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Telefonieren im Flugzeug Der Smartphone-Bann wackelt

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Ein kleiner Schritt für die Behörde, ein großer für Fluggesellschaften, Gerätehersteller und Passagiere: Die "electronic devices" dürfen womöglich schon bald ohne Unterbrechung laufen.

(Foto: AP)

Die handyfreie Phase im Flugzeug könnte schon bald der Vergangenheit angehören: Die mächtige Federal Communications Commission gerät offenbar in Bewegung. Das dürfte auch die Anbieter von Tablets und E-Books freuen.

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Charakteristisches Geraschel der Zeitungen vor dem Start: Was passiert, wenn der Smartphone-Bann fällt?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die einflussreiche Aufsichtsbehörde für alle Belange der Telekommunikation in den USA, die Federal Communications Commission (FCC), denkt laut darüber nach, den Einsatz von Mobilfunkgeräten an Bord von Flugzeugen deutlich auszuweiten.

Bislang noch müssen Passagiere ihre Mobiltelefone, E-Books, Laptops, Smartphones, Tablets und andere mobile Endgeräte vor Starts und Landungen komplett herunterfahren und ausschalten, um etwaige Störungen der empfindlichen Bordelektronik auszuschließen.

Geschäftsreisende, Pendler und andere Vielflieger stört diese Regelung schon seit jeher. Sie macht nicht nur das Fliegen mit dem oft sehr zeitaufwändigen Boarding-Prozess generell unattraktiver, sondern schneidet mitunter auch Entscheider und Führungskräfte in womöglichen kritischen Verhandlungsphasen komplett von den Kommunikationsabläufen ihres jeweiligen Unternehmens ab.

Dazu kommen die wirtschaftlichen Überlegungen der Tablet- und E-Book-Anbieter: Ihre volle Leistungsfähigkeit als Informations-, Verkaufs- oder Unterhaltungsmedium entfalten diese Geräte aus der Sicht der Hersteller erst mit einer funktionsfähigen Online-Verbindung. Zwar bieten einige Airlines mittlerweile gegen Aufpreis eine Internetverbindung ins bordeigene WLAN-Netz an. Die Masse der Nutzer bleibt bislang jedoch während des Fluges notgedrungen offline.

"Veraltete und strikte Regeln"

Neue Vorschläge sollen nun den Zugang zu mobilen Breitbanddiensten während des Fluges ermöglichen, teilte die Behörde mit. "Es ist an der Zeit, unsere veralteten und strikten Regeln zu überprüfen", erklärte FCC-Leiter Tom Wheeler. Die Technik sei inzwischen so weit, dass Mobilfunk während des Fluges ohne Sicherheitsrisiko genutzt werden könne. Passagiere von US-Fluggesellschaften dürften damit in absehbarer Zeit während des Fluges ihre Mobiltelefone benutzen können.

Mitte Dezember wollen die FCC-Experten Vorschläge unterbreiten, welche die Nutzung von Handys oder Tablet-Computern in den Netzen 3G und 4G während des Fluges erlauben. Bei Start und Landung müssen die Geräte wohl aber weiterhin abgeschaltet sein. Die neue Regelung soll dann zusammen mit der Luftfahrtaufsicht Federal Aviation Administration (FAA) ausgearbeitet werden. Da sich beim Einsatz von Mobilfunkgeräten im zivilen Luftverkehr die Zuständigkeiten überschneiden, müssen die beiden Behörden ihre jeweiligen Anforderungen und Bedenken auf einen Nenner bringen.

Die letzte "handyfreie Zone" fällt

Bis die neue Regelung in vollem Umfang eingeführt werden kann, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Sobald die FCC die Vorgabe veröffentlicht hat, beginnt eine Phase öffentlicher Konsultationen, die bis zu einem Jahr dauern kann. Dann müssen die US-Fluggesellschaften zustimmen und gegebenenfalls umrüsten, was wiederum von der FAA genehmigt werden muss. Er freue sich schon darauf, eng mit der FAA und der Luftfahrtindustrie zusammenzuarbeiten, "um diese neue Möglichkeit für die Verbraucher" zu prüfen, erklärte FCC-Chef Wheeler.

Mit der angekündigten Lockerung könnten auch Telefongespräche über den Wolken zum Alltag werden. Es gibt schon seit Jahren Dienstleister, die WLAN-Verbindungen in Flugzeugen anbieten. Allerdings zögerten die Fluggesellschaften bislang damit, mit Hilfe dieser Netzverbindung auch Gespräche über das Internet zu erlauben.

Ziehen die Europäer nach?

Anfang November hatte die FAA bereits Passagieren in den USA den Offline-Betrieb von Mobiltelefonen, E-Books, iPods und Smartphones während der Start- und Landephasen gestattet. Der Freigabe gingen umfangreiche Tests zur Flugsicherheit voraus. Im Oktober war eine Arbeitsgruppe der Luftfahrtaufsicht zu dem Schluss gekommen, dass bei der Nutzung eines bordeigenen WLAN-Netzes durch Passagiere auch in kritischen Phasen nicht mit Problemen in der Bordelektronik zu rechnen ist. Beobachter gehen nun davon aus, dass sich die europäischen Behörden dieser Einschätzung bald anschließen werden.

Die Europäische Flugsicherheitsagentur (EASA) hatte vergangene Woche angekündigt, dass Flugreisende in Europa ihre Mobilgeräte bald auch während des Flugs ausführlich nutzen dürfen. Bis Ende November will die EASA neue Richtlinien für die Verwendung von Smartphones und Tablets auf Flügen veröffentlichen. Langfristig strebt die Behörde nach eigenen Angaben an, auch Handy-Telefonate auf Flügen zu erlauben. Bisher sehen die Richtlinien der EASA vor, dass Handys, MP3-Player oder E-Book-Reader nicht während des Starts, der Landung oder auf dem Rollfeld genutzt werden dürfen.

Lediglich die Verwendung von größeren Tablets und Laptops dürfte weiterhin Beschränkungen unterliegen: Der mobile Datenfunk spielt dabei jedoch überhaupt keine Rolle. Die größeren Geräte sind schlicht zu schwer, um sie etwa während einer ruppigen Landung vollkommen gefahrlos auf dem Schoß zu halten. Um Verletzungen von Passagier oder Sitznachbar zu vermeiden, dürfte die Nutzung dieser Geräteklassen wohl dauerhaft untersagt bleiben. Sie müssen - zumindest zeitweise - im Gepäckfach oder unter dem Sitz verstaut werden.

Quelle: n-tv.de, mit dpa und AFP

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