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"Goldzug"-Suche geht weiter Nazi-Zug-Entdecker spekuliert auf Finderlohn

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Der Nazi-Zug soll seit April 1945 in der Nähe der heutigen Bahnverbindung zwischen Breslau (Wroclaw) und Walbrzych unter einer Aufschüttung vergraben sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Saga um den vermeintlichen Nazi-Zug geht in die entscheidende Runde: Endlich wird in Niederschlesien mit speziellem Gerät gesucht. Auch der ursprüngliche Finder des vermeintlichen "Goldzuges" ist dabei. Er denkt schon über einen angemessenen Finderlohn nach.

Piotr Koper versteht, wenn Berichte über versteckte Nazi-Schätze erst einmal als abenteuerliche Legenden abgetan werden. "Als ich vor 13 Jahren nach Niederschlesien gekommen bin, habe ich das alles nicht ernst genommen. Für mich waren das Märchen", betont der stämmige Besitzer einer Baufirma im niederschlesischen Walbrzych.

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Piotr Koper hat den Fund des vermeintlichen Nazi-Zuges mit seinem deutschen Kollegen gemeldet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für Geschichte habe er sich schon immer interessiert. Aber erst 2008 begann er, den Geschichten über Gold und Geld, das die Deutschen vor dem Rückzug in den Westen zurückgelassen hatten, ernst zu nehmen. Koper beugt sich vor: "Das sind keine Legenden", versichert er. "Diesen Zug gibt es wirklich."

Anspruch auf Finderlohn?

Der Zug, das ist ein deutscher Panzerzug, der seit August nicht nur in Niederschlesien für reichlich Aufregung sorgt, auch wenn ihn noch niemand gesehen hat. Koper hatte zusammen mit seinem Schatzsucher-Freund Andreas Richter den Fund bei den lokalen Behörden von Walbrzych gemeldet und den Anspruch auf Finderlohn angemeldet. "Das steht mir nach dem Gesetz zu", behauptet er. "Wenn ich einen Computer oder eine Brieftasche finde, habe ich einen Anspruch auf zehn Prozent Finderlohn."

Genau so sei es auch mit dem Zug, der vermutlich seit April 1945 ganz in der Nähe der heutigen Bahnverbindung zwischen Breslau (Wroclaw) und Walbrzych unter einer Aufschüttung vergraben sei. Herbstlaub liegt in dem dichten Waldgebiet über den vermuteten Geheimnissen des Untergrunds. In der Nähe hält ein einsamer Polizist im Nebel Wache am Bahndamm, um illegale Schatzgräber zu verscheuchen.

Saga vom "Goldzug" geht weiter

Doch wem gehört der Zug überhaupt? Koper zuckt die breiten Schultern. "Wir gehen davon aus, dass er dem polnischen Schatzamt gehört. Vielleicht melden sich andere Eigentümer - die Deutschen, die Russen, was weiß ich. Unser Anspruch bleibt." Außerdem hätten Koper und Richter die Suche bisher aus eigenen Mitteln finanziert, da sei ein Finderlohn nur fair.

Am Montag geht die Saga vom "Goldzug" in eine weitere Runde. Dann wollen sowohl Hobby-Schatzgräber Koper und sein Partner als auch Experten der Bergbauakademie neue Bodenuntersuchungen aufnehmen - mit Thermokameras, Georadar und Magnetometer. Das Militär hat die angebliche Fundstelle auf Minen untersucht und das dichte Unterholz gelichtet. "Das Gelände ist nun leichter zugänglich", sagt Koper. Er hofft auf aussagekräftige Untersuchungen. "Die Ergebnisse könnten Ende November vorliegen."

Nicht nur in Walbrzych sorgt der angebliche Zug für wilde Gerüchte. Was sich tatsächlich in dem Zug befinden könnte, ist für Koper eher zweitrangig. "Der Zug an sich ist wertvoll. Das ist so eine unglaubliche Geschichte, das ist doch ein Ereignis von Weltrang", sagt er. Hobbyforscher Krzysztof Szpakowski, der im nahe gelegenen Walim auf den Spuren des Stollensystems "Komplex Riese" aus der Nazi-Zeit ist, glaubt an "strategisches Material" an Bord des Zuges, das womöglich in unterirdischen Fabriken zum Bau einer Wunderwaffe verwertet werden sollte.

"Braucht glücklichen Zufall"

Koper will darüber nicht spekulieren. "Jeder hat seine Theorie", meint er. Wichtiger sei es, den Geheimnissen der Region auf die Spur zu kommen. "Nach diesen Nazi-Schätzen haben mindestens drei Geheimdienste gesucht." Dass er einem der legendären Züge auf die Spur gekommen sei, wie er sagt, liege sicher auch daran, dass Bodenradar und anderes Gerät mittlerweile auch Hobby-Forschern zugänglich seien.

"Manchmal braucht man einen glücklichen Zufall, so war das auch bei uns", sagt Koper, der allerdings keine Einzelheiten verraten will. Nur so viel: "Wir sind auf einen Zeugen gestoßen, der uns gesagt hat, wo wir suchen mussten. Und plötzlich passten die Puzzle-Stücke zusammen." Das Ergebnis seiner Suche habe ihn allerdings überrascht: "Wir haben eigentlich einen Tunnel gesucht. Und dabei haben wir dann den Zug gefunden."

Quelle: ntv.de, Eva Krafczyk, dpa

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