Panorama

Risikofaktor Mensch US-Klinik wies Ebola-Patienten ab

Kurz nach einer Liberia-Reise sucht ein Mann mit grippeähnlichen Symptomen ein texanisches Krankenhaus auf. Niemand wird misstrauisch - und zwei Tage später kämpfen die USA mit dem ersten Ebola-Ausbruch außerhalb Westafrikas.

Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Muskelschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Magenkrämpfe: Die Liste der Symptome, die der unbekannte Patient in der Ambulanz des Presbyterian Hospitals in Dallas herunterspult, ist lang. Genauso lang ist allerdings die Schicht, die vor den Ärzten der texanischen Klinik liegt: Freitagabend, das bedeutet wenige Ärzte und viele Betrunkene, die sich verletzen. Für den Mann mit den grippeähnlichen Symptomen bleibt da wenig Zeit. Die Ärzte verschreiben ihm ein Antibiotikum und schicken ihn nach Hause.

Zwei Tage später kommt der Mann wieder, diesmal in einem Krankenwagen: Sein Zustand hat sich dramatisch verschlechtert, innere und äußere Blutungen quälen den Mann, ein maserartiger Hautausschlag beginnt seinen gesamten Körper zu überziehen. Jetzt erst dämmert den Ärzten, was sie da mit großer Sicherheit vor sich haben: den ersten unkontrollierten Ebola-Fall in den USA. Plötzlich geht alles sehr schnell: Der Patient wird sofort auf eine Isolierstation gebracht, die Behörden beginnen mit der fieberhaften Suche nach Mitmenschen, die der Infizierte angesteckt haben könnte.

Ein stressiger Freitagabend

"Ironischerweise hatten wir erst in der vergangenen Woche ein Meeting mit allen relevanten Akteuren, das uns auf genau diese Art von Ernstfall vorbereiten sollte", sagt der Epidemiologe des Presbyterian über die schnelle Einrichtung einer Isolierstation. Was Dr. Edward Goodman allerdings nicht erwähnt: Die Vorbereitung auf den Ernstfall beginnt eigentlich schon viel früher, bei der Diagnose. Eine Frage nach dem letzten Reiseziel des Patienten hätte ausgereicht, um die Krankheit bereits 48 Stunden vorher festzustellen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Nur hatte an diesem stressigen Freitagabend eben kein Arzt die Zeit, um genau diese Frage zu stellen - warum auch, es ging ja offensichtlich nur um eine stinknormale Grippe.

Thomas Frieden, der Direktor der US-Behörde CDC (Center for Disease Control), bemüht sich jetzt um Schadensbegrenzung: Das Ansteckungsrisiko in den USA sei äußerst gering, denn die Krankheit werde hauptsächlich über Körperflüssigkeiten von erkrankten Patienten übertragen. Außerdem sei das Gesundheitssystem der USA "stark" und "vollkommen anders" als in den von der Ebola-Epidemie betroffenen Ländern in Westafrika, wo es bereits mehr als 3000 Tote gab. Will sagen: Kein Anlass zur Hysterie.

Auch wenn der CDC-Chef mit seiner Einschätzung wohl auf der sicheren Seite steht, nachdenklich stimmt die Geschichte des ersten Ebola-Falles auf amerikanischem Boden sehr wohl: So ausgefeilt die Regeln zur Früherkennung auch sein mögen, der Mensch selbst ist am Ende einmal mehr der größte Risikofaktor.

Ebola-Epidemie in Afrika: Helfen Sie mit und spenden Sie!

Quelle: n-tv.de

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