Panorama

Ulrichs zu Test-Zuverlässigkeit Omikron - so lang ist die Inkubationszeit

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Der Anteil von Omikron am Infektionsgeschehen in Deutschland nimmt rasend schnell zu, sagt das RKI. Delta spielt eine immer geringere Rolle.

(Foto: picture alliance/dpa)

Omikron breitet sich weltweit rasend schnell aus. Die neue Corona-Variante ist viel ansteckender als Delta. Tückisch ist, dass Omikron-Infektionen bei Geimpften mit Schnelltests erst später nachgewiesen werden können als bei Ungeimpften.

Die Omikron-Variante treibt die Infektionszahlen weiter nach oben. Seitdem wir vor rund einem Monat zum ersten Mal von der neuen Corona-Variante gehört haben, gab es bei uns in Deutschland mittlerweile über 60.000 Infektionen mit Omikron. Neue Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass Omikron schon bald das Infektionsgeschehen in Deutschland dominieren dürfte.

Omikron ist laut Epidemiologe Hajo Zeeb zweieinhalb bis dreieinhalb mal infektiöser als die Delta-Variante. Die Variante breitet sich deshalb viel schneller und effektiver aus als Delta, sagt der Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin im ntv-Podcast "Wieder was gelernt".

"Durch die Mutationen auf dem Spike-Protein ist die Bindungsfähigkeit an die Wirtszellen im menschlichen Körper noch besser. Das heißt, es reichen viel weniger Viren aus, um eine Infektion auszulösen. Und deswegen ist das Ganze so erfolgreich." Zwar seien die klinischen Verläufe etwas leichter als bei den anderen Varianten. Das Gesundheitssystem könne aber trotzdem überlastet werden, warnt Ulrichs. Wenn es viele Neuinfizierte auf einmal gebe, würden wieder viele Menschen in Krankenhäuser kommen.

Ein weiteres Problem bei Omikron ist, dass die Inkubationszeit kürzer sein könnte als bei anderen Corona-Varianten. Die Inkubationszeit ist die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten erster Symptome. Das hatten auch die Virologen Jörg Timm und Hendrik Streeck gesagt. Belastbare Daten zu einer kürzeren Inkubationszeit gibt es aber noch nicht, betont Timo Ulrichs. "Man hat ja gelernt, dass diese mögliche Inkubationszeit bis zum Ausbruch im Nasen-Rachen-Raum, bis die Viren dann auch ausgeschieden werden können, bis zu 14 Tage dauern kann. Bis man wieder auf der sicheren Seite ist, dass das Ganze dann vorbei ist. Es könnte sein, dass das bei Omikron alles etwas schneller abläuft, aber muss es nicht."

Deshalb hält es Ulrichs für sinnvoll, die klassische Quarantänezeit vorerst noch beizubehalten. Aktuell heißt das: zehn Tage häusliche Quarantäne nach Kontakt zu einer infizierten Person. Mit einem negativen PCR-Test kann die Quarantäne auch nach fünf Tagen beendet werden.

"Symptome können erst viel später kommen"

Bei Omikron ist die Lunge etwas weniger stark betroffen, Lungenzellen lassen sich nicht so gut mit Omikron infizieren wie die Zellen der oberen Atemwege, also in Nase und Rachen. Die Symptome einer Infektion sind ähnlich wie bei den anderen Corona-Varianten: Schnupfen, Husten und Halsschmerzen, sagt das RKI. Auch Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Schweißausbrüche wurden beobachtet. Was nicht auftritt, ist ein Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns.

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Wer keine Symptome hat, sollte sich aber nicht leichtsinnig verhalten: Schon einige Tage, bevor diese überhaupt auftreten, kann man ansteckend sein. Wann sich die Symptome zeigen, hängt auch davon ab, ob man geimpft ist oder nicht, erläutert Timo Ulrichs im Podcast. "Gerade wenn man geimpft ist, springt das Immunsystem schon recht früh an, an den Schleimhautoberflächen im Nasen-Rachen-Raum. Und dann kann es sein, dass die Symptome erst sehr viel später kommen, weil die Infektion schon gleich vor Ort eingedämmt wird. Und, dass das Testergebnis erst später positiv wird, obwohl die Viren schon da sind und sich dann wiederum auch verbreiten könnten durch Aerosolbildung. Das bedeutet, dass in vielen Fällen das Virus schon da ist, aber die Antigen-Schnelltests erst später ausschlagen, weil durch die gleichzeitige Aktivierung der Immunantwort nicht so viele Viren gebildet werden, die dann nötig sind, dass der Antigen-Schnelltest positiv ausschlägt." Das gelte bei Geimpften auch für die Delta-Variante.

"Wieder was gelernt"-Podcast

"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Warum wäre ein Waffenstillstand für Wladimir Putin vermutlich nur eine Pause? Warum fürchtet die NATO die Suwalki-Lücke? Wieso hat Russland wieder iPhones? Mit welchen kleinen Verhaltensänderungen kann man 15 Prozent Energie sparen? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

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Ungeimpfte sind gefährdeter sich anzustecken als Geimpfte und können das Virus auch leichter weitergeben, sagt der Epidemiologe bei "Wieder was gelernt". Zwar wirken die bisher zugelassenen Impfstoffe nicht so gut gegen Omikron wie gegen die anderen Corona-Varianten. Besser geschützt sind die Geimpften aber trotzdem.

Booster senkt Risiko für Omikron-Ansteckung erheblich

Der Virologe Christian Drosten hat in seinem NDR-Podcast klargemacht, dass vor allem die Booster-Impfung einen Unterschied macht. Erst eine dritte Dosis senkt das Risiko erheblich, sich mit der neuen Corona-Variante anzustecken. Er bezieht sich dabei auf eine Preprint-Studie aus Dänemark. Darin steht, dass das Infektionsrisiko bei Omikron für Ungeimpfte genauso hoch ist wie für doppelt Geimpfte. Bei geboosterten Menschen sinkt das Risiko aber um 54 Prozent. Auch Geboosterte sind gegen Omikron nicht so stark geschützt wie gegen Delta, vor schweren Verläufen schützt die Impfung aber dennoch.

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Experten gehen weiter davon aus, dass die Omikron-Variante mildere Krankheitsverläufe verursacht. Darauf weisen unter anderem zwei Studien aus Großbritannien hin. Forscher des Imperial College in London haben herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit von Klinikeinweisungen bei Omikron-Fällen in England um 20 bis 25 Prozent niedriger ist als bei Infektionen mit der Delta-Variante. Das Risiko, mit einer Omikron-Ansteckung für eine Nacht oder länger im Krankenhaus zu landen, sei sogar um 40 Prozent niedriger als bei Delta, steht in der Studie. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh, so Virologe Hendrik Streeck bei RTL. "Natürlich ist es erst mal eine gute Nachricht, aber man muss trotzdem vorsichtig sein. Trotz allem sind zu viele Infektionen durch Omikron auch immer noch ein Problem."

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 08. Januar 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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