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Freitag, 26. November 2010

Offensive gegen Drogenbanden: "Krieg" in Rio

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Etwa 900 Elendsviertel umgeben Rio des Janeiro, die Millionenmetropole am Zuckerhut. (Foto: REUTERS)

Etwa 900 Elendsviertel umgeben Rio des Janeiro, die Millionenmetropole am Zuckerhut.

Etwa 900 Elendsviertel umgeben Rio des Janeiro, die Millionenmetropole am Zuckerhut.

In ihnen leben mehr als zwei Millionen Menschen.

In den meisten der Favelas regieren brutale Drogenbanden.

Sie sind derart mächtig und gefährlich, dass die ohnehin schon militärisch ausgerüstete Polizei nun erstmals Panzer und Soldaten zur Hilfe rufen musste.

Ziel des "Krieges von Rio" ist es, die Kontrolle über große Teile der Stadt zurückzugewinnen.

Nicht auszudenken, wenn die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele zwei Jahre später von Häuserkämpfen und dem Geknatter automatischer Waffen begleitet werden sollten.

Die Drogenbanden gaben zuvor schon mal eine Kostprobe, wozu sie fähig sind. Sie blockierten wichtige Straßen und überfielen dann Autos, die im Stau steckten.

Mindestens 70 Busse und andere Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt.

Die Drogenbanden haben offensichtlich keine Probleme, immer wieder junge Männer aus den Armenvierteln zu werben.

Eine Waffe tragen zu dürfen, Geld zu haben und wenn nicht geachtet, dann zumindest gefürchtet zu sein, ist diesen Kindern der Hoffnungslosigkeit so viel wert, dass sie die Lebenserwartung von nur etwa 25 Jahren für Gangmitglieder in Kauf nehmen.

Der Motor für die organisierte Kriminalität ist ähnlich wie in Kolumbien und Mexiko der Drogenhandel.

Die Illegalität des Konsums verschafft den Dealern horrende Gewinne, mit denen sie Polizisten und Politiker bestechen können.

Und die Konsumenten sind nicht die Hungerleider der Favelas, sondern vor allem die schnell wachsende Mittel- und Oberschicht.

Die Hauptleidtragenden der Kämpfe zwischen Kriminalität und Staat sind indes wie immer die Bewohner der Slums.

Verängstigt verkriechen sie sich in ihre Häuschen aus unverputzten Ziegelsteinen.

Und selbst dort sind sie nicht sicher: Eine 14-Jährige wurde am heimischen Computer von einer verirrten Polizeikugel tödlich getroffen.

Die Schulen sind geschlossen, Krankenhauspersonal muss im Spital übernachten.

Bei der Olympiaentscheidung in Kopenhagen im vergangenen Jahr garantierte Präsident Lula da Silva 2016 "sichere Spiele".

Wenn den Polizisten und dem Militär aber nicht Programme für die Schaffung von Arbeitsplätzen, Bildungsangebote und Gesundheitsdienste folgen, dann wird auch dieser "Krieg" in den Favelas wieder so ausgehen, wie so viele zuvor.

Die Drogenbanden werden aus einem Slum in den nächsten vertrieben, wie auf Live-Bildern des brasilianischen Fernsehens zu sehen war, mit ihren Waffen.

"Wir haben einen wichtigen Schritt unternommen, aber es ist noch nichts gewonnen", sagt Sicherheitschef José Beltrame.

Das Verteidigungsministerium kündigte an, das Militär werde 800 Soldaten, zwei Helikopter und zehn Panzer zu Verstärkung der Polizei entsenden.

Ob die Polizei in den kommenden Tagen weitere Armenviertel in der Stadt angreifen wird, ist noch unklar.

Mehrere inhaftierte Drogenbosse, die die Gewalt angeordnet haben sollen, wurden inzwischen in Hochsicherheitsgefängnisse tausende Kilometer von Rio entfernt verlegt.

Doch noch ist der Krieg von Rio nicht gewonnen.

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