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Skim, Nigeria-Connection, Enkel Mit diesen Tricks arbeiten Betrüger

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(Foto: imago/Deutzmann)

Eigentlich muss man heutzutage seine Wohnung nicht mehr verlassen. Alles kann man sich liefern lassen. Allerdings kommen auch Verbrecher bis an die Haustür - nicht als Einbrecher, sondern als Betrüger. Ein Überblick über gängige Maschen.

Bestellbetrug

Wenn es an der Tür klingelt, obwohl man niemanden erwartet, ist es meist ein Paketbote. Oft fragt der dann, ob man ein Paket für den Nachbarn annehmen könnte. Die Polizei warnt davor, dass sich hier Betrüger unter die seriösen Zusteller mischen. Kriminelle bestellen unter falschem Namen teure Markenartikel und lassen sie an eine Adresse schicken, unter der sie gar nicht gemeldet sind. Manchmal nutzen sie es aus, wenn die dortigen Bewohner verreist sind, manchmal bringen sie einfach falsche Namen an den Briefkasten an.

Trifft der Lieferant niemanden an, wendet er sich an einen Nachbarn. Der nimmt das Paket dann an und wartet auf Abholung. Irgendwann klingelt es, dort steht aber nicht der ursprünglicher Empfänger, sondern ein Fremder und möchte das Paket haben. Er erzählt entweder, er sei gerade erst eingezogen oder er hole das Paket für den verreisten Nachbarn ab. Jetzt wird es heikel, denn wer solche Pakete angenommen hat und weitergibt, könnte selbst Opfer eines Betrugs werden. Der besteht darin, dass der Besteller die Rechnung der Ware nicht bezahlt hat, sie aber in seinen Besitz bringt. Die Rechnung muss dann mitunter derjenige bezahlen, der das Paket angenommen hat.

Falsche Microsoft-Mitarbeiter

Diese Betrugsmasche hat etwas damit zu tun, dass auf den meisten Computern Windows installiert ist - und nicht wenige Nutzer so ihre Problemchen damit haben. Das Telefon klingelt, ein Mitarbeiter der Firma Microsoft ist angeblich am Apparat und er hat schlechte Nachrichten. Der eigene PC sei von Viren befallen, sei gehackt worden oder brauche ein neues Sicherheitszertifikat. Wer das glaubt, ist schon halb in die Falle getappt. Denn als Nächstes bietet der falsche Microsoft-Mann an, eine Fernwartungssoftware zu installieren. Dabei handelt es sich aber in Wahrheit um Späh-Programme, die Passwörter fürs Onlinebanking finden sollen. Mitunter verlangt der Anrufer auch noch eine Servicegebühr oder lässt Sie einen kostspieligen Wartungsvertrag eingehen. Sich davor zu schützen, ist ganz einfach: Sofort auflegen, wenn ein vermeintlicher Microsoft-Mitarbeiter dran ist. Denn das Unternehmen macht solche Anrufe nicht.

Finanzagenten

Viele träumen von einem lukrativen Nebenverdienst -  nur: Wer möchte schon auf seine kostbare Freizeit verzichten? Werbeanzeigen wie "Beste Verdienstmöglichkeit mit wenig Arbeit" haben daher ihren ganz eigenen Charme. Doch Vorsicht, dahinter kann sich ein Betrug verbergen, der die Opfer nicht nur um ihr Geld bringt, sondern sie auch noch zum Mittäter macht. Es geht hier um Jobs als "Finanzagent", "Finanzmanager" oder Ähnliches. Es gibt viele Bezeichnungen, doch dahinter verbirgt sich immer das Gleiche. Wer sich darauf einlässt, muss das eigene Girokonto für Überweisungen zur Verfügung stellen.

Jemand überweist dann eine Summe X und bittet darum, diese per Bargeldversand oder Finanztransfer (etwa per Western Union) an eine Person im Ausland schicken. Es winken Provisionen von 5 bis 20 Prozent. Das Problem dabei: Das erhaltene Geld stammt von anderen Personen, die selbst Opfer eines Betrugs geworden sind. Entweder wurden diesen Opfern per Phishing die Kontozugangsdaten gestohlen und der Geldbetrag dann auf das Konto des Finanzagenten überwiesen. Oder sie haben etwas im Internet bestellt und (auf das Konto des Finanzagenten) gezahlt, dann aber keine Lieferung erhalten. In beiden Fällen widerrufen sie die Überweisung. Der Finanzagent bleibt auf dem Schaden sitzen.

