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Operation auf dem Sinai Ägypten will "Terrornester ausrotten"

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Seit dem Massaker in zwei Koptischen Kirchen im April 2017 gilt in Ägypten der Ausnahmezustand.

(Foto: imago/UPI Photo)

Immer wieder verüben Extremisten in Ägypten Anschläge auf Sicherheitskräfte und die christliche Minderheit. Jetzt wollen Armee und Polizei den Kampf gegen die mutmaßlichen Terroristen verschärfen. Ziel ist vor allem der Sinai.

Nach zahlreichen Anschlägen in Ägypten haben Sicherheitskräfte des nordafrikanischen Landes eigenen Angaben zufolge eine groß angelegte Anti-Terror-Operation begonnen. Armee und Polizei würden auf der Sinai-Halbinsel und in anderen Regionen umfassend gegen Terrorgruppen vorgehen, um diese "auszurotten", sagte ein Militärsprecher am Freitag in einer TV-Ansprache. Die Armee erklärte, Flugzeuge hätten "Nester" und Waffenlager von Terroristen bombardiert. Augenzeugen auf dem Sinai berichteten, es seien Explosionen von Luftangriffen zu hören. Aus Sicherheitskreisen hieß es, große Teile der Halbinsel seien abgeriegelt worden. Die Marine kontrolliere die Küste, um Nachschublinien abzuschneiden.

Nach Armeeangaben gehen die Sicherheitskräfte auch im Nil-Delta im Norden Ägyptens und in der Wüste im Westen des Landes gegen mutmaßliche Terroristen vor. Armee und Polizei seien in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Vor allem der verarmte und vernachlässigte Norden des Sinai ist eine Dschihadisten-Hochburg. Dort ist der ägyptische Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aktiv. Er bekannte sich in der Vergangenheit mehrfach zu Angriffen auf ägyptische Sicherheitskräfte, aber auch auf die Minderheit der Christen.

Bei einem verheerenden Angriff auf eine Moschee im Nordsinai waren im vergangenen Jahr mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen. Der IS übernahm nie offiziell die Verantwortung dafür. Die Angreifer sollen aber laut Staatsanwaltschaft IS-Flaggen bei sich getragen haben. 2016 hatte der Ableger der Terrormiliz Anschläge auf koptische Christen unter anderem in Kairo und Alexandria für sich beansprucht.

Tausende Islamisten in Haft

Ägyptens autoritäre Führung geht seit dem Sturz des frei gewählten Präsidenten Mohammed Mursi 2013 durch das Militär mit harter Hand gegen Islamisten vor. Menschenrechtler beklagen, dass Tausende Menschen aus politischen Gründen in Haft säßen. Die islamistische Muslimbruderschaft wurde als Terrororganisation eingestuft.

Die Anti-Terror-Operation beginnt wenige Wochen vor der Präsidentenwahl Ende April. Bei der Abstimmung gilt die Wiederwahl von Staatschef Abdel Fattah al-Sisi als sicher, da es keinen ernstzunehmenden Konkurrenten gibt. Mehrere Bewerber verzichteten auf eine Kandidatur, Berichten zufolge unter Druck der Führung. Al-Sisi hat sich den Kampf gegen den Terror auf die Fahnen geschrieben.

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

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