Panorama

Angeklagter im Zeugenstand Pistorius war "vernarrt und eifersüchtig"

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Oscar Pistorius versucht das Gericht von seiner Unschuld zu überzeugen.

(Foto: REUTERS)

Bei seinem ersten Auftritt im Zeugenstand kommt es nicht zum erwarteten Kreuzverhör. Oscar Pistorius wirkt erschöpft, der Prozess wird schnell vertagt. Nun steht er erneut vor den Richtern - und malt rosafarbene Bilder einer heilen, aber eifersüchtigen Beziehung.

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Oscar Pistorius und Reeva Steenkamp im November 2012.

(Foto: picture alliance / dpa)

Liebe und Angst sind im Mordprozess gegen Oscar Pist orius zu zentralen Streitpunkten geworden. Im Zeugenstand räumte der beinamputierte Sportstar jetzt erstmals Streit und Spannungen mit seiner Freundin Reeva Steenkamp ein. "Ich war sehr verliebt in sie, ich war vernarrt in sie, aber ich glaube, ich stand mehr auf sie als sie auf mich", sagte der südafrikanische Paralympics-Star vor Gericht in Pretoria. Zuweilen sei er auch "unsicher und eifersüchtig gewesen".

Am 27. Januar 2013 hatte Steenkamp ihm laut einer Textnachricht, die Pistorius am 18. Verhandlungstag mit gebrochener Stimme laut vorlas, heftige Vorwürfe gemacht. Während sie alles tue, um ihn glücklich zu machen, reagiere er oft unwillig, hatte das Model geschrieben. Manchmal habe sie Angst vor ihm. Sie sei deshalb seh r unglücklich. Weinend las der 27-Jährige dann seine Entschuldigung an seine damalige Freundin vor.

Zuvor hatte er dem Gericht beschrieben, wie glücklich die Beziehung zu seiner Freundin war. "Wir haben angefangen, über die Zukunft zu sprechen", sagte Pistorius. "Wir haben uns wirklich eine gemeinsame Zukunft vorgestellt." Er und Steenkamp hätten überlegt, gemeinsam eine Wohnung in Johannesburg zu kaufen, sagte Pistorius mit brüchiger Stimme.

Tägliche Telefonate

Der Sportler beschrieb zudem, wie er Steenkamp durch einen Freund bei einer Autoverkaufsveranstaltung am 4. November 2012 kennengelernt hatte. "Die ersten sechs Tage, als wir uns kannten, riefen wir uns jeden Tag an", erinnerte er sich. Sie seien beide damals aus schwierigen Beziehungen gekommen.

Pistorius streitet die tödlichen Schüsse auf Steenkamp nicht ab, erklärt die Tat aber als "tragisches Versehen". Er habe in der Nacht zum 14. Februar 2013 in Panik durch die verschlossene Toilettentür seines Hauses geschossen, weil er dort einen Einbrecher vermutete. Dem behinderten Sportler wird nach der Befragung durch seinen Verteidiger Staatsanwalt Gerrie Nel Rede und Antwort stehen müssen. Experten rechnen mit einem mehrtägigen Kreuzverhör.

Am Montag hatte sich Pistorius erstmals selbst im Gericht geäußert. Dabei entschuldigte er sich unter Tränen bei Steenkamps Familie, bevor er ausführlich über seine Kindheit sprach. Die Richterin brach die Befragung am Montagnachmittag ab, weil der Angeklagte völlig erschöpft war.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa/AFP

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