Betrug an Geldautomaten

Skimming heißt so viel wie "absahnen" und genau darum geht es. Mit großem Aufwand versuchen Verbrecher, Geheimzahlen und Kontodaten zu erbeuten. Daher dürften viele schon gehört haben, doch laut Polizeilicher Präventionsstelle der Länder und des Bundes hat es zuletzt wieder mehr Fälle gegeben. So fügen sie an Automaten eine komplette neue Oberfläche ein, die dann Daten mitfilmt und kopiert. Manchmal verbergen sich Minikameras auch hinter Prospekthaltern oder unter der Decke in einer Rauchmelderattrape. Die Polizei rät dazu, grundsätzlich die Geheimzahl so einzugeben, dass niemand sie sehen kann - man sollte die Eingabe also mit der Geldbörse oder etwas anderem verdecken.

Eine andere Variante ist das "Cash-Trapping". Dabei versuchen die Betrüger, den Ausgabeschlitz für das Geld so zu manipulieren, dass die Scheine darin stecken bleiben. Geht der Kunde dann weg, um sich an einen Bankmitarbeiter zu wenden oder es noch einmal an einem anderen Automaten zu probieren, schlägt die Stunde des Verbrechers - er braucht dann nur noch seine Vorrichtung am Ausgabeschlitz abzunehmen und die Scheine einzusammeln. Wenn das Geld also einmal im Schlitz stecken bleibt, sollte man auf keinen Fall weggehen, sondern lieber per Handy die Bank anrufen. Oder gleich die Polizei.

Betrug durch falsche Polizisten

Manchmal stehen sie vor der Tür, manchmal rufen sie an, manchmal schreiben sie: falsche Polizisten. Ihr Ziel ist es immer, Schmuck oder Bargeld zu erbeuten. An der Tür zeigen sie falsche Dienstausweise, um sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen. Einer der Täter lenkt das Opfer ab, während der andere nach Wertgegenständen sucht. Mitunter kündigen die Betrüger so einen Besuch schon vorher per Telefon an. Sie behaupten dann, der Schmuck sei in der Wohnung nicht sicher und werde von Polizisten abgeholt, um in Sicherheit gebracht zu werden. In Briefen verlangen die Täter die Zahlung vermeintlicher Geldstrafen und drohen andernfalls mit einer Inhaftierung. Das ist natürlich Quatsch - Unbekannten sollte man niemals Geld geben und erst recht keine Unbekannten in die Wohnung lassen.

Enkeltrick

"Rate mal, wer hier spricht!", sagt eine Stimme am anderen Ende der Leitung. Herzlich willkommen zum Enkeltrick. Denn genau so versuchen Verbrecher, ihre Opfer zu überlisten. Wer der Masche auf den Leim geht, sagt dann vielleicht den Namen des Enkels oder der Enkelin - und der Betrüger oder die Betrügerin gibt sich fortan als ebendieser aus. Er oder sie tischt dann irgendeine dramatische Geschichte auf, die immer damit endet, dass er oder sie jetzt dringend Geld braucht und Oma beziehungsweise Opa dieses bitte dem jungen Mann geben soll, der demnächst vorbeikommt. Enkeltrickbetrüger haben auf diese Weise schon fünfstellige Beträge erbeutet. Die Polizei rät dazu, niemals Fremden Geld zu geben und im Verdachtsfall Fragen zu stellen, die nur der echte Enkel beantworten könnte.

Romance Scamming

Immer mehr Singles suchen im Internet nach dem nächsten Partner, doch auch dort lauern Betrüger. Sie laden ihre Opfer zu einem Chat ein und scheinen gleich ganz angetan zu sein. Die Fotos zeigen häufig Männer in Uniformen, Frauen zeigen sich oft leicht bekleidet. Mitunter entspinnt sich ein wochenlanger Kontakt inklusive langen Telefongesprächen.

Irgendwann kommt immer das Thema Westafrika auf - dort hält sich die Person gerade auf und braucht Geld, zum Beispiel für ein Flugticket nach Deutschland. Das Ticket wird dann nie gebucht, immer passiert vorher etwas - ein Überfall, ein Unfall, Pässe werden eingezogen. Das stimmt natürlich alles nicht, denn es ging von Anfang an nur darum, dieses Geld zu bekommen. Die Ermittler sprechen von der "Nigeria-Connection", die schon seit den 1980er-Jahren aktiv ist. Damals wurden noch Briefe verschickt, heute versuchen es die Betrüger übers Internet. 

Weitere Tipps und ausführliche Informationen gibt es unter www.polizei-beratung.de

Quelle: n-tv.de

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