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Den richtigen Partner zu finden, ist nicht immer einfach.
Den richtigen Partner zu finden, ist nicht immer einfach.(Foto: Reuters)
Freitag, 14. Februar 2014

Last-Minute-Date am Valentinstag: Apps machen schnelle Liebe möglich

Von Anna Meinecke

Schnell, bequem und kostenlos - so entspannt wollen Apps einsame Herzen zusammenbringen. Wer den Tag der Liebe nicht mit einer Packung Eis vor dem Fernseher verbringen mag, testet die Kuppel-Portale. Doch wie effizient darf Liebe sein?

Im Olympischen Dorf erleben die Sportler offensichtlich das Klassenfahrt-Feeling 2.0. Wird nicht trainiert, vergnügt man sich beim digitalen Speed-Dating. Die App Tinder macht’s möglich. Das verriet jedenfalls Goldmedaillengewinnerin Jamie Anderson "US Weekly". "Hier sind ein paar echt süße Typen online", sagte die 23-jährige Slopestylerin. Das Tinder-Prinzip ist simpel und bedient sich der wesentlichen Bar-Kriterien des Kennenlernens: Optik und Verfügbarkeit. Ein Profil zeigt Fotos, Vorname, Alter und - ganz wichtig - wie weit eine Person vom Nutzer entfernt ist. Die Daten greift die App bei Facebook ab. Nur wer unter anderem sein öffentliches Profil, Freundesliste und "Gefällt mir"-Angaben freigibt, kann die App nutzen.

Im ausgewählten Umkreis schlägt Tinder dem Nutzer Personen vor. Flirten funktioniert hier mit der Aschenputtel-Strategie: ein Wisch nach rechts - die guten ins Töpfchen, ein Wisch nach links - die schlechten ins Kröpfchen. Die App verzichtet auf komplexe Algorithmen, das ist ein bisschen oberflächlich, aber eben auch bequem. Statt sich wie bei gängigen Verkupplungsdiensten 15 Minuten lang durch die zumeist beschönigte Lebensgeschichte eines einzigen potenziellen Kandidaten zu graben, dürfen pro Minute gerne 15 potenzielle Liebeleien angetestet werden.

Tinder greift nicht nur die Fastfood-Mentalität des digitalen Zeitalters so erfolgreich auf wie kein anderes Partnerportal, die App streichelt auch das Ego der Liebessuchenden: Nur bei gegenseitigem Rechts-Wisch wird der Kontakt zwischen zwei Nutzern hergestellt. Was soll man sich auch mit der aktuellen Playlist von einem Mann mit Zwirbelschnäuzer auseinandersetzen, sofern einem solche nicht im positivsten Sinne das Hirn vernebeln? Dann doch lieber die Frau im Bikini - dass die ihre Abende mit Reality-TV-Formaten füllt, kann man dann später immer noch verzeihen. Der Chat ist eröffnet, Suchtfaktor garantiert.

Umkämpfter Markt

Dates gegen Daten - das Geschäft mit dem Bauchkribbeln ist auch in Smartphone-Dimensionen heiß umkämpft. Wem das "wisch und weg" auf Tinder stinkt, der hat vielleicht bereits Lovoo oder OkCupid installiert. Während Portale wie eDarling oder ElitePartner mit ihrem Loser-Image zu kämpfen haben, ist es längst akzeptiert, wenn die beste Freundin mal kurz nicht zuhört, weil sie gerade mit Philip-Traumkörper chattet. Alles ist erlaubt - solange das staubige Wort Singlebörse nicht fällt.

OkCupid kommt wie Tinder aus den USA. Vor dem ersten Kontakt darf man sich verwirklichen. Die App setzt aufs Fragebogenprinzip. Was ist schlimmer: Kinder, die verhungern, oder Tiere, die missbraucht werden? Aus dem riesigen Datenpool fischt die OkCupid die Flirt-Vorschläge - nach mathematischem Croudsourcing-Verfahren, weil Kuppeln in diesem Jahrtausend ohne paartherapeutische Analyse und Küchenpsychologie auskommen soll. Hier wohnt dem Anfang kein Zauber inne. Fragen wie "Warum schreibt sie mir nicht?", beantwortet nicht mehr der beste Kumpel, sondern die harten Fakten.

Es ist eben auch viel einfacher, einer Datenbank zu verraten, dass man in den letzten 13 Monaten außer gelegentlichem Treppensteigen keinen Sport gemacht hat. Wer ehrlich antwortet, spart sich womöglich Enttäuschungen. Wichtiges Feature bei OkCupid: Man muss sich festlegen, welche Form der Beziehung man sucht - Freundschaft, "Was für länger" oder schnellen Sex? Man könnte sich wohl auch am Tresen mit dem Gesuch für ein One-Night-Stand vorstellen, aber es ist so viel einfacher per App die Finger von der Frau mit dem Baby-Strampler-Fetisch zu lassen.

Frauchen mit Hund

Oberflächlich? Die App Twine sagt der Selfie-Flut den Kampf an. Hier geht es nur um die inneren Werte - erst einmal. Nach dem Pinterest-Erfolgskonzept stellen die Nutzer Collagen aus Bildern zusammen, die ihre Interessen repräsentieren, ein sogenanntes "Canvas". Gekuppelt wird dann wie bei Tinder: Gefallen zwei Nutzern die Bildkompositionen des jeweils anderen, dürfen sie chatten. Erst dann wird auch das Profilbild sichtbar. Twine ist die wohl heißeste Alternative für Charakterästheten.

Wer lieber noch spezifischer sucht, hat dann hoffentlich einen Hund. Tatsache, für Herrchen und Frauchen gibt’s im App-Store nämlich Snoopet. Das Programm könnte die Legende vom vierbeinigen Flirt-Helfer wahr werden lassen. Spontan-Sex steht hier nicht auf dem Menü. Das Portal verspricht: gemeinsames Gassigehen - und vielleicht mehr? Für Kontaktvorschläge werden Profilinformationen von Halter wie Hund gescannt. Brechen Nutzer zum Spaziergang auf, können sie auf der Plattform "einchecken" und nachverfolgen, wer diese Route schon einmal gelaufen ist. Bei halb-zufälligen Treffen darf es dann bei den tierlieben Singles knistern - es sei denn, Bello legt ein Veto ein. Auch wenn die App noch wenig Nutzer hat, in der Hoffnung, bei der nächsten Runde um den Block nicht nur der alten Dame von gegenüber samt frisiertem Pudel über den Weg zu laufen, lautet das Motto: "Liebe(r) mit Hund".

Was die neuen Dating-Plattformen gemeinsam haben? Sie sind allesamt ganz herrlich unverklemmt, aber nicht anrüchig. Umsonst geshoppt und leicht genutzt sind Flirt-Apps der Instant-Kaffee unter den Kuppeldiensten - in größter Not fix aufgewärmt und doch nicht erste Wahl. Man ist schließlich selten wie Jamie Anderson von lauter Top-Athleten umringt. Bei wem die Liebe noch nicht angeklopft hat, der kann sich jedoch die Wartezeit hervorragend mit Tinder&Co. vertreiben - in der U-Bahn oder auf dem Klo.

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Quelle: n-tv.de