"Die Höhle der Löwen"Erst die Liebe, dann das Geschäft

Gibt es Wichtigeres als den großen Deal? In der Löwenhöhle drängt die größte Kraft des Lebens ins Rampenlicht. Außerdem: Ein Fashion-Paar auf der Überholspur und Andreas Herb im Pizza-Dip-Fieber.
Susan Schmidt und Simon Werner sind ein Liebespaar aus dem Bilderbuch. Die beiden Borsdorfer Gründer sind schon seit über 30 Jahren zusammen und schweben immer noch auf Wolke sieben. Mit ihrem Start-up wollen sie ihr Lebensglück perfekt machen. "Ajambow", so der Name ihres selbst entwickelten Sport- und Therapiebogens, soll unter Rückenschmerzen leidenden Menschen während der Therapie dabei helfen, "zurück in die Bewegung zu finden". Die beiden Gründer sind ganz aufgeregt und halten während ihres Auftritts immer wieder Händchen.
"Rhythmus rein, Rückenschmerzen raus!", so die Marschroute des sympathischen Zweiers, der sich aber im Pitch-Verlauf zunehmend unangenehmen Fragen stellen muss. Warum hat man sich vorbereitend nur "ungefähr sieben" "Die Höhle der Löwen"-Pitches im TV angesehen? Warum hat man in zwei Jahren nur knapp 100.000 Euro Umsatz gemacht? Und wie kommt man auf eine Firmenbewertung in Höhe von drei Millionen Euro? Susan Schmidt und Simon Werner haben nicht für alles die passende Antwort. Frank Thelen ist sauer: "Ihr habt eure Hausaufgaben nicht gemacht, wirtschaftlich ist das katastrophal!", poltert der Tech-Guru.
"Susan, willst du meine Frau werden?"
Auch die anderen Löwen winken irgendwann ab. Aus dem erhofften Deal wird nichts. Das hält Simon Werner aber nicht davon ab, seinem Herzen zu folgen und nach 33 glücklichen Beziehungsjahren vor den Augen der sichtlich gerührten Investoren auf die Knie zu gehen. "Susan, willst du meine Frau werden?", fragt Simon. "Ja, natürlich!", antwortet die Gründerin mit feuchten Augen. Was für ein Abschluss. "Die Höhle der Löwen" erlebt ihren ersten Heiratsantrag. Da sind all die unternehmerischen Baustellen auf einmal nebensächlich. In diesem Augenblick zählt nur die Liebe. Das sieht auch Carsten Maschmeyer so: "Das ist der wesentlich bessere Deal!", jubelt der Löwe den beiden sich in den Armen liegenden Liebenden zu.
Die rosaroten "Ajambow"-Vibes sind noch nicht ganz verflogen, da steht bereits das nächste Liebespaar vor den Löwen. Diesmal überzeugt der Pitch aber auch auf der unternehmerischen Ebene. Verantwortlich dafür sind Mike Leon Lichtenberg und Charlotte Lieben aus Kleinmachnow. Die beiden "Cropsta"-Gründer sind seit vier Jahren unzertrennlich und ziehen auch beruflich an einem Strang. Ihr mitgebrachtes Fashion-Accessoire ist simpel, aber praktisch: Ein gürtelähnliches Band bringt Pullover, Shirts und Kleider in die richtige Form. "Ihr seid einfach cool!", lobt Judith Williams.
Dank ihrer Social-Media-Präsenz stehen die Gründer auch im Bereich Marketing gut da. Nun fehlt nur noch ein Löwe für den richtigen Schub. Während die Investoren interessiert tuscheln, fließen bei der aufgewühlten Gründerin die Tränen. "Ich musste schon während der Proben dauernd weinen", erklärt sich Charlotte. Schnell ist man wieder zurück in der Spur. Die Löwen haben sich beraten und präsentieren ihre Angebote. Judith und Johannes locken mit doppelter Investoren-Power. Ralf Dümmel hält "mit Herz" und Leidenschaft dagegen. Am Ende zieht der Kopf den Kürzeren. Das Herz siegt. Und Ralf Dümmel springt mal wieder jubelnd aus seinem Sessel.
Kosmetische Korrektur nach Hyaluronbehandlung
Ähnlich erfolgreich verläuft der Abend für die beiden "Hottey"-Gründer Maximilian Voigt und Julian Herrlich aus Dresden. Mit ihrer scharfen Honigsoße können die "Battle"-Sieger vor allem Getränke-Pabst Andreas Herb begeistern. Nach getaner Pitch-Arbeit steht der Deal. Der Löwe pumpt 60.000 Euro ins Unternehmen und erhält dafür im Gegenzug 17,5 Prozent der Firmenanteile. Bei den drei "FoodFor"-Gründern Dr. Teresa Cramer, Franziska Kuenburg und Raphael Thurn und Taxis ist es Carsten Maschmeyer, der am Ende mit beiden Daumen nach oben zeigt. Mit ihren Gesundheits-Shots, die auf verschiedene Alltagssituationen ausgerichtet sind treffen sie bei dem Großunternehmer voll ins Schwarze. Nachdem man sich auf eine strukturelle Anpassung des Firmenfundaments geeinigt hat, reicht man sich die Hände und macht den dritten Deal des Abends perfekt.
Ein vierter Abschluss bleibt aus. Gerne hätten auch Ines Frey und Leonie Steinhauer aus München einen Löwen für sich gewonnen. Aber mit ihrer noch nicht studienerprobten Korrektur-Creme zur häuslichen Behandlung nach fehlgeschlagenen Hyaluron-Experimenten, beißt das Mutter-Tochter-Gespann bei den Löwen, insbesondere Judith Williams und Dagmar Wöhrl, auf Granit. Einzig Janna Ensthaler, die zugibt, dass sie selbst auch regelmäßig zur Lippenformoptimierung "greift", stellt sich hinter die Gründer. Irgendwann sieht die Investorin aber ein, dass sich das "HyEx"-Frage-Antwort-Verhältnis im Hier und Jetzt noch nicht ganz ausbalanciert präsentiert. So bleibt der erhoffte Deal aus. Mutter und Tochter wollen aber nicht aufgeben: "Wir sind zwar traurig, aber wir nehmen die Erfahrung gerne mit", so Gründerin Ines Frey.
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