Panorama

Mordkommission ermittelt 20-jähriger Flüchtling in Dresden erstochen

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Weiße Tulpen liegen an der Stelle, wo der 20-Jährige seinen schweren Verletzungen erlag.

(Foto: picture alliance / dpa)

In einer Dresdner Plattenbausiedlung wird am Montagabend ein Asylbewerber aus Eritrea erstochen. Die Ermittler halten einen fremdenfeindlichen Hintergrund für möglich. Zunächst war ein Gewaltverbrechen ausgeschlossen worden.

Nach dem gewaltsamen Tod eines Asylbewerber in Dresden ermittelt die Behörden wegen Totschlags. Der 20-Jährige war am Vortag tot aufgefunden worden. Die Obduktion habe ergeben, dass der Mann an mehreren Messerstichen in Hals und Brust starb, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase. Täter, Hintergründe und Umstände des Geschehens sind noch unbekannt. Auch die Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund halten die Ermittler für möglich, sagte Polizeisprecher Marko Laske.

Die Mordkommission wurde personell aufgestockt und konzentriert sich auf die Befragung der Mitbewohner des aus Eritrea stammenden Mannes. Einen Unfall oder Selbstmord hatten die Ermittler erst am heutigen Mittwoch ausgeschlossen. "Unsere Ermittlungsrichtung ist ein Tötungsdelikt", sagte Polizeipräsident Dieter Kroll. Die Behörden hatten zunächst mitgeteilt, dass es für Fremdeinwirkung keine Anhaltspunkte gebe.

Der 20-jährige Eritreer Khalid I. habe seine Wohnung in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gegen 20.00 Uhr zum Einkaufen verlassen, berichteten seine Mitbewohner in lokalen Medien. Er sei nicht heimgekehrt und am Dienstagmorgen von Anwohnern in einer Blutlache im Hof der Plattenbausiedlung gefunden worden, heißt es in mehrere Medien übereinstimmend. Demnach habe Khalid I. schwere Verletzungen an Hals und Schultern gehabt.

Landespolitik warnt vor Spekulationen

Vor dem Albertinum, wo Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zum Neujahrsempfang geladen hatte, demonstrierten am Nachmittag gut 100 Menschen. Darunter waren mehrere Afrikaner. Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) bot ihnen ein Gespräch an. "Ich möchte, dass Sie wieder angstfrei in Sachsen leben können."

Aus dem Landtag kamen Forderungen nach umfassender Aufklärung des Falls. Dabei müsse auch ein mögliches rassistisches Motiv geprüft werden, sagte die Abgeordnete Juliane Nagel (Linke). Albrecht Pallas (SPD) mahnte zur Besonnenheit: "Spekulationen - in welche Richtung auch immer - helfen nicht weiter." Valentin Lippmann (Grüne) warnte "in der aufgeheizten Atmosphäre" vor Vorverurteilungen: "Ergebnisse der Ermittlungen müssen abgewartet werden."

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa