Panorama

Vorwurf der Gruppen-Vergewaltigung Staatsanwalt hebt Haftbefehle auf

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Eine Demonstrantin fordert mit dem Slogan "My Name is No!" ein schärferes Sexualstrafrecht.

(Foto: imago/UPI Photo)

Der Fall sorgt bundesweit für Schlagzeilen: Die Polizei nimmt Mitte Juni fünf junge Männer aus München fest, weil sie eine 26-Jährige in deren Wohnung vergewaltigt haben sollen. Doch Tonaufnahmen aus der Nacht wecken Zweifel an der Geschichte der Frau.

Die Staatsanwaltschaft München will die Haftbefehle gegen fünf mutmaßliche Vergewaltiger aufheben lassen, die im April eine 26 Jahre alte Frau aus München in der eigenen Wohnung missbraucht haben sollen. "Die derzeitige Verdachtslage reicht nicht aus, um die Haftbefehle aufrecht zu erhalten", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch der "Bild"-Zeitung. Offenbar bestehen ernsthafte Zweifel an der Version des angeblichen Vergewaltigungsopfers.

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Die Münchnerin hatte Anzeige gegen die fünf 19 Jahre alten Männer erstattet und behauptet, sie sei von ihnen in ihrer Wohnung vergewaltigt worden. Ein sechster Mann habe in der Tatnacht zudem einige ihrer Habseligkeiten gestohlen, um sie später weiterzuverkaufen. Kennengelernt habe sie die Gruppe in einer Shisha-Bar an der Münchner Freiheit - und sich nichts dabei gedacht, als sie die Männer zu sich in die Wohnung einlud. An das, was dann dort geschah, könne sie sich nicht erinnern. Sie sei aber irgendwann nackt und mit Schmerzen im Unterleib aufgewacht.

Dass es sich nicht - wie behauptet - um eine Gruppen-Vergewaltigung gehandelt haben könnte, legt laut "Bild"-Bericht eine Tonaufnahme nahe, die in der besagten Nacht aus der Wohnung verschickt wurde. Darauf sei die 26-Jährige zu hören, wie sie stöhnt, lacht und sich mit den jungen Männern unterhält. Nach Angaben der Verteidiger Alexander Stevens und Stephan Lucas hatte die Frau einvernehmlichen Sex mit zwei der Männer. Dass Gewalt angewendet wurde, sei anhand des sichergestellten DNA-Materials nicht nachweisbar.

U-Haft wegen Diebstahls

Der Staatsanwaltschaft machen Stevens und Lucas schwere Vorwürfe. "Offenbar gilt im Sexualstrafrecht nicht die Unschulds-, sondern Schuldvermutung", kritisierten die Verteidiger. Alle Verdächtigten hätten die Vorwürfe bestritten und seien dennoch verhaftet worden. Laut Staatsanwaltschaft sei die Untersuchungshaft angeordnet worden, weil die jungen Männer versucht hatten, den Diebstahl zu vertuschen. "Es herrschte Verdunkelungsgefahr", so Oberstaatsanwalt Steinkraus-Koch.

Fälle von erfundenen Vergewaltigungen gibt es immer wieder: Zuletzt hatte eine 21-Jährige aus Thüringen im Februar behauptet, von drei Flüchtlingen sexuell missbraucht worden zu sein. Der Fall war in den sozialen Netzwerken breit diskutiert worden. Im Verhör räumte die Frau dann jedoch ein, die Vergewaltigung erfunden zu haben - laut Polizei wohl aus ausländerfeindlichen Motiven.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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