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43-Jähriger tötete nicht selbst US-Gericht stoppt umstrittene Hinrichtung

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Der 43-jährige Woods soll die geistige Reife eines Kindes haben.

(Foto: AP)

Jeffery Wood sitzt in der Todeszelle, weil sein Bekannter einen Menschen tötete. Das entsprechende Gesetz ist umstritten, dennoch soll Woods hingerichtet werden. Doch er bekommt Aufschub - wegen einer fragwürdigen Aussage im Prozess.

Die Hinrichtung eines Gefangenen im US-Bundesstaat Texas, der wegen des tödlichen Raubüberfalls eines Bekannten zum Tode verurteilt worden war, ist vorerst gestoppt. Ein Berufungsgericht in Austin gab dem Einspruch der Anwälte von Jeffery Wood statt und ordnete einen Aufschub an. Zur Begründung hieß es, die Aussage eines umstrittenen Psychiaters im Prozess gegen Wood müsse überprüft werden.

"Das Gericht hat die richtige Entscheidung getroffen", erklärte Woods Anwalt Jared Tyler. Der 43-jährige Mann mit der geistigen Reife eines Kindes sollte eigentlich am Mittwoch hingerichtet werden. Sein Fall löste eine Welle des Protests in den USA aus. Wood war 22 Jahre alt, als er 1996 mit Daniel Reneau zu einer Tankstelle in Kerrville fuhr, die sein Bekannter ausrauben wollte. Dass Reneau eine Waffe hatte, wusste Wood laut seinen Anwälten nicht.

Wood wartete im Auto auf den Mann, den er seit knapp zwei Monaten kannte, während Reneau in den Verkaufsraum ging. Als Wood einen Schuss im Laden hörte, ging er hinein, um nachzusehen, was passiert war. Nach Angaben seiner Unterstützer fand er dort den toten Angestellten und wurde von Reneau mit vorgehaltener Waffe gezwungen, das Überwachungsmaterial zu entwenden und anschließend den Fluchtwagen zu fahren.

Zeitung bezeichnet Gesetz als "grotesk"

Aufgrund von Zeugenaussagen wurden die beiden einen Tag später festgenommen und schließlich zum Tode verurteilt. Reneau wurde bereits am 13. Juni 2002 hingerichtet. Das Urteil gegen Woods beruht auf einem speziellen Gesetz in Texas, das den Begriff der Komplizenschaft extrem weit fasst.

Die einflussreiche "New York Times" bezeichnete das Gesetz "als groteske Illustration der vollkommenen Willkür der Todesstrafe". Rund 50 Geistliche aus den USA hatten zuvor ein Gnadengesuch an den texanischen Gouverneur Greg Abbott gerichtet, damit er die Hinrichtung per Giftspritze stoppt. Zudem übergaben die Unterstützer nach eigenen Angaben eine entsprechende Petition mit mehr als 10.500 Unterschriften dem Gouverneur sowie der für Begnadigungen zuständigen Behörde.

Texas ist der Bundesstaat mit den meisten Hinrichtungen in den USA. Dort existiert das sogenannte Law of Parties, nach dem jeder zum Tode verurteilt werden kann, der in einen Kriminalfall mit Todesfolge verwickelt ist - unabhängig vom Grad der Beteiligung oder seinen Absichten.

Quelle: n-tv.de, kst/AFP

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