Panorama

EHEC verunsichert Bauern Erreger-Quelle noch aktiv

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Zahlreiche Bauern schreddern ihre Ernte.

(Foto: dpa)

Von einer Epidemie spricht das Robert-Koch-Institut hinsichtlich EHEC noch nicht - dafür sind die Fallzahlen zu niedrig. Allerdings ist der Schaden bereits jetzt erheblich. Ganze Ernten müssen vernichtet werden, weil der Verbraucher nicht mehr kauft. Und immer noch ist der Ursprung der Keim-Verbreitung nicht ausgeschaltet.

Bei dem gefährlichen Durchfall-Erreger EHEC ist keine Entwarnung in Sicht. Im Gegenteil: Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts steigt die Zahl der Neuerkrankungen vor allem in Norddeutschland weiter an. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Infektionsquelle noch aktiv ist, berichtete das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Bisher sind in Deutschland mindestens neun Menschen gestorben. Mehrere Menschen schweben weiter in Lebensgefahr, zudem erkrankten binnen eines Tages bundesweit weitere 60 Patienten an schweren Komplikationen - so viele wie sonst binnen eines Jahres.

Unterdessen schlossen spanische Behörden nach Auskunft der EU-Kommission vorübergehend zwei Betriebe in Almería und Málaga. Sie sollen für die Verbreitung der mit den gefährlichen EHEC-Keimen befallenen Gurken in Deutschland verantwortlich sein, teilte die Kommission mit. Die Namen der Betriebe nannte die Kommission nicht. Boden-, Wasser und Produktproben seien genommen worden. Die Untersuchungen dauerten an. Zudem werde eine weitere mögliche Quelle - Gurken aus den Niederlanden oder aus Dänemark - untersucht.

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Der Erreger in der Nahaufnahme.

(Foto: dpa)

Die Suche nach dem Ursprung des schlimmsten bisher in Deutschland registrierten EHEC-Ausbruchs ging weiter. Für viele Landwirte im Norden Deutschlands wird das Ergebnis in jedem Fall zu spät kommen: Sie sind gezwungen, tonnenweise Gemüse wegzuwerfen - kaum jemand mag es noch kaufen.

Von einer EHEC-Epidemie wollte man beim Robert-Koch-Institut (RKI) nicht sprechen. Der Ausbruch sei noch zu regional und dauere nicht lange genug an, sagte eine Sprecherin. Bislang wurden - binnen etwa einer Woche - insgesamt rund 1000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise werden in Deutschland im gesamten Jahr etwa 900 Infektionen mit den Bakterien gemeldet.

Kritik an Deutschland

Beim aktuellen Ausbruch starben Menschen an den EHEC-Folgen. Bei dem tot in seiner Hamburger Wohnung gefundenen 38-Jährigen wurde eine erste Probe positiv auf EHEC getestet. Der Mann war leblos von der Feuerwehr entdeckt worden, nachdem sein Arbeitgeber ihn als vermisst gemeldet hatte. In einem Bremer Krankenhaus starb eine über 70 Jahre alte Frau aus Cuxhaven. Zudem ließ sich der Tod einer 41-Jährigen auf EHEC zurückführen; sie stammte ebenfalls aus Cuxhaven. In Schleswig-Holstein gab es ein zweites Todesopfer. Eine 38-Jährige starb in einer Kieler Klinik.

Zuvor waren bereits drei Todesfälle in Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen erfasst worden. Krankheitsfälle gibt es auch im Ausland: Schweden hat bisher 25 nachgewiesene EHEC-Erkrankungen, Dänemark sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande eine.

Aus Spanien und den Niederlanden wurde unterdessen heftige Kritik an den Veröffentlichungen deutscher Behörden zu EHEC-Quellen laut. Man habe bei der Europäischen Union (EU) eine Beschwerde gegen die deutschen Berichte eingelegt, teilte das Madrider Agrarministerium mit. Deutschland habe gegen EU-Regeln verstoßen, sagte der Staatssekretär Josep Puxeu. Die Behörden hätten zuerst die Presse unterrichtet und nicht - wie vorgeschrieben - die Instanzen der EU. Dadurch drohten der spanischen Landwirtschaft große Verluste.

Das Hamburger Hygiene-Institut hatte den Durchfall-Erreger bei vier Salatgurken vom Hamburger Großmarkt nachgewiesen. Drei seien spanischen, eine niederländischen Ursprungs, hieß es. Die Niederlande wiesen dies als unzutreffend zurück. "Wir haben bislang keinerlei derartigen Erkenntnisse", sagte Marian Bestelink, Sprecherin der zuständigen Behörde für Warenprüfung (VWA). Die Angabe über die mit EHEC-Bakterien verunreinigte Gurke aus Holland beruhe "vermutlich auf einem Missverständnis". Sie gehe wohl darauf zurück, dass einer der in Spanien betroffenen Gemüsebauern Niederländer sei.

Die Sorge vieler Menschen, sich über Rohkost mit EHEC anzustecken, macht den Gemüsebauern vor allem in Norddeutschland zu schaffen. Sie werfen mittlerweile tonnenweise Salatköpfe, Tomaten und Gurken auf den Müll. "Allein in Niedersachsen haben fünf Großabnehmer im Einzelhandel ihre Gemüsebestellungen storniert", sagte Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland in Bremen. Auch andere Erzeugergemeinschaften meldeten Absatzeinbrüche.

Die weitaus meisten EHEC-Fälle gibt es derzeit in Hamburg, dort erreichten die Kliniken die Kapazitätsgrenze bei der Versorgung der Patienten. "Es ist offensichtlich, dass wir auf Versorgungskapazitäten in anderen Bundesländern, wie zum Beispiel in Hannover, zurückgreifen müssen, um die Versorgung von Neufällen auch am Wochenende zu gewährleisten", erklärte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

EHEC-Keime sind eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli. Der Erreger ist vor allem deshalb gefährlich, weil nach Expertenangaben rund 10 bis 100 der winzigen Bakterien ausreichen, um den Durchfall auszulösen. Bei anderen Infektionen sind um ein Vielfaches mehr Erreger nötig, damit es zur Erkrankung kommt.

Quelle: ntv.de, dpa

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