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Zehn Jahre Lenski-"Polizeiruf" Adieu, Frau Kommissarin!

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Bricht den eben erst begonnenen Resturlaub mit Tochter Alma wegen eines Mordes ab: Kommissarin Lenski (Maria Simon).

(Foto: rbb/Eikon/Oliver Feist)

2011 gehen die Uhren in Brandenburg noch anders: Der gemütliche Dorfpolizist Krause dreht im Beisitzermotorrad seine Runden und schlägt sich dabei mit Gurkenköniginnen herum. Dann kommt Olga Lenski und stellt vieles auf den Kopf - mit gemischten Folgen, wie unser Rückblick zeigt.

Als Olga Lenski (Maria Simon) am 26. Juni 2011 auf ihrem neuen Polizeirevier im brandenburgischen Beelitz eintrifft und Polizeihauptmeister Krause (Horst Krause) ihren Dienstausweis entgegenstreckt, prallen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite der gemütliche Dorfpolizist mit der ewig über dem Bauch spannenden Polizeiuniform und dem fast schon rührenden Faible für Recht und Ordnung nach preußischem Vorbild; auf der anderen Seite eine moderne Ermittlerin im modisch-sportiven Großstadtdress, die hier in der Mittelmark erstmal merkwürdig verloren wirkt. Pünktlich zum 40. Jubiläum will der rbb ein Zeichen setzen: Der "Polizeiruf 110" sollt endgültig aus den Ruinen auferstehen, in denen Lenskis Vorgängerinnen größtenteils noch herumkraxelten, und sich der Zukunft zuwenden.

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Erfährt gerade von Lenskis Kündigung: Raczek (Lucas Gregorowicz).

(Foto: rbb/Eikon/Oliver Feist)

Knapp zehn Jahre nach Lenskis erstem Fall "Die verlorene Tochter" wissen wir: Das hat ziemlich gut geklappt. Zwar war nicht jeder der 18 Fälle, in denen Lenski seitdem ermittelte, eine Offenbarung: "Hexenjagd" im Dezember 2014 zum Beispiel entpuppte sich als furchtbar klischeebeladener Schulkrimi, während 2017 in "Das Beste für mein Kind" die viel gezeigten Kreisverkehre das Schönste am ganzen Film darstellten. Aber Wachstumsschmerzen gehören nun mal zum Älterwerden dazu, und lohnten sich im Fall des brandenburgischen "Polizeirufs" alleine schon für so starke Fälle wie den Politthriller "Tod einer Journalistin".

Der lief 2019 über die längst nicht mehr matten Scheiben und markierte so etwas wie den Höhepunkt der Entwicklung des brandenburgischen "Polizeirufs" unter Lenskis Ermittlerägide in den 2010er Jahren: Während die Themen zunächst teilweise noch recht bieder daherkamen, trauten sich die Macher später an Schwergewichte wie den Atomausstieg und die dunklen Seiten der Energiewende heran. "Wir haben gemeinsam mit der Redaktion eine coole, weitsichtige, smarte, weibliche Kommissarin erschaffen und dafür bin ich sehr dankbar und auch stolz. Ich habe das Gefühl mit Olga auch etwas Sinnvolles für die Zuschauer gepflanzt zu haben", sagt Schauspielerin Maria Simon im Rückblick.

Joints beim Autofahren

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Mit Krause an ihrer Seite, so sympathisch der gemütliche Dicke auch gewesen sein mag, wäre das in dem Ausmaß wohl allerdings nicht möglich gewesen. Und so orientierte sich Lenski nach Krauses Pensionierung 2015 noch weiter nach Osten: Ihr Weg führte zum ersten deutsch-polnischen Grenzkommissariat, wo ihr der zweisprachige Kollege Raczek (Lucas Gregorowicz) zur Seite gestellt wurde. Es dauerte eine Weile, bis die toughe alleinerziehende Mutter mit dem motorradfahrenden Grenz-James-Bond warm wurde, dann aber entspann sich zeitweise ein durchaus inniges Kollegenverhältnis zwischen den beiden - sogar einen Joint teilten sie sich nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ermittlung irgendwann, und das auch noch beim Autofahren.

Zeitweise deswegen, weil es bei Lenskis (und Raczeks) Charakterentwicklung immer wieder merkwürdige Unstimmigkeiten gab: Die Beziehung zu ihrer Tochter Alma wirkte häufig wie ein Fremdkörper inmitten der Ermittlungen. Und warum Lenski ihrem Partner Raczek in der finalen Episode "Monstermutter" trotz zwischenzeitlicher Annäherung dann doch bis zum letzten Moment die Kündigung verschweigt, kann einem auch keiner erklären. Denn die, die es könnte, verschwindet nun (Wiederholungen selbstredend ausgenommen) für immer vom Bildschirm: Adieu, Frau Kommissarin!

Quelle: ntv.de

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