Panorama

Aberglaube in Tansania Zerstückeltes Albino-Kleinkind gefunden

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Das Bild zeigt die junge Frau Angel Salvatory mit ihrem Bruder Ezekiel und ihrer Mutter Bestida. Die Lage der Albinos in Tansania ist gefährlich.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In einem Wald in Tansania wird der verstümmelte Leichnam eines kleinen Albino-Kindes gefunden. Arme und Beine fehlen - sie wurden vermutlich verkauft. Der Grund ist ein abscheulicher Aberglaube.

Wenige Tage nach seiner Entführung in Tansania ist ein Albino-Kleinkind tot gefunden worden. Die verstümmelte Leiche des anderthalbjährigen Jungen sei in einem Wald im Norden des Landes entdeckt worden, erklärte die Polizei. In Tansania verwenden selbst ernannte Zauberer oft Körperteile von Albinos bei ihren Ritualen, immer wieder werden Albinos verschleppt und ermordet.

Das tote Kind sei im Wald von Biharamulo gefunden worden, nur wenige Kilometer von seinem Heimatdorf Ilelema entfernt, sagte der Polizeichef der Region Geita, Joseph Konyo. Die Arme und Beine des Jungen seien abgehackt worden. Zwei Menschen, darunter der Vater des Kindes, würden von der Polizei verhört.

Die Mutter des Kleinkindes war bei dem Versuch, ihren Sohn zu verteidigen, von den Entführern mit Machetenhieben schwer verletzt worden. Sie musste inzwischen wegen der Verschlechterung ihres Zustandes in ein besser ausgestattetes Krankenhaus verlegt werden, wie ein behandelnder Arzt im staatlichen Fernsehen sagte.

65.000 Euro für eine Leiche

Eine der beiden Schwestern des toten Kindes, ein dreijähriges Albino-Mädchen, steht seit dem Überfall unter Polizeischutz. Die andere Schwester, ein zwölfjähriges Mädchen, ist bei Verwandten in einem anderen Dorf untergekommen, wie die Polizei mitteilte.

Ende Dezember war in der Nachbarregion Mwanza ein vierjähriges Albino-Mädchen verschleppt worden. Trotz einer ausgesetzten Belohnung für Hinweise, die zum Fund der Kleinen führen, ist das Kind nach wie vor verschwunden.

Seit dem Jahr 2000 wurden in Tansania mindestens 74 Albinos ermordet, darunter viele Kinder. Albinos, denen Farbpigmente in Haut, Haaren und Augen fehlen, gelten in Teilen Afrikas als Glücksbringer und Vorboten von Reichtum. Ihre Körperteile werden nach UN-Angaben für umgerechnet je rund 500 Euro verkauft, ein ganzer Leichnam wird mit bis zu 65.000 Euro gehandelt.

UN-Experten warnen vor einer Zunahme von Angriffen auf Albinos im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in Tansania im Oktober dieses Jahres, da Wahlkämpfer häufig auf die Unterstützung von Hexern setzten. Die tansanische Regierung hat Hexern inzwischen ein Betätigungsverbot erteilt und eine Aufklärungskampagne gestartet, um den Angriffen auf Albinos ein Ende zu setzen.

Quelle: ntv.de, bdk/AFP

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