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Fliehende Flüchtlinge 2000 Palästinenser brechen aus Jarmuk aus

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Nur gut zehn Prozent der ursprünglichen Bevölkerung Jarmuks harrt noch in dem weitgehend zerstörten Stadtteil aus. Nun werden es noch weniger.

(Foto: Reuters)

Das Palästinenserlager Jarmuk gerät zum Einfallstor für den IS in Damaskus. Bereits 90 Prozent kontrollieren die Dschihadisten. Für das syrische Regime ist die Entwicklung bedrohlich. Es fängt die Flüchtlinge aus dem Lager nun auf - obwohl es selbst Besatzer war.

Rund 2000 Menschen sind vor den schweren Kämpfen aus dem Palästinenserlager Jarmuk im Süden von Damaskus geflohen. "Die meisten von ihnen wurden in Notunterkünften der Regierung untergebracht", sagte ein Sprecher der "Volksfront für die Befreiung Palästinas - Generalkommando" (PFLP-GC) in Damaskus.

Vor einer Woche hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Großteil des Lagers überrannt. Palästinensische Bürgerwehren leisten jetzt erbitterten Widerstand gegen den IS, der nach Angaben der Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London bereits 90 Prozent des Gebiets des Flüchtlingslagers kontrolliert.

In Jarmuk hatten zuletzt noch 18.000 von ursprünglich 150.000 Palästinensern gelebt. Sie bzw. ihre Vorfahren waren in den späten 1940er Jahren vor den israelisch-arabischen Kriegen nach Syrien geflohen. Jarmuk wurde über die Jahrzehnte ein fester Stadtteil von Damaskus.

EU reagiert mit Soforthilfe

Die jüngsten Kämpfe machen die ohnehin schwierige Lage der Palästinenser inmitten des syrischen Bürgerkriegs und angesichts einer Blockade durch das Regime von Machthaber Baschar al-Assad gänzlich unerträglich. Vielen Bewohnern sind die Fluchtwege durch die Kampfhandlungen abgeschnitten.

Einigen Menschen, denen die Flucht bis in den Libanon gelang, berichteten Reportern dort von unaufhörlichem Granatbeschuss und verschärftem Mangel an Trinkwasser und Lebensmitteln. Nach Angaben eines UN-Sprechers gab es dort zuletzt weder Lebensmittel und Trinkwasser noch Elektrizität oder Arzneimittel.

Die Europäische Union stellt angesichts der dramatischen Lage in Jarmuk 2,5 Millionen Euro für Soforthilfe bereit. "Das Leiden der Zivilisten erreicht unerträgliche Ausmaße (...)", kommentierte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides. Die Konfliktparteien seien aufgerufen, Hilfsorganisationen unverzüglich und ohne Bedingungen Zugang zu dem Gebiet zu ermöglichen.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa

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