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Mit "Fiat Lux" gen Weltuntergang Umstrittene Sektengründerin Uriella ist tot

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Erika Bertschinger-Eicke alias Uriella gründete die Sekte "Fiat Lux".

(Foto: dpa)

Computercrash, Vulkanausbrüche, Flutwellen: Uriella glaubte zu wissen, wie die Welt bald untergehen wird. Mit ihrer Sekte "Fiat Lux" sorgte sie für Aufsehen, auch wegen krimineller Machenschaften. Nun ist die selbsternannte Missionarin gestorben.

Die mit ihren Weltuntergangsszenarien in den 80er- und 90er-Jahren zu Bekanntheit gelangte Sektenführerin Uriella ist tot. Wie die Gemeinde Ibach im Südschwarzwald mitteilte, starb die selbsternannte Geistheilerin und Chefin der Sekte "Fiat Lux" mit 90 Jahren. Ihr Ehemann Icordo, der Sprecher der Sekte ist, bestätigte ebenfalls den Tod.

Die Schweizerin mit dem bürgerlichen Namen Erika Bertschinger-Eicke hatte "Fiat Lux" nach Angaben der Sekte 1980 gegründet. Sie praktizierte zunächst in der Schweiz, bevor sie sich mit einigen Anhängern in Ibach niederließ. Uriella sah sich als Sprachrohr Jesu und behauptete, direkt mit dem Engel Uriel zu kommunizieren. Sie verschrieb sich der Missionierung und kündigte mehrfach den Weltuntergang an.

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Gemeinsam mit ihrem Mann Icordo (hier 1992) führte Uriella die Sekte "Fiat Lux".

(Foto: picture alliance/dpa)

Bekannt wurde Uriella auch durch eine Reihe Fernsehauftritte. So ließ sie sich dabei filmen, wie sie mit einem Silberlöffel in einer Badewanne Wasser umrührte - so stellte sie angebliches Wunderwasser her, das sie dann verkaufte. Ihre auf ihre Anweisung weißgekleideten Sektenanhänger zwang sie in ein strenges Diktat, in dem Fleisch, Alkohol, Nikotin und Sex verboten waren.

Mehrere juristische Konflikte

Neben öffentlicher Belustigung sorgte das Auftreten von Uriella allerdings auch wiederholt für strafrechtliche Verfolgung. 1996 wurde sie aus Mangel an Beweisen und entlastet durch Aussagen von ihren Anhängern vom Verdacht der fahrlässigen Tötung freigesprochen, nachdem zwei ihrer Anhängerinnen verstorben waren.

Eine der Frauen hatte sich bei Gartenarbeiten verletzt und eine Blutvergiftung zugezogen. Statt einen Arztbesuch und Antibiotika zu empfehlen, hatte Uriella die Frau damals mit angeblich heilendem Licht per Telefon behandelt und zur Medikation mit Engelwurz und Ringelblumen geraten.

In einem anderen Verfahren wurde die Sektenführerin 1998 wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Sie hatte in Deutschland nicht zugelassene sogenannte Heilmittel einschmuggeln lassen und diese dann ohne Steuern zu zahlen verkauft. Dem Richter bescheinigte Uriella, "seine irdische Pflicht" erfüllt zu haben - "nach göttlichen Gesetzen bin ich jedoch unschuldig".

Apokalypse mit Flutwellen und Computercrash

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Bei der Gemeinderatswahl 1999 kandidierte "Fiat Lux" mit einer eigenen Liste - nur Uriellas Ehemann Icordo (M.) errang ein Mandat.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Nachdem es "Fiat Lux" zwischenzeitlich sogar mit einem Vertreter in den Gemeinderat von Ibach geschafft hatte, herrschte seit Jahren Ruhe um die geschrumpfte Sekte. In den 1990er-Jahren gehörten ihr eigenen Angaben zufolge noch 700 Personen in der Schweiz, Deutschland und Österreich an. Laut Ibachs Bürgermeister Helmut Kaiser hat "Fiat Lux" in der jüngeren Vergangenheit öffentlich kaum noch eine Rolle gespielt.

Zuletzt sorgte Uriella rund um die Jahrtausendwende als eine von vielen Weltuntergangsprophetinnen für größeres Aufsehen. Damals kündigte sie einen Computercrash mit einem sich anschließenden Chaos an. In der direkten Folge sollte die Weltwirtschaft zusammenbrechen und nach der Ermordung eines wichtigen Staatsoberhauptes der Dritte Weltkrieg ausbrechen.

Zugespitzt werden sollte die Situation dann noch durch einen in die Nordsee stürzenden riesigen Meteoriten, der todbringende Flutwellen um den Planeten rasen lassen sollte, außerdem sollten Vulkane ausbrechen. Nur Anhänger, die nach ihren Richtlinien lebten, sollten gerettet werden - durch riesige Raumschiffe.

Quelle: n-tv.de, cri/AFP/dpa

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