Panorama

Verhandlung im Mordprozess Oscar Pistorius weint im Zeugenstand

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Tränen im Gericht: Oscar Pistorius betet jeden Morgen für Reeva Steenkamp.

(Foto: AP)

Erstmals steht Oscar Pistorius selbst Rede und Antwort im Gerichtssaal. Mit bebenden Lippen und tränenerstickter Stimme entschuldigt er sich bei der Familie der Toten und sagt, dass er bloß versucht habe, Reeva zu beschützen.

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Tränen im Gericht: Oscar Pistorius betet jeden Morgen für Reeva Steenkamp.

(Foto: AP)

Am Valentinstag des vergangenen Jahres durchdringen vier Kugeln die Toilettentür und treffen Reeva Steenkamp in Hüfte, Arm und Kopf. Wenig später ist sie tot. Geschossen hat Oscar Pistorius. So viel ist sicher. Was genau geschah und warum Südafrika s nationale Sportikone durch die geschlossene Tür schoss, versucht seit Anfang März der High Court in Pretoria zu klären.

Nachdem in den vergangenen Wochen 20 der 107 auf der Liste der Staatsanwaltschaft aufgeführten Zeugen ausgesagt haben, hat am heutigen Montag die Verteidigung und vor allem der Angeklagte selbst das Wort. Erstmals trat Pistorius in den Zeugenstand und entschuldigte sich unter Tränen bei der Familie des Models. Mit bebenden Lippen und stockender Stimme sagte er zu Beginn seiner Aussage, dass Steenkamp vor ihrem Tod "geliebt worden" sei. Seit der Tatnacht leide er unter "fürchterlichen Alpträumen", das Leid der Hinterbliebenen könne er nur erahnen. Jeden Morgen wache er auf und bete als erstes für Reeva. Pistorius blieb bei seiner Aussage, dass es sich um ein tragisches Unglück handelt. "Ich habe bloß versucht, Reeva zu beschützen", verteidigte er sich.

Pistorius wird auch von der Anklage ins Kreuzverhör genommen werden und sich Fragen stellen müssen, die nur er selbst beantworten kann. Die Staatsanwaltschaft hofft bei der Befragung Widersprüche in dessen bisheriger Darstellung aufdecken zu können. Trug er Prothesen, als er auf die Toilettentür feuerte? Ist er ein cholerischer Waffenfanatiker? Hörte er seine Freundin um Hilfe schreien?

Experten sehen die Aussagen vor Gericht als zentral für das spätere Urteil. "Seine Sache steht und fällt damit", sagt etwa der frühere Staatsanwalt und Prozessbeobachter Marius du Toit.

Pathologe: "Reich der Spekulationen"

Vor Pistorius wurde als erster Zeuge der Verteidigung der Pathologe Jan Botha vernommen. In seiner Aussage ging es um die Frage, wann Pistorius' Freundin zum letzten Mal gegessen hatte.

Botha sollte die Sicht der Verteidigung stützen, dass Steenkamp nicht zwei Stunden vor den tödlichen Schüssen gegen 3 Uhr nachts noch gegessen habe. Das hatte zuvor ein Polizeiforensiker ausgesagt. Pistorius hatte betont, er und seine Freundin seien gegen 22 Uhr zu Bett gegangen.

Botha verwies im Zeugenstand auf die wissenschaftlichen Unsicherheiten bei der pathologischen Beurteilung der genauen Zeit. Er bezweifelte, dass man aus der Analyse des Mageninhalts belastbare Rückschlüsse darauf ziehen kann, wann Steenkamp zuletzt gegessen habe. Botha sprach in diesem Zusammenhang vom "Reich der Spekulationen". Aus der Analyse des Mageninhalts erhalte man Informationen über eingenommene Medikamente, aber noch nicht mal über die Menge, die gegessen wurde, so Botha.

"Seine Sache steht und fällt damit"

Bisher zeichnet der Prozess ein widersprüchliches Bild von Pistorius' Beziehung zu seiner getöteten Freundin Reeva Steenkamp. Zeugen der Anklage belasteten den 27-Jährigen schwer. Im Falle einer Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung droht Pistorius eine 25 Jahre Haftstrafe.

Pistorius mussten wegen einer Fehlbildung als kleines Kind beide Beine unterhalb der Knie amputiert werden. Als Sportler war er zunächst extrem erfolgreich bei den Paralympics. 2011 waren er und der Nordire Jason Lloyd Smyth die ersten Sportler mit Behinderung, die sich für eine Leichtathletik-Weltmeisterschaft qualifizierten. Im Jahr 2012 startete Pistorius als erster beidseitig amputierter Athlet bei Olympischen Sommerspielen.

Quelle: ntv.de, dsi/AFP

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