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Letzter "Tatort" aus Bremen Lürsens blutige Abschiedsparty

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Nehmen Abschied: Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen)

(Foto: Radio Bremen)

Leicht bieder und ziemlich tüdelig trat Sabine Postel 1997 auf die "Tatort"-Bühne. In den vergangenen 22 Jahren ist viel passiert, nun ist es für Stedefreund und Lürsen Zeit zu gehen, mit einem großen Knall und einem noch größeren Twist.

Wenige "Tatorte" will man schon nach einer Minute ausschalten, der letzte Fall der Bremer Kommissare gehört dazu: Stedefreund und Lürsen springen zusammen aus einem Flugzeug und die in die Jahre gekommene Kommissarin kreischt dabei so nervenzerreißend, als hätten die beiden den Fallschirm vergessen. Haben sie aber nicht und das Gekreische hört irgendwann auf. Wer bis hierhin durchgehalten hat, kann sich glücklich schätzen: Der Rest von Lürsens 39. Fall kommt so spektakulär daher, wie man es von einer Abschiedsfolge erwartet.

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Ein gemeinsamer Fallschirmsprung läutet den Abschied der Bremer Kommissare ein.

(Foto: Radio Bremen)

Seit 1997 steht Sabine Postel für den Bremer "Tatort" vor der Kamera, seit 2001 ist ihr Kollege Oliver Mommsen mit an Bord - doch erst in den vergangenen Jahren schafften es die Bremer Ermittler, ihr leicht biederes Image abzulegen: Sabine Postel formte mit ihrer etwas tüdeligen Art einen spannenden Kontrapunkt zu den Fällen, die immer düsterer wurden. Das große Finale bildet da keine Ausnahme, es geht um heroinabhängige BKA-Beamte mit finsteren Plänen, verdeckte Ermittler mit Gewissenskonflikten, Stedefreunds düstere Vergangenheit und die Geldwäscheaktivitäten einer osteuropäischen Gangsterfamilie.

"Das ist Tareth. Er hat mit den Bullen geredet. Arme und Beine hab ich schon entsorgt, kannst du dich um den Rest kümmern?", bittet der Boss des reizenden Familienclans seinen Schwiegersohn um Hilfe, als er mal wieder in Bremen ist, um bei der Immobilienfirma seiner Schwester Geld zu waschen. Dass der Schwerstkriminelle bei Weitem nicht die dunkelste Figur in diesem Krimi ist, zeigt, wie groß das Fass ist, das Radio Bremen beim letzten Auftritt seines Ermittlerteam aufmachen will.

Drogen-Connaisseure und ein großer Twist

Das ist Fluch und Segen zugleich. Einige der Charaktere in "Wo ist nur mein Schatz geblieben?" sind in ihrer Boshaftigkeit derart überzeichnet, dass sie bisweilen wie Karikaturen ihrer selbst wirken - allen voran BKA-Ermittler und Drogen-Connaisseur Kempf. Dass die Figur von Philipp Hochmair gespielt wird, ist dabei Glück im Unglück: Der erstklassige Schauspieler rettet die Rolle mit seinem eigenen Charme. Von Erstklassigkeit kann man im Fall von Violetta Schurawlow dagegen nicht sprechen, ganz im Gegenteil: Schlechter hätte man die Figur der Immobilienmaklerin mit Mafiafamilie im Hintergrund nicht besetzen können.

Aber geschenkt, die Eskalationsspirale dreht sich irgendwann dermaßen schnell, dass solche Feinheiten in den Hintergrund rücken. 22 Jahre nach ihrem ersten Fall endet Lürsens Ermittlerkarriere in Bremen mit einem großen Knall und einem noch größeren Twist - ein angemessener Abschied.

Quelle: n-tv.de

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