Panorama

"Wollen Holger Sonntag behalten" Schüler protestieren für Schulleiter

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Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft musste sich den Unmut der Schüler anhören.

Die Schüler des Berliner "Oberstufenzentrums für Gestaltung Marcel Breuer" kämpfen um ihren Schulleiter. Der soll nämlich gehen. Wegen angeblich mangelndem Kooperationswillen bei einer Schulfusion.

"Gegen die Fusion und gegen den Rausschmiss": Schüler des "Oberstufenzentrums für Gestaltung Marcel Breuer" (OSZ) im Berliner Stadtteil Weißensee demonstrieren gegen die Absetzung ihrer Schulleiters Holger Sonntag. Am Mittag versammelten sie sich vor dem Amtssitz der Bildungssenatorin. Noch vor dem entscheidenden Wahlsonntag mit der Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl wollen sie Sandra Scheeres und ihrem Staatssekretär Mark Rackles (beide SPD) die rote Karte zeigen.

Dem Schulleiter war am vergangenen Dienstag überraschend von der Schulverwaltung mitgeteilt worden, dass er kurzfristig von seinem Amt abberufen werde. Seitdem kämpfen die Schüler um ihren Schulleiter, haben bereist eine Online-Petition mit dem Titel "Wir wollen unseren Schulleiter Holger Sonntag behalten" ins Netz gestellt.

Die Schüler stehen geschlossen hinter dem Schulleiter", zitiert die "Berliner Morgenpost" Schülersprecher Willy Schmidt. In einem offenen Brief schreiben die Schüler an Scheeres: "Fassungslosigkeit machte sich in der Schülerschaft breit, als sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete."

Immer vollendete Tatsachen

Die Versetzung mache 14 Jahre erfolgreiche Arbeit zunichte. Niemand habe die Schüler gefragt oder besucht, lautet der Vorwurf an die Verwaltung. Stattdessen würden sie seit Monaten immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt. Auch in einem Brief des Kollegiums an Scheeres ist angesichts des Vorgehens der Verwaltung von "großem Entsetzen" die Rede. "Bestürzt über die Tatsache sowie die Art und Weise, wie unser erfolgreicher Schulleiter seiner Funktion enthoben wird, fordern wir die Rücknahme dieser Entscheidung", heißt es.

Rackles hielt mit einem offenen Brief an Schulleiter Sonntag gegen: Dieser habe "im Gegensatz zu Anderen eine kooperative Grundeinstellung vermissen lassen und keine Bereitschaft gezeigt, die Fusion aktiv und konstruktiv zu gestalten. Beide Schulen bräuchten für diesen Prozess Klarheit und ein Mindestmaß an kons­truktiver Einbringung.

Hintergrund der Affäre ist ein missglückter Umstrukturierungsversuch: Scheeres hatte eigentlich vor, die Marcel-Breuer-Schule und die unmittelbar benachbarte Martin-Wagner-Schule auf mehrere Standorte zu verlagern. In den frei werdenden Räumen sollte der "Campus Gestaltung" entstehen, eine gymnasiale Oberstufe. Doch nach harschen Protesten und einer anonymen Todesdrohung gegen Schulleiter Sonntag unternahm Scheeres eine Kehrtwende: Anfang Juli schrieb sie einen Brief an die Schulen, in dem plötzlich von einem "ergebnisoffenen angelegten Fusionsprozess" die Rede war.

Quelle: n-tv.de, dsi