Politik

Über 100.000 auf den Straßen Atom-Protest belebt Ostermärsche

DDI0709-20110425.jpg-preview2[1].jpg

Friedensbewegte und Atomkraftgegner demonstrierten wie hier im französischen Cattenom vereint.

Die Friedensmärsche zu Ostern, eine Tradition aus dem Kalten Krieg, litten in den vergangenen Jahren an einem Teilnehmerschwund. Der 25. Jahrestag des Atom-Gaus in Tschernobyl und die Katastrophe um Fukushima mobilisiert in diesem Jahr aber eine neue Klientel - vielerorts steigt die Zahl der Demonstranten.

2xif3141.jpg1810755582101549723.jpg

(Foto: dpa)

Weit über 100.000 Menschen haben an Ostern in ganz Deutschland gegen Kriegseinsätze und Atomkraft demonstriert. Die traditionellen Ostermärsche für Frieden und Abrüstung waren in diesem Jahr auch von der aktuellen Diskussion um die Kernenergie angesichts der Atomkatastrophe in Japan geprägt. Am Ostermontag hatte die Anti-AKW-Bewegung auch aus Anlass des 25. Jahrestages des Super-Gaus in Tschernobyl an zwölf Atomstandorten zu Demonstration für die sofortige Stilllegung der Anlagen aufgerufen. Auch deutsche Bischöfe mahnten in ihren Osterpredigten einen Ausstieg aus der Atomenergie und Hilfen für die Konfliktregionen in Nordafrika an.

Allein am Kernkraftwerk Grohnde in Niedersachsen wurden 10.000 Demonstranten erwartet. Während die Veranstalter von mehr Teilnehmern sprachen, zählte die Polizei etwa 3000. Auch zum AKW Unterweser im Norden des Bundeslandes waren zahlreiche Menschen unterwegs. Im südhessischen Biblis demonstrierten mehrere tausend Menschen für die Abschaltung von Atomkraftwerken. In Unterfranken versammelten sich ebenfalls mehrere tausend Menschen zu einem Sternmarsch zum Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. Tausende demonstrieren auch auf den Rheinbrücken zwischen Baden-Württemberg und Frankreich.´Der größte Marsch in Nordrhein-Westfalen in Gronau meldete einen Rekord - 10.000 Teilnehmer zählen die Veranstalter.

Die 80 Ostermärsche, die von Freitag bis Montag stattfanden, führten durch insgesamt 100 Städte. Verglichen mit dem vergangenen Jahr hatten die meisten Ostermärsche nach Angaben der Organisatoren größeren Zulauf. Die Proteste richteten sich gegen den Einsatz der NATO-Truppen in Afghanistan, das militärische Eingreifen in Libyen sowie gegen die weltweiten Rüstungsexporte. Die Teilnehmer forderten statt militärischer Lösungen humanitäre Hilfe und die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen.

Am Samstag waren in Berlin nach Veranstalterangaben rund 4000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von rund 1500 Teilnehmern. Durch die Hamburger Innenstadt zogen unter dem Motto "Bundeswehr raus aus Afghanistan! Atomwaffen abschaffen, Atomkraftwerke abschalten" laut Polizei rund 750 Demonstranten. In München waren es nach Veranstalterangaben etwa 900 Menschen, nach Polizeiangaben etwa 450 Teilnehmern.

Ostermärsche gibt es in Westdeutschland seit 50 Jahren. Sie entstanden 1960 nach britischem Vorbild und etablierten sich als politische Protestaktion der Friedensbewegung gegen Atomwaffen. Ihren Höhepunkt hatten die Ostermärsche in den frühen 80er Jahren, als mehrere hunderttausend Menschen für den Frieden demonstrierten. Mit dem Ende des Kalten Krieges hat das Interesse nachgelassen.

Quelle: ntv.de, dpa