Politik

Deutsche wollen liberales Recht Ärztetag streicht Verbot von Suizidhilfe

238135403.jpg

Der Deutsche Ärztetag hat das strikte Verbot der Suizidhilfe aus seiner Berufsordnung gestrichen.

(Foto: picture alliance / HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com)

Das Bundesverfassungsgericht kippt bereits Ende Februar den Strafrechtsparagrafen 217, der die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung verbietet. Nun hat der Deutsche Ärztetag dieses Verbot aus seiner Berufsordnung gestrichen. Ob das zu einem liberaleren Umgang mit Suiziden führt, bleibt offen.

Der Deutsche Ärztetag hat das strikte Verbot der Suizidhilfe aus der Berufsordnung für Mediziner gestrichen. Er reagierte damit auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar zum assistierten Suizid, wie die Bundesärztekammer mitteilte.

In der Muster-Berufsordnung für Ärzte hieß es bislang: "Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten." Dies könne in der bisherigen Fassung aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht aufrechterhalten werden, begründete das Ärzteparlament seine Entscheidung. Das Verfassungsgericht hatte seinerzeit ein "Recht auf selbstbestimmtes Sterben" festgestellt. Das ärztliche Berufsrecht war zwar nicht Gegenstand der Verfassungsbeschwerde, die Ärztekammer zitierte aber einen Satz der Richter dazu: "Der Zugang zu Möglichkeiten der assistierten Selbsttötung darf aber nicht davon abhängen, dass Ärzte sich bereit zeigen, ihr Handeln nicht am geschriebenen Recht auszurichten, sondern sich unter Berufung auf ihre eigene verfassungsrechtlich verbürgte Freiheit eigenmächtig darüber hinwegsetzen." Die Streichung ändert nach Überzeugung des Ärztetages aber nichts daran, dass "ärztliches Handeln von einer lebens- und gesundheitsorientierten Zielrichtung geprägt ist".

Nach der Muster-Berufsordnung, neben der es eigene Berufsordnungen der Landesärztekammern gibt, sei es Aufgabe der Ärzte, das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen, Leiden zu lindern, Sterbenden Beistand zu leisten und an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken. "Mithin zählt es nicht zu dem Aufgabenspektrum der Ärzteschaft, Hilfe zur Selbsttötung zu leisten", erklärte die Bundesärztekammer. Es könne niemals Aufgabe der Ärzteschaft sein, für Nichterkrankte eine Indikation, Beratung oder gar Durchführung eines Sterbewunsches zu vollziehen.

72 Prozent der Deutschen befürworten die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe mittels Verabreichung tödlich wirkender Mittel. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Vor zwei Jahren, im April 2019, unterstützten dies 67 Prozent der Befragten. Auch den assistierten Suizid - wenn also beispielsweise ein Arzt einem todkranken Patienten bei der Beschaffung des tödlich wirkenden Mittels hilft, der Kranke das Mittel aber eigenständig einnimmt - unterstützen 75 Prozent der Befragten (2019: 69 Prozent). Die Neuregelung des Bundesverfassungsgerichtes wird von 49 Prozent der Deutschen begrüßt, 21 Prozent lehnen die Entscheidung ab, 31 Prozent legten sich nicht fest.

Quelle: ntv.de, als/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.