Panorama
Montag, 14. November 2011

Boxerin El-Halabi niedergeschossen: Adoptivvater muss in Haft

Er stürmt in die Kabine seiner Adoptivtochter, einer Profi-Boxerin, und schießt ihr in Hand und Bein. Nun wird Hicham El-Halabi zu sechs Jahren verurteilt. Auch wenn es keine Tötungsabsicht gegeben habe, seien die Schüsse "gezielt" abgefeuert worden, urteilt das Gericht.

Er wollte die Karriere seiner Tochter zerstören und schoss der Boxerin vier Mal in Hand und Bein. Nun verurteilte das Berliner Landgericht den Adoptivvater der Ulmer Boxerin Rola El-Halabi zu sechs Jahren Gefängnis. Das Gericht sprach den 44-Jährigen unter anderem der gefährlichen Körperverletzung für schuldig.

Die Boxerin leidet noch heute unter den Schusswunden.
Die Boxerin leidet noch heute unter den Schusswunden.(Foto: dpa)

Der Adoptivvater Hicham "Roy" El-Halabi war am 1. April dieses Jahres Boxerin übersteht Not-OP . Außerdem hatte er zwei Wachleute vor Rola El-Halabis Kabine angeschossen und mehrere Monate zuvor, den Freund der jungen Frau schwer verprügelt.

Nach Ansicht des Gerichts schoss der Angeklagte "gezielt" auf seine Tochter. Eine Tötungsabsicht unterstellte das Gericht El-Halabi aber nicht. Richter Thomas Groß sagte: "Es handelt sich nicht um einen schwer kriminellen Täter, sondern um einen massiven Beziehungskonflikt." El-Halabi sei "narzisstisch" und "selbstbezogen".

Gegen ein "selbstbestimmtes Leben"

Hintergrund der Tat war laut Gericht, dass die heute 26-jährige Rola El-Halabi sich im Januar dieses Jahres von ihrem Adoptivvater als Manager getrennt hatte. Dieser hatte ihre Karriere bis dahin eng begleitet. Außerdem soll El-Halabi gegen die Beziehung seiner Adoptivtochter zu ihrem Freund gewesen sein. Der Richter sagte, das "egozentrische Ehrgefühl" des Angeklagten habe nicht zugelassen, dass seine Tochter ein "selbstbestimmtes Leben" führen wollte.

Der Richter nannte El-Halabi "narzisstisch" und "selbstbezogen".
Der Richter nannte El-Halabi "narzisstisch" und "selbstbezogen".(Foto: dpa)

El-Halabi hatte die Karriere der zweifachen Profi-Weltmeisterin aufgebaut und sie von Kindheit an betreut. "Das ging so lange gut, wie der Sport alles war für Ihre Tochter", sagte der Richter an die Adresse des Angeklagten gerichtet. Nachdem die Tochter begonnen hatte, sich zu wehren, kam es in der Familie zu Streit und schließlich zum Zerwürfnis. Die Boxerin trennte sich von ihrem Adoptivvater als Manager und versuchte, ihre Karriere selbst zu steuern - bis der Vater dem mit seinem brutalen Anschlag ein Ende setzte.

Rola El-Halabi leidet weiter unter den Folgen ihrer Verletzung. Der Heilungsprozess habe "enorme Fortschritte" gemacht, sagte ihr Anwalt Manfred Gnjidic, doch sei es nicht sicher, dass sie irgendwann wieder boxen könne. Richter Groß betonte den seelischen Schaden, den der Anschlag möglicherweisebei Rola El-Halabi angerichtet haben könnte. Gnjidic sagte, seine Mandantin werde zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob sie Rechtsmittel einlegt. Roy El-Halabis Anwalt Frank Theumer ging davon aus, dass der Angeklagte das Urteil annehmen werde.

Quelle: n-tv.de