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"Israel loves Iran"-Kampagne "Lage zu ernst für Gimmicks"

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Liebesbotschaften in grün, weiß, pink.

"Wenn jeder Iraner einen Israeli als Facebook-Freund hätte, wäre die Welt eine bessere", glaubt der israelische Autor Ron Leshem. Dass die Facebook-Kampagne "Israel loves Iran" etwas an dem iranisch-israelischen Konflikt ändern kann, glaubt Leshem nicht. Denn es gehe nicht um Leute, es gehe um Regierungen.

Eine beispiellose Internet-Kampagne rührt die Netz- und Medienwelt: Israelis und Iraner bombardieren sich mit Friedensbotschaften. "Israel liebt Iran", schrieb das israelische Ehepaar Ronny Edry und Michal Tamir auf ihrer Facebook-Seite und erntete ein überwältigendes Echo. Innerhalb weniger Tage antworteten ihnen fast 30.000 Menschen, aus Israel, aus Europa, aus den USA und – aus dem Iran. Mit "Iran liebt Israel" und "Amerika liebt Iran" tauchten plötzlich Pendants zur ersten Facebook-Seite auf.

Das von Edry und Tamir gemeinsam mit ihrer kleinen Kunstschule "Pushpin Mehina" in Tel Aviv entwickelte Logo in grün, weiß und pink wurde unzählige Male auf eigene Fotos kopiert und gepostet: Schwangere Frauen, Eltern mit Kindern, Freunde, die sich gemeinsam auf ein Foto quetschen, ja, selbst in Tel Aviv ansässige Perser-Katzen fordern nun den Frieden zwischen den Ländern.

Eine bessere Welt dank Facebook?

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Zwischen Zweifel und Hoffnung: Ron Leshem.

Dass sich die Menschen plötzlich auf der sozialen Internet-Platform Facebook so viel zu sagen haben, überrascht den israelischen Schriftsteller Ron Leshem nicht. "Iraner und Israelis sind sich sehr nahe, sehr ähnlich und haben alle Gründe der Welt, sich zu verstehen, zu kooperieren und zu lieben", meint Leshem, der bei den Recherchen für sein Buch "Der geheime Basar" über Jugendliche in Teheran mit vielen Iranern über das Internet Kontakte geknüpft hatte. Er sei da selbst vielleicht auch naiv, aber auch er glaube daran, dass die Dinge einfacher wären, wenn jeder Iraner einen israelischen Freund bei Facebook hätte. Er habe über das Internet großartige Freunde im Iran gefunden.

"Das Problem ist aber, dass es hier nicht um die Menschen geht, sondern um Regierungen", sagt Leshem gegenüber n-tv.de. "Und wie sehr ich es auch bevorzugen würde, zu Frieden und Gesprächen aufzurufen, bin ich aber der Meinung, dass wir kein Regime tolerieren dürfen, das homosexuelle Teenager hinrichtet oder Frauen wegen Ehebruchs steinigt." Politisch-religiöse Regime seien die grausamste Bedrohung der freien Welt und Europa würde noch immer nicht verstehen, wie gefährlich das sei, glaubt der 36-Jährige. "Ein Iran mit einer Atombombe ist nichts, womit wir leben könnten." Das sei ernster als irgendwelche Gimmicks und Internet-Kampagnen.

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Unwiderstehlich rührend: Liebe via Facebook

Wie man eine iranische Atombombe stoppen könne, werde in Israel heftig debattiert, berichtet Leshem. Und er hoffe wirklich, dass eine Lösung ohne einen Angriff gefunden werde. "Wir würden alle einen hohen Preis für eine militärische Lösung zahlen. Also hoffen wir alle, dass wir Zivilisten eine bessere Lösung finden." In Israels Geschichte habe es eine Reihe von Menschen gegeben, wie beispielsweise die "Vier Mütter"-Friedensbewegung, die mit ihrem Engagement gegen die israelische Militärpräsenz in den "Sicherheitszonen" im Südlibanon, die Realität, die Politik und die öffentliche Meinung verändert hätten. Er könne nur hoffen, dass die Iraner das auch schafften. Aber er sei nicht sehr optimistisch, weil die Überwachung durch das Regime zu stark sei. "Die Iraner, die uns über Facebook schreiben, gehören einer Minorität an, die ohnehin offen gegenüber der westlichen Welt sind und das iranische Regime nicht unterstützen", vermutet Leshem.

Zehn Minuten später schickt er via Mail sein Lieblingsfoto von der Facebook-Kampagne: Ein verliebtes Pärchen, das küssend seine Pässe in die Kamera hält – einen israelischen und einen iranischen Pass. Manchmal ist die Hoffnung doch stärker als der Zweifel. Auch wenn sie wie ein Gimmick daher kommt.

Quelle: n-tv.de

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