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Akademie in der Krise Literaturnobelpreis wird 2018 nicht vergeben

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(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Wegen der Missbrauchsvorwürfe gegen den Ehemann eines Akademiemitglieds wird es in diesem Jahr keinen Literaturnobelpreis geben. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Doch etliche Mitglieder der Akademie haben ihren Rücktritt erklärt.

Erstmals seit 75 Jahren ist 2018 wieder ein Jahr ohne Verleihung eines Literaturnobelpreises. Nach den Missbrauchsvorwürfen im Umfeld der Schwedischen Akademie entscheidet sich die renommierte Institution zu diesem Schritt. Der Preis für 2018 werde im kommenden Jahr zusammen mit dem Preis für 2019 vergeben. "Wir halten es für nötig, Zeit zu investieren, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Akademie wieder herzustellen, bevor der nächste Preisträger verkündet werden kann", erklärte der Interims-Vorsitzende Anders Olsson. Zuletzt war von 1940 bis 1943 die Vergabe des Literaturnobelpreises ausgefallen.

Die Schwedische Akademie, die seit 1901 den Träger des Literaturnobelpreises auswählt, wird von einem Belästigungs- und Korruptionsskandal erschüttert. Man sei in einer ernsten Krise, teilte das traditionsbewusste Gremium vor Kurzem mit. "Das Ansehen des Literaturnobelpreises hat großen Schaden genommen." 18 Frauen hatten dem Mann eines Akademiemitglieds sexuelle Belästigung vorgeworfen. Eine Untersuchung der Akademie bestätigte "unakzeptables Verhalten in Form von unerwünschter Intimität". Nach Berichten schwedischer Medien soll der Mann auch Kronprinzessin Victoria an den Po gefasst haben.

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Inzwischen haben 7 der 18 Akademie-Mitglieder ihr Amt niedergelegt, darunter die Vorsitzende Sara Danius und das Mitglied Katarina Frostenson, gegen deren Mann sich die Belästigungsvorwürfe richten. Dieser bestreitet die Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft in Stockholm hatte im März erklärt, sie habe die Ermittlungen gegen den Beschuldigten mangels Beweisen eingestellt.

Die Zeitung "Dagens Nyheter" hatte im November berichtet, dass Frostensons Ehemann, der Franzose Jean-Claude Arnault, über Jahre hinweg 18 weibliche Mitglieder der Akademie, Frauen oder Töchter von Akademiemitgliedern und Mitarbeiterinnen belästigt oder missbraucht haben soll. Arnault ist selbst Künstler und Leiter eines Kulturzentrums.

Die Akademie kappte daraufhin alle Beziehungen zu Arnault, strich die Subventionen für die von ihm geleitete Einrichtung und leitete eine interne Untersuchung ein. Sie sprach aber Frostenson mehrheitlich das Vertrauen aus - woraufhin zunächst drei prominente Mitglieder und schließlich unter wachsendem Druck weitere ihren Rückzug erklärten.

Bislang wurde die Vergabe des erstmals 1901 vergebenen Literaturnobelpreises sieben Mal ausgesetzt, vornehmlich während der beiden Weltkriege: 1914, 1918, 1935, 1940, sowie von 1941 bis 1943. Im vergangenen Jahr wurde der Brite Kazuo Ishiguro ausgezeichnet.

Die Schwedische Akademie wurde 1786 von König Gustaf III. zur Förderung der schwedischen Sprache und Literatur gegründet. Neben dem Literaturnobelpreis vergibt sie mehrere weitere Preise und Stipendien, darunter den auch "kleinen Nobelpreis" genannten Nordischen Preis. Der Preis wurde 1986 zum 200. Gründungstag der Akademie ins Leben gerufen.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/dpa

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