Panorama

Neue Rekorde tags und nachts Einfach nur glutheiß

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An den Küsten - wie hier auf Hiddensee - wird es in den kommenden Tagen angenehm sommerlich. Im Rest der Republik ist es einfach nur heiß.

(Foto: dpa)

Die zweite Hitzewelle des Sommers rollt heran. Glutheiß wird es in den kommenden Tagen vor allem im Westen. Die bestehenden Temperaturrekorde dürften ins Wanken geraten. Etwas Entspannung deutet sich zum Wochenende an. Wer es bis dahin nicht aushält, dem empfiehlt n-tv Meteorologe Björn Alexander die Reise ans Meer oder in die Berge.

n-tv.de: Die nächsten Tage versprechen hochsommerliche Temperaturen. Wo wird es am heißesten?

Björn Alexander: Pünktlich zum Beginn der sogenannten Hundstage (23. Juli bis 23. August) kommt Saharaluft über Frankreich und Benelux zu uns. Die heißeste Luft erstreckt sich dabei in etwa von Paris bis in den Westen Deutschlands.

Lässt sich das bei uns noch genauer eingrenzen?

Der Hotspot dürfte am Donnerstag - dem heißesten Tag in dieser Wetterwoche - im Bereich Niederrhein und westliches Ruhrgebiet liegen. Hier zeigen die derzeitigen Prognosen sogar an einigen Wetterstationen Höchstwerte von um oder sogar etwas über 40 Grad Celsius. Ähnlich heiß zeigen sich auch die Flussniederungen in Rheinland-Pfalz, im Saarland und im Norden von Baden-Württemberg.

Werden Rekorde fallen?

Dass an einigen Wetterstationen neue Rekorde für den Monat Juli aufgestellt werden, ist sicher. Und selbst der deutschlandweite Allzeit-Temperaturrekord von 40,3 Grad, der 2015 im unterfränkischen Kitzingen gemessen wurde, kommt in Reichweite und könnte sogar sogar gleich mehrfach erreicht oder sogar überboten werden. Das wäre - wenn es denn tatsächlich so kommt - eine wirklich historische Hitze.

Heiße Temperaturen am Tag. Sind auch die Nächte wieder so warm?

Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander sagt, die Hitze könnte historisch werden.

Auf jeden Fall. Zuerst einmal bevorzugt in der Westhälfte, wo es nachts immer öfter tropisch bleibt. Also mit Tiefstwerten nicht unter 20 Grad. Am wärmsten ist es voraussichtlich an Rhein und Ruhr. In der Nacht zum Freitag kühlt es sich teilweise nicht unter 25 Grad ab. Selbst der Rekord für die wärmste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gerät ins Wanken. Zu schlagen ist der Tiefstwert von 26,6 Grad aus dem August 2012. Das wird also schon ziemlich schlaffeindlich, während es in Sachen Nachtschlaf weiter ostwärts erst einmal entspannter bleibt.

Wie lange hält die Hitzewelle an?

Die extrem heiße Luft wird zum Wochenende von Westen her von zum Teil heftigen Gewittern ausgebremst. Der Sommer bleibt uns aber auch am Wochenende erhalten. Am Sonntag bei bis zu 34 Grad. Der Sonntag bringt noch bis 32 Grad.

Bei so viel Hitze lockt die Abkühlung im Wasser. Bei welchen Wassertemperaturen?

Die Urlauber an der Ostsee können sich in den nächsten Tagen bei folgenden Temperaturen abkühlen: auf Fehmarn bei 18 Grad, am Timmendorfer Strand bei 19 bis 20 Grad, Zingst vermeldet 20 Grad und am Greifswalder Bodden sind es 21 Grad. 

Wie sieht es an der Nordsee aus?

Die Nordsee ist ein wenig frischer mit Wassertemperaturen zwischen 17 und 20 Grad. Wobei die Temperaturen in einem Meter Wassertiefe gemessen werden und es somit in flacheren Bereichen durchaus wärmer sein kann. Ebenso verhält es sich in den Badeseen, die aber per se wärmer sind als die Küstengewässer. Zum Beispiel der Chiemsee bei um die 23 Grad oder der Bodensee bei 21 bis 25 Grad. Und in ähnlichen Bereichen bewegen sich auch die Seen im Westen unseres Landes.

Gilt das auch für die Gewässer im Norden und Osten?

Die sind alles in allem etwas weniger warm. Im Steinhuder Meer erwarten Sie aktuell 20 Grad, im Berliner Wannsee sind es 21 oder 22 Grad. 

Vom Sprung ins kühle Nass zurück in die Hitze: was bringt uns der glutheiße Donnerstag im Detail?

Die Sonne dominiert nahezu konkurrenzlos am blauen Himmel und lässt die Temperaturen in Kombination mit der Heißluft die Temperaturen verbreitet auf 35 bis um die 40 Grad ansteigen. Selbst an der Nordseeküste sind bei ablandigem Wind Höchstwerte von über 35 Grad drin. Weniger heiß zeigen sich die Gebiete östlich der Elbe sowie der Osten und der Süden Bayerns bei 30 bis 35 Grad. Temperaturen von deutlich unter 30 Grad finden wir eigentlich nur noch an den Küstenabschnitten, an denen der Wind eine längere Strecke übers Wasser heran weht.

Wo ist das?

Vor allem an der Ostsee, wo sich ab Mittwoch Ostwind einstellt und somit selbst auf dem Höhepunkt der Hitzewelle maximal 22 bis 27 Grad möglich sind. Das ist aber - neben den höheren Bergen im Bereich Oberharz, Hochschwarzwald oder in den Alpen - das einzige Mekka für diejenigen, die vor der Hitze fliehen möchten.

Alle anderen müssen auf das Wochenende warten, oder?

Das verläuft auf jeden Fall weniger heiß. Allerdings teilweise auch schwül. Zuvor wird der Freitag aber nochmals vergleichbar heiß mit meist 31 bis 39 Grad. Erst nachmittags und abends sind im Südwesten erste kühle Duschen drin. Und die werden am am Samstag im Süden und Westen häufiger und sorgen dort für schwül-warme Höchstwerte von 26 bis 30 Grad. Im übrigen Land startet das Wochenende dagegen noch sonnig mit Spitzenwerten zwischen 30 und 34 Grad. Lediglich bei den Nordlichtern ist es bei 23 bis 30 Grad etwas weniger schweißtreibend.

Welches Wetterprogramm fährt der Sonntag?

Die Hitzezone wird kleiner und konzentriert sich auf den Osten. Werte von 30 bis 32 Grad sind aus heutiger Sicht nur noch vom östlichen Niedersachsen und Bremen bis herüber an die Oder und runter in den Lausitz zu erwarten. Im übrigen Land werden es 22 bis 29 Grad. Die markanteste Abkühlung bekommen hierbei der Westen und der Süden zu spüren, wo viele Wolken und teils kräftige Gewitter unterwegs sind, während es Richtung Norden und Osten schöner bleibt.

Und in der nächsten Woche?

Sieht es zur Zeit nach eher normalem Sommerwetter aus. Neben der Sonne ist es gebietsweise auch mal wechselhafter mit lokalen Gewittern. Die Temperaturen dürften sich oft zwischen 25 und 32 Grad bewegen. Frischer zeigen sich weiterhin die Küsten mit um die 21 bis 25 Grad.

Quelle: ntv.de