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Der "Tatort" im Schnellcheck Der doppelte Murot

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Ermittelt in seinem eigenen Mordfall: Murot (Ulrich Tukur).

(Foto: HR/Bettina Müller)

"Gefickt" gehört normalerweise nicht zum Vokabular des feingeistigen Kommissars Murot. Wohl aber zu dem seines goldkettchentragenden Doppelgängers, dem er rein zufällig in den Ferien begegnet - und der am nächsten Morgen tot ist.

Was passiert?

Kommissar Murot (Ulrich Tukur) hat sich seine Ferien redlich verdient: Endlich mal ausspannen, ganz ohne Morde und fernab des Alltags. Weit muss er dafür nicht fahren, der Taunus genügt ihm schon. Nur die Schweinshaxe, die ihm von der Bedienung mit den Worten "Wie immer" auf den Tisch geknallt wird, die entspricht so gar nicht seiner Vorstellung von Urlaub - und war eigentlich für einen Mann ein paar Tische weiter gedacht, der dem verdutzten Kommissar wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Das ungleiche Paar begießt den unmöglichen Zufall kräftig, irgendwann endet der Abend für Murot auf der Hollywoodschaukel seines Doppelgängers, einem goldkettchentragenden Gebrauchtwagenhändler.

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Murot droht, seiner Hauptverdächtigen zu verfallen.

(Foto: HR/Bettina Müller)

Der ist am nächsten Morgen tot, überfahren auf einer Landstraße unweit des Hauses. Murot glaubt nicht an Zufall, schließlich hat ihm sein Doppelgänger beim volltrunkenen Saunagang am Abend zuvor noch von den angeblichen Mordplänen seiner Frau erzählt. Dass die bei Murots Anblick tatsächlich dreinblickt, als hätte sie ein Gespenst gesehen, macht die Sache auch nicht besser. Um den Mordverdacht zu erhärten, schlüpft Murot in die Rolle seines Doppelgängers - und droht, der Frau und den angenehmen Seiten seines neuen Lebens zu verfallen.

Worum geht es wirklich?

"Die Ferien des Monsieur Murot" ist wie jeder der Tukur-"Tatorte" eine Hommage an berühmte Filmklassiker. Diesmal ziehen die Macher vor dem französischen Kultregisseur Jacques Tati und dessen Meisterwerk "Die Ferien des Monsieur Hulot" ihre Hüte - und verknüpfen das Ganze inhaltlich mit Kästners Geschichte "Das doppelte Lottchen".

Wegzapp-Moment?

Gibt es eigentlich nicht. Obwohl manchen wahrscheinlich die (wenigen) Traumsequenzen aufstoßen werden, in denen Murot mit seinem verstorbenen Doppelgänger konfrontiert wird.

Wow-Faktor?

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"Und wenn der andere dann Vertrauen gefasst hat, dann wird er gefickt!" Wenn Tukur gleichzeitig seinen feingeistigen Kommissar und den windigen Gebrauchtwagenhändler spielt, merkt man erst mal, wie gut dieser Schauspieler wirklich ist.

Wie ist es?

9 von 10 Punkten. "Die Ferien des Monsieur Murot" ist ein starkes Beispiel dafür, wie man auf dem feinen Grat zwischen Kunst und Konsumierbarkeit wandeln kann, ohne dabei die verschiedenen Zuschauergruppen zu verprellen.

Quelle: ntv.de