriere hingelegt. Trotzdem bezeichnen Sie sich als Underdog des Mainstream. Stimmt das überhaupt noch?

Ich setze mich da in Relation zu anderen Künstlern. Ich kann mich glücklich schätzen, dass mein Name in der Vergangenheit oft zusammen mit Sam Smith und Ed Sheeran genannt wurde. Das sind Megastars! Verglichen mit ihnen bin ich ein Underdog. Und es gefällt mir.

Was ist eine gängige Fehleinschätzung, wenn es um Berühmtheit geht?

Ruhm ist in Ordnung, solange er darauf gründet, dass man etwas tut, was man liebt und was man gut kann. Die Kids heutzutage wollen einfach so berühmt sein - wofür, ist egal. Das gefällt mir nicht. Wenn mich jemand erkennt, dann wegen meiner Musik.

Wie schalten Sie ab, wenn der Trubel um Ihre Person zu viel wird?

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Mütter mögen George Ezra, sagt George Ezra.

(Foto: Sony Music)

Es ist immer gut, Zeit für sich allein zu haben. Ich schalte zum Beispiel abends mein Handy aus, so gegen 20 oder 21 Uhr. Statt Nachrichten zu checken, lese ich dann.

Stimmt es, dass Mütter total auf Sie abfahren?

Darauf weise ich tatsächlich gerne hin. Ich weiß aber nicht, ob das wirklich stimmt.

Haben Sie sich das ausgedacht?

Genau. (lacht) Je mehr Fans desto besser!

Wie findet denn Ihre eigene Mutter Ihre Musik?

Sie behauptet jedenfalls, sie würde ihr gefallen … Wenn nicht, wäre mir das aber auch nicht so wichtig.

Hatten Sie bei der Arbeit an Ihrem zweiten Album das Gefühl, Erwartungen von Fans oder auch denen des Labels gerecht werden zu müssen?

Man muss egoistisch sein, wenn man Musik schreibt. Das hat oberste Priorität! Ich bin schließlich derjenige, der die Songs jeden Abend singen muss. Wenn ich das nicht genießen kann, ist es Mist. Die Leute merken, wenn man keinen Spaß bei einem Auftritt hat.

Die Platte heißt "Staying at Tamara's". Verraten Sie mir doch also bitte, wer diese Tamara ist.

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"Staying at Tamara's" ist das zweite Album von George Ezra.

(Foto: Sony Music)

Es fällt mir schwer, Inspiration zu finden, wenn ich zu Hause bin, wenn ich mich wohlfühle und gleichzeitig vom Alltag abgelenkt bin. Deswegen versuche ich, mich da ab und an rauszunehmen. Für die erste Platte bin ich durch Europa gereist, dieses Mal war ich für einen Monat in Barcelona. Ich habe online jemanden gefunden, der ein Zimmer untervermietet: Tamara. Sie ist eine wunderbare, coole Person. Sie und ihre Freunde sind alles Kreative - Musiker, Künstler und Designer. Tagsüber waren alle beschäftigt, also bin ich allein durch die Stadt gewandert. Ich hatte eine Gitarre dabei und ein Notizbuch, in dem ich meine Beobachtungen aufgeschrieben habe. Aus den Einträgen sind dann die Songs entstanden, allerdings erst nach Ende der Reise. So mache ich das immer.

Sie haben mal gesagt, Sie schreiben Songs, um auszubrechen. Wieso ist Eskapismus so ein wichtiges Thema für Ihre Generation?

Wir bombardieren uns einfach mit viel zu vielen Informationen. Wir wissen alles, aber verstehen nichts - es fehlt Tiefe. Das ist auf Dauer ein unangenehmer Zustand. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nicht schon immer irgendwie so war. Wenn man in seinen 20ern ist, fühlt man sich so. Das gehört einfach zu dem Alter dazu.

Was lernt man, wenn man sich gezielt von allen Einflüssen abschottet?

Es verändert die Art, zu denken. Bevor ich an den neuen Songs gearbeitet habe, habe ich zum Beispiel auch zehn Tage allein in einer Hütte in England verbracht. Keine Menschenseele war da. Strom gab es auch nicht. Es gab nichts als Sommer - und ein kleines Radio, das ich mitgebracht habe. Ich habe Feuer gemacht, gelesen und die ganze Zeit über mit niemandem ein Wort gewechselt.

Man hört in Ihren Songs kein bisschen gequälte Künstlerseele. Verstecken Sie die gut oder sind Sie einfach durchweg optimistisch?

Ich bin nicht nur optimistisch, ich habe absolut nichts, über das ich mich beschweren könnte. Das war schon so, bevor das mit meiner Karriere losging. Ich hatte eine glückliche Kindheit und dann wurde mein Leben nur noch besser und besser!

Mit George Ezra sprach Anna Meinecke.

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Quelle: ntv.de