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"Bad Banks" in Grün Geld oder Gewissen?

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Alles zieht die Serie hinab in ihren Strudel - Charaktere, Zuschauer, die Hoffnung auf ein Happy End.

(Foto: ZDF / Christian Lüdeke)

Diesen Anzugträgern ist nicht zu trauen. In der zweiten Staffel "Bad Banks" überbieten Jana und ihre Kollegen noch einmal sämtliche fiesen Klischees übers Banking-Geschäft. Mit angespitzten Ellbogen geht es für die Frankfurter nach Berlin.

"Männern wachsen Titten, wenn sie Soja fressen", ätzt Adam. Und trotzdem geht auch er mit, als sein Team geschlossen von Frankfurt nach Berlin zieht, um dort innerhalb eines grünen Finanz-Startups das unmögliche Kunststück zu vollziehen: den Kopf aus der Schlinge ziehen. Das klassische Banking-Geschäft hat ein Image-Problem. Wer Großbank sagt, denkt Finanzkrise, und deswegen schauen lieber alle in die Hauptstadt, wo in Inkubatoren FinTech-Startups aus dem Boden sprießen. Der heißeste Scheiß? Grüne Finanzinnovationen. Wer überleben will, muss da jetzt mitmachen. Daher die Sache mit der Soja.

Die erste Staffel "Bad Banks" hat drei junge Banker ganz weit aufsteigen lassen. Jana Liekam (Paula Beer), Thao Hoang (Mai Duong Kieu) und Adam Pohl (Albrecht Schuch) haben mit dem Feuer gespielt und sich auch ordentlich daran verbrannt, aber sie sind noch im Rennen. Es gibt sie noch, vielleicht werden sie sich rächen oder wenigstens die eigene Haut retten. Zu Beginn der zweiten Staffel jedenfalls sitzt Janas alter Chef Gabriel Fenger (Barry Atsma) im Knast, und auch die Chefin der Konkurrenz Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) scheint in der Branche an Rückhalt verloren zu haben. Kurz: Die Karten werden neu gemischt.

Legalität ist kein Maßstab mehr

Bewegliche Strukturen einer Finanzwelt nach der Krise bieten Chancen, aber auf einmal dürfen eben auch Tunnel-gepiercte Programmierer mit am Tisch sitzen. Der Kontrast zwischen Berliner Imbissbuden und Frankfurter Schickmick-Restaurants funktioniert erstaunlicherweise, ohne allzu banale Fronten von Lokalpatriotismus heraufzubeschwören. Das muss man "Bad Banks" lassen. Die Serie sieht weiterhin bombastisch aus. Mit coolen Bildern und brillantem Cast entfacht auch Staffel zwei ihre rauschhafte Wirkung binnen weniger Minuten. Und der Trip wird düster.

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Alles zieht die Serie hinab in ihren Strudel - Charaktere, Zuschauer, die Hoffnung auf ein Happy End. Zwischen der kühlen Gelassenheit, mit der sich die Figuren im Alltag zu profilieren glauben, bricht immer wieder schiere Panik durch. Dann haben sie Angst in den Augen. Weil Legalität längst kein Maßstab mehr ist für einen gelungenen Coup. Vom Bildschirm übertragen sich all die Emotionen, die in der heimischen Couch-Gemütlichkeit alles andere als angelegt sind: Stress, aber eben auch irre Ekstase.

Es ist nicht so, als hätten die Protagonisten nichts mehr zu verlieren. Aber sie können definitiv nicht mehr zurück. So geht es denn immer weiter vorwärts. So ein bisschen Insiderhandel scheint bald das geringste Problem. Es sollte abstoßend sein, dieser wohlfrisierten Hochleistungselite bei ihren Machtspielchen zuzusehen. Doch ihre enorme Fallhöhe hat Sex-Appeal.

Rücksichtslosigkeit und Statussymbole

Geld oder Gewissen? "Bad Banks" stellt keine neuen Fragen, nur sind die Antworten besser. Auf sanftes Angebandel in der "Relaxing Area" irgendwelcher Hip-Unternehmen könnten die Zuschauer auch verzichten. Wirklich aufregend ist, wie Nosbusch als Leblanc ihre unwillige Komplizin mit Gourmet-Küche zwangsfüttert oder einem vielversprechenden Kontakt zum Abschied in der Tiefgarage dominant den Mantelkragen richtet. "Bad Banks" ist böse und zwar mit einer so slicken Fiesheit, dass alles, wogegen man sonst im Leben oder auch auf der Straße politisch eintritt, auf einmal irgendwie geil ist. Machtdemonstrationen, Rücksichtslosigkeit, Statussymbole. Herrje.

Einen netten Nebeneffekt hat das Ganze dann allerdings doch: Man fragt sich, was man eigentlich so mit dem eigenen Geld anstellt. Denn wie die Jungunternehmer in der Serie schon sagen: Da kommt nicht viel mit Rente, Zinsen können wir knicken und für Immobilienkäufe fehlt das nötige Eigenkapital. So initiiert der Serien-Marathon geschickt ein unbequemes, aber eben auch wichtiges Nachdenken über die eigene Ohnmacht vor dem viel zu großen Übel und die Stärke, die man endlich mal aufbringen könnte, sich dem wenigstens im Kleinen entgegenzustellen.

"Bad Banks" ist ab sofort in den Mediatheken von Arte und ZDF abrufbar. Außerdem wird die Serie ab dem 6. Februar auf Arte und ab dem 8. Februar im ZDF ausgestrahlt.

Quelle: ntv.de