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Donnerstag, 23. März 2017

Deutscher unter den Verletzten: Attentäter ist in Großbritannien geboren

Am Tag nach dem Terroranschlag in London steht das Land noch unter Schock. Zugleich werden immer mehr Fakten bekannt: Der Attentäter war ein in Großbritannien geborener, polizeibekannter Islamist. Unter den Verletzten ist auch eine Deutsche.

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Der Attentäter von London wurde in Großbritannien geboren. Das sagte die britische Premierministerin Theresa May am Tag nach dem Anschlag vor dem Parlament. Die Behörden vermuten die Tat eines Einzelnen. Der Mann war zuständigen Polizeistellen als Islamist bekannt. Er sei vor einigen Jahren bei einer Untersuchung des Inlandsgeheimdiensts MI5 zu "gewalttätigem Extremismus" im Visier der Ermittler gewesen, sagte May.

Noch in der Nacht hatte es Razzien und sieben Festnahmen gegeben. Wie der Chef der Terrorabwehr von Scotland Yard, Mark Rowley, erklärte, wurden die Verdächtigen an sechs verschiedenen Orten festgenommen. Demnach gab es unter anderem Festnahmen in London und Birmingham. In welcher Beziehung die Festgenommenen zu dem Täter stehen, sagte Rowley nicht.

Der "Guardian" berichtete, das bei dem Attentat verwendete Fahrzeug, ein dunkelgrauer SUV vom Typ Hyundai Tucson, sei in Birmingham angemietet worden. Die Stadt gilt als Hochburg der Islamistenszene in Großbritannien. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher von Brüssel und Paris, Mohamed Abrini, hatte dort gewohnt. Er sitzt seit seiner Festnahme in Belgien im April vergangenen Jahres in Haft.

Opferzahlen korrigiert

Die britische Polizei korrigierte die Zahl der getöteten Menschen auf vier. Der Attentäter sowie drei weitere Menschen seien gestorben, sagte Rowley.  Neben dem erstochenen Polizisten wurden ein etwa 50 Jahre alter Mann und eine 43 Jahre alte Frau Opfer des Attentäters. Die Britin mit spanischen Wurzeln wollte gerade ihre Kinder von der Schule abholen, wie Medien berichteten.

Rund 40 Menschen wurden verletzt, darunter auch eine Deutsche. "Wir müssen leider davon ausgehen, dass auch eine deutsche Staatsangehörige bei dem Anschlag in London verletzt worden ist", teilte das Auswärtige Amt mit.

Die anderen Verletzten seien Briten, Franzosen,  Südkoreaner, Griechen, Rumänen, ein Pole, ein Chinese und ein US-Bürger, sagte May am Donnerstag.  29 Menschen wurden am Donnerstag noch in Krankenhäusern behandelt.  Sieben von ihnen sind laut Scotland Yard in einem kritischen Zustand.

Ayrault reist nach London

Das Attentat in London ereignete sich am Jahrestag der Brüsseler Anschläge vom 22. März 2016, bei denen 32 Menschen getötet wurden. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault kündigte an, in die britische Hauptstadt zu reisen. Er werde dort mit den Behörden sprechen und die Familien der französischen Opfer treffen. Bei der Attacke waren auch drei Schüler aus der Bretagne verletzt worden.

In London war der Attentäter mit seinem Fahrzeug erst auf der Westminster-Brücke neben dem Parlament in eine Gruppe von Passanten gefahren und hatte anschließend einen Wachmann vor dem Parlamentsgebäude erstochen, bevor er schließlich erschossen wurde. Das Areal rund um das Parlament war am Donnerstag noch abgesperrt. Hubschrauber kreisen seit der Tat über Westminister.

Bürgermeister fordert Mut

Queen Elizabeth drückte ihr Mitgefühl aus. "Meine Gedanken, Gebete und mein tiefstes Mitgefühl sind bei all denen, die von der gestrigen furchtbaren Gewalt betroffen sind", erklärte die 90-jährige Monarchin in einer vom britischen Königshaus verbreiteten Mitteilung. "Ich weiß, ich spreche im Namen aller, wenn ich meinen tiefen Dank und meine Bewunderung für die Mitglieder der Polizei ausdrücke und für all diejenigen, die so selbstlos daran arbeiten, andere zu schützen", hieß es weiter.

Das britische Parlament und Scotland Yard gedachten ebenso wie Abgeordnete in Deutschland der Opfer. Paris schaltete die Beleuchtung des Eiffelturms ab, das Brandenburger Tor in Berlin sollte das Brandenburger Tor in Berlin in den Farben der britischen Flagge angestrahlt werden. Für 19.00 Uhr ist eine Gedenkveranstaltung auf dem Trafalgar Square in London geplant. 

Bürgermeister Sadiq Khan zeigte sich kämpferisch. "Wir dürfen uns nicht beugen; wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen Erfolg haben und unseren Lebensstil zerstören oder Gemeinden spalten", sagte Khan in einem Interview des Nachrichtensenders Sky News. Zugleich wies er darauf hin, dass die Bedrohungslage in London seit Jahren hoch sei.

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Quelle: n-tv.de