Politik

Kiew "garantiert sichere EM" Anschlagsserie erschüttert Ukraine

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Diese Anschläge erschrecken nicht nur die Ukraine, sondern ganz Europa.

(Foto: AP)

Trotz einer Bombenserie mit mindestens 27 Verletzten in der Stadt Dnjepropetrowsk sieht die Ukraine keine Sicherheitsgefahr für die Besucher der Fußball-Europameisterschaft im Juni. Die Veranstalter garantieren einen störungsfreien Verlauf des Turniers. Deutschland appelliert indes an die Reisenden, aufmerksam zu sein.

Nach den Bombenanschlägen in der Ukraine hat das Auswärtige Amt einen Sicherheitshinweis für den Raum Dnjepropetrowsk ausgesprochen. "Reisenden in der Region wird geraten, besondere Vorsicht walten zu lassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen", hieß es aus dem Ministerium. "Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Kiew beobachten die Lage und die weitere Entwicklung sehr aufmerksam", sagte eine Sprecherin in Berlin.

Sechs Wochen vor der Fußball-Europameisterschaft hat eine Anschlagsserie Dnjepropetrowsk erschüttert. Innerhalb weniger Minuten detonierten nach Polizeiangaben vier Sprengkörper an belebten Plätzen. Mindestens 27 Menschen wurden verletzt.

Die politische Lage in der Ukraine hatte sich ohnehin zugespitzt, nachdem Oppositionsführerin Julia Timoschenko im Gefängnis misshandelt worden sein soll. Die Verfahren gegen sie und andere Mitglieder der früheren Regierung sind in ihren Augen Schauprozesse, um die Opposition mundtot zu machen. In Berlin appellierten Ärzte des Universitätsklinikums Charité nach Untersuchungen der schwer erkrankten 51-Jährigen, sie zur medizinischen Behandlung ausreisen zu lassen. Zugleich mehrten sich Forderungen, deutsche Politiker sollten den Besuch der Fußballspiele boykottieren.

Kiew spricht von Terrorakt

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Die Explosion ereignet sich in Timoschenkos Geburtsstadt.

(Foto: stepmap.de)

In der Ukraine stufte die Generalstaatsanwaltschaft die Anschläge als Terrorakt ein. Präsident Viktor Janukowitsch sprach von einer "Herausforderung für das ganze Land". Die erste Explosion ereignete sich nach Regierungsangaben um 11.50 Uhr an einer Straßenbahn-Haltestelle. Eine halbe Stunde später ging eine Bombe vor einem Kino hoch. Es folgten eine Detonation in der Nähe eines Parks und eine weitere Explosion ebenfalls in der Innenstadt.

Fotos zeigten Blutspritzer auf dem Boden und geborstene Scheiben. Die Polizei sperrte das Zentrum ab. Das Mobilfunknetz der viertgrößten Stadt der Ukraine brach zeitweise zusammen. Nach Angaben von Experten waren die Sprengkörper selbst gebaut.

Nicht einfach zur Tagesordnung zurück

Die Europäische Fußball-Union UEFA sieht keine unmittelbare Veranlassung zu neuen EM-Sicherheitsmaßnahmen. "Es ist zu früh, etwas zu sagen", hieß es aus der Verbandszentrale im schweizerischen Nyon. Die Situation in der Ukraine werde "beobachtet".

Auch die Ukraine sieht keine Sicherheitsgefahr für die Besucher der Europameisterschaft. Die Veranstalter garantieren einen störungsfreien Verlauf des Turniers, sagte Alexander Birsan, der EM-Verantwortliche des ukrainischen Präsidenten. "Wir unternehmen alles Notwendige zur Sicherung der Gäste und der Teilnehmer der EM", sagte Birsan.

Der frühere Fußball-Star und jetzige Verwaltungsrat des weltweit größten Fußballrechte-Vermarkters Infront, Günter Netzer, forderte in der aktuellen Diskussion vom Sport mehr politisches Bewusstsein. "Menschenrechtsverletzungen und gewisse Regierungsformen müssen auch den Sport interessieren", sagte er in München.

Die Verantwortlichen könnten sich nicht mehr länger "einfach zurücklehnen und sagen, Politik und Sport sind zwei Paar Schuhe", sagte Netzer: "Es ist Zeit, das zu überdenken." Aber jetzt in der Ukraine "kann man keinen Boykott der EM verlangen. Diese Aufgabe hat der Sport nicht zu leisten", betonte Netzer. Die Europameisterschaft lenke Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in der Ukraine, "damit ist schon eine ganze Menge getan. Mehr kann man leider nicht tun."

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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