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Kurioser Beratungsservice In Japan kann man "Onkel" mieten

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Takanobu Nishimoto erfand die "Miet-Onkel" und ist selbst einer.

(Foto: dpa)

Japaner sind nicht gerade bekannt dafür, einfach so frei von der Leber weg zu reden. Manchmal muss man aber mit jemandem reden, so wie es wirklich ist. Im Land der Katzencafés gibt es auch dafür einen besonderen Service.

Probleme bei der Arbeit? Stress in der Liebe? Einsam zu Hause? Aber niemand da, mit dem man mal offen sprechen kann? Für Japaner, die sich nie im Leben trauen würden, sich mit solchen und anderen Fragen an einen Therapeuten oder gar noch schlimmer an jemandem in der eigenen Familie zu wenden, bieten sich Takanobu Nishimoto und seine "Miet-Onkels" an. Männer mittleren Alters, die anderen Menschen ein Ohr schenken. Einfach auf Nishimotos Online-Dienst einen "Ossan" - einen Mann zwischen 45 und 55 Jahren - aussuchen und mieten. Für 1000 Yen (9 Euro) pro Stunde.

Ein Service, der aber nicht nur den Kunden helfen soll, sondern auch den Männern. Auf die Idee für seine kuriose Dienstleistung sei er gekommen, als er eines Tages in der Bahn Schulmädchen hörte, die sich abfällig über ältere Männer äußerten. Diese "Ossan" seien eklig und ähnliche Dinge habe er die Mädchen sagen hören, erzählt Nishimoto in einem Café in Tokio. "Da ist mir klargeworden, wie geringschätzig solche Männer gesehen werden". Es ist das bekannte Klischee: Männer, die an sechs Tagen der Woche täglich mindestens zehn Stunden bei der Arbeit verbringen, nach Feierabend mit Kollegen oder Geschäftsfreunden trinken gehen und am Sonntag Golf spielen.

Ihre Familie sehen sie nur ein paar Minuten am Werktag und ein paar Stunden am Wochenende. Und wenn sie in die Rente gehen, nachdem sie jahrzehntelang mit der Firma verheiratet waren, kommen sie in ein Heim, das sie kaum kennen. Die Rolle des Geldverdieners, die dem Vater zu Hause jahrzehntelang Autorität sicherte, entfällt. Plötzlich sind sie "Sodaigomi", Sperrmüll, weil sie zu nichts nutze seien und nur im Wege stünden. "Diese Ossan tun mir leid", erzählt Nishimoto. Um das zu ändern und diesen Männern zu mehr Selbstwertgefühl zu verhelfen, kam er vor vier Jahren auf die Idee mit dem Mietservice.

Ohne sexuelles Interesse

Indem seine "Miet-Ossan" Jüngeren zuhören und Rat erteilen, könnten sie "coole" Typen werden. Nishimoto, der als Lehrer einer Modeschule und als Stylist arbeitet - selbst aber auch als Ossan zu mieten ist - beschäftigt im ganzen Land 70 solcher Männer. Er selbst führt die Bewerbungsgespräche. Wer mit "offensichtlich sexuellen Interessen" komme, blitze ab, versichert Nishimoto. "Ich will keine Probleme haben". Schließlich seien die meisten Kunden Frauen in ihren späten 20er bis 40er Jahren. "Männer machen nur 20 Prozent aus", erläutert Nishimoto.

Ein bisschen sei das wie in Hostess-Bars: man tröstet den anderen. "Die Kunden erzählen gerade deswegen so viel und offen, weil die Ossan fremde Personen sind", sagt Nishimoto. Man trifft sich in Restaurants oder Cafés. Gesprochen wird über die verschiedensten Dinge. Manche Kunden suchten zum Beispiel Ratschläge bei der Jobsuche. "Einmal wollte jemand mit einem Ossan ein Vorstellungsgespräch üben", schildert Nishimoto. Unter jungen Leute würden "normale Ossan" oft als abschreckendes Beispiel angesehen nach dem Motto: "So möchte ich nicht werden". "Aber die Ossan zum Ausleihen sind gute Vorbilder", sagt Nishimoto.

Auch komme es vor, dass eine Hausfrau einen seiner Ossan um Rat bitte, weil ihr Mann eine Geliebte habe. Viele Ossan seien selbst geschieden. Einer von denen heirate demnächst eine Kundin. "Ich habe nichts dagegen", sagt Nishimoto. "Sie sollen alle glücklich werden".

Quelle: n-tv.de, Lars Nicolaysen, dpa

